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Kommt die Flatrate fürs Kino?

Abosystem Moviepass Kommt die Flatrate fürs Kino?

Filme auf der großen Leinwand sehen – so oft man will: Abosysteme könnten eine sterbende Institution retten. In den USA wird bereits ein Bezahlmodell nach dem Vorbild von Netflix und Co. getestet.

Ermöglicht den Eintritt in viele Filmtheater der USA: Der Moviepass.

Quelle: Moviepass

Washington. Jeden Tag ins Kino: Das gibt es in den USA seit Kurzem bereits für 10 Dollar (8,50 Euro) im Monat. Die App Moviepass gilt nicht in jedem Haus, aber in den meisten. 91 Prozent Abdeckung verspricht das Unternehmen mit großen Franchises wie Cinemark oder Regal Cinema im Rücken.

Wie funktioniert das? Mithilfe einer Art Kreditkarte und der App bekommt der Nutzer ganz regulär sein Ticket zum Vollpreis, bezahlt wird es allerdings nicht aus der eigenen Tasche, sondern von Moviepass selbst, die Ende Oktober 600 000 Nutzer hatten. Auf diese Weise macht die Firma theoretisch mit jedem Kinobesucher, der für mehr als 10 Dollar im Monat ins Kino geht, ein Minus, will das aber durch die Auswertung der Daten, spezielle Deals mit den Kinos und Werbung wieder reinholen. Nicht alles ist allerdings in der Flatrate enthalten, 3-D- und Imax-Vorstellungen müssen regulär gezahlt werden.

Hollywood fühlt sich bedroht

Die Flatrate-Idee klingt nach Streamingdienst, auch dort bezahlt man oft einen Standardpreis unabhängig von der Quantität der Nutzung. Und so gehört zu den Gründern von Moviepass auch tatsächlich Mitch Lowe, der schon an der Entwicklung von Netflix beteiligt war.

Hollywood fühlt sich durch die Marktdominanz von Streamingdiensten wie Netflix und Amazon bedroht – wenig überraschend, wenn man sieht, wie sich diese Mitbewerber in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Das All-you-can-watch-Bezahlmodell ist für eine ganze Generation selbstverständlich geworden. Die deutschen Kinos hingegen haben 2016 zwölf Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. Viele schrecken die Ticketpreise ab, die im Durchschnitt offiziell zwar bei 8,50 Euro liegen, aber mit Überlänge, guten Plätzen und 3-D schnell auf 15 bis 17 Euro steigen können.

Ermöglicht den Eintritt in viele Filmtheater der USA

Ermöglicht den Eintritt in viele Filmtheater der USA: Der Moviepass.

Quelle: Moviepass

Vor allem jüngere Menschen haben sich daran gewöhnt, zu warten, bis die Filme bei einem Streamingdienst zu sehen sind, oder schauen stattdessen lieber Serien. Die Strategie, diese Zielgruppe zurück ins Kino zu locken, scheint aufzugehen: Der durchschnittliche Nutzer von Moviepass in den USA ist 26 Jahre alt. Ein Vorteil für die Kinohäuser: Einnahmen aus der Gastronomie machen einen nicht unwesentlichen Teil des Umsatzes aus. Mehr Besucher bedeuten auch mehr verkauftes Popcorn.

Deutsche Kinos warnen vor Kampfpreisen

In Deutschland gibt es Moviepass zwar noch nicht, aber die beiden großen Ketten Cinemaxx und UCI haben jeweils bereits Aboangebote. Cinemaxx mit der Gold- (400 Euro für ein Jahr) und Silvercard (250 Euro für sechs Monate) und UCI mit der Unlimited Card, die für 22,50 Euro im Monat zu haben ist. Eine Sprecherin von Cinemaxx warnte: „Kampfpreise wie der von Moviepass sind sehr kritisch zu sehen, da aufseiten der Kinos hohe Fixkosten bestehen.“ Die UCI-Gruppe setzt seit 2015 auf ein Abosystem. Eine Unternehmenssprecherin kommentiert eine mögliche Kooperation mit anderen Ketten mit den Worten: „Man weiß ja nie was kommt, aber im Moment sind wir mit uns im Reinen.“

Kulturpessimisten sehen die Flatrate-Entwicklung nach dem Fitnesscenter-Prinzip kritisch und fürchten um die Kinokultur. Doch man kann darin auch eine Chance für das Kino sehen. Je mehr Menschen die Möglichkeit bekommen, sich kleinere Filme anzusehen, die über kein enormes Marketingbudget und keine große Marke im Hintergrund verfügen, desto eher funktioniert die Mund-zu-Mundpropaganda. So könnten auch unbekanntere Filme eher eine Chance bekommen, doch noch von regulären Kinogängern gesehen zu werden. So bestätigt die UCI-Sprecherin, seit der Einführung des Abosystems gäbe es eine leicht höhere Frequenz an Besuchern, „gerade auch für die mittleren und kleineren Filme, bei denen der potenzielle Besucher eher überlegt, ob er den Film im Kino sehen soll“.

Ungewöhnliche Stoffe könnten profitieren

Hollywood recycelt seit Jahren immer die gleichen Marken und baut seine Welten vermehrt auf bereits erfolgreiche Fiktion wie Bücher oder Videospiele auf. Das liegt auch daran, dass die Menschen bei ihren weniger gewordenen Kinobesuchen lieber auf Vertrautes setzen. Die Erosion des Umsatzes mit Filmen fing mit der Piraterie durch das Internet an und zwang große Studios so, lieber auf Nummer sicher zu gehen und etwa auf den sechsten Spiderman-Film in rund 15 Jahren zu setzen.

Sollte sich durch Flatrates nun herausstellen, dass Besucher durchaus gewagte und ungewöhnliche Stoffe sehen möchten, könnte das Medium Film davon am Ende sogar profitieren.

Von Jan Heemann/RND

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