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Komponist Hans Werner Henze gestorben

Musik Komponist Hans Werner Henze gestorben

Einer der wichtigsten Komponisten der Gegenwart, Hans Werner Henze, ist im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.

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Hans Werner Henze ist tot.

Quelle: Roland Weihrauch

Dresden. Einer der wichtigsten Komponisten der Gegenwart, Hans Werner Henze, ist im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.

Während einer Konzertreise erlitt der 1926 in Gütersloh geborene Musiker vergangene Woche einen Zusammenbruch als Spätfolge einer Parkinson-Erkrankung - er starb am Samstag in einem Dresdner Krankenhaus. Das teilte die Sprecherin des Mainzer Schott-Verlags, Christiane Krautscheid, der Deutschen Presse-Agentur mit. Nach Angaben seiner Verlage soll Henze in seiner italienischen Wahlheimat in Marino beim Rom bestattet werden. Der Zeitpunkt der Beerdigung werde erst in einigen Tagen festgelegt, sagte Krautscheid.

Mehr als 130 Werke kennzeichneten Henzes künstlerische Schaffenskraft. Die Werke „Boulevard Solitude“ (1952), „König Hirsch“ (1956), „Der Prinz von Homburg“ (1960) und „Elegie für junge Liebende“ (1961) begründeten Henzes Ruf als Opernkomponist. 1966 kam dann der endgültige Durchbruch mit der umjubelten Aufführung der Oper „Die Bassariden“ in Salzburg. 1988 begründete Henze mit der Münchner Biennale für Neues Musiktheater eines der größten Foren gegenwärtigen Komponierens, die er viermal bis 1994 auch leitete.

Als „Capell-Compositeur“ hatte der 86-Jährige in der aktuellen Saison eine künstlerische Residenz in Dresden. Die Oper hatte die Spielzeit mit „Hommage an Hans Werner Henze“ überschrieben. „Dass wir am Tag seines Todes eines seiner Werke - "Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber" - in unserem neuen Ballettabend als Kreation auf die Bühne der Semperoper bringen, berührt mich zutiefst“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Rothe der Nachrichtenagentur dpa. Henze hatte am Samstag ursprünglich selbst zu dem Ballettabend „Bella Figura“ kommen wollen. Er enthält auch die Uraufführung eines Stückes der amerikanischen Choreografin Helen Pickett zur Musik von Henze.

Zuletzt hatte Henze in Dresden Mitte Oktober noch die Aufführung seiner Komposition „Sebastian im Traum“ im 3. Sinfoniekonzert unter Leitung von Christian Thielemann erleben können. Dirigent Thielemann reagierte während einer Reise in Taiwan: „Er war für mich ein Komponist, der wie kaum ein anderer mit den klanglichen Möglichkeiten des Orchesters umzugehen wusste; seine außergewöhnliche Instrumentationskunst erinnerte mich immer an Richard Strauss.“

Simone Young, Generalmusikdirektorin und Intendantin der Staatsoper Hamburg, sagte: „Das ist das Ende einer großen Ära. Hans Werner Henze war ein Theatermensch wie kaum ein Komponist unserer Zeit.“ Die Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied Henze war, würdigte den Komponisten als großen Erneuerer des Musiktheaters. Die Akademie verliere in Henze „einen Künstler, der in seinem vielfältigen Werk immer auch eine politische Position auf Seiten der Aufklärung bezogen hat“.

Für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) hatte der Künstler zahlreiche Kompositionsaufträge realisiert. Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz nannte den Künstler einen „streitbaren Geist“, der stets konsequent seine eigenen ästhetischen Konzepte verfolgt habe.

Genau eine Woche vor seinem Tod - am Samstag, dem 20. Oktober - war noch ein Musikstück von Henze in der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt worden. Henze hatte das etwa fünfminütige Stück, „Ouvertüre zu einem Theater“, zur Hunderjahrfeier des Opernhauses im Stadtteil Charlottenburg komponiert. Mit der Deutschen Oper verband Henze seit den 60er Jahren eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Henze wurde am 1. Juli 1926 in Gütersloh als Sohn eines Dorfschullehrers geboren und studierte an der Staatsmusikschule in Braunschweig Klavier, Schlagzeug und Musiktheorie. Nach dem Krieg ging er an das Kirchenmusikalische Institut nach Heidelberg und studierte anschließend Komposition in Darmstadt und Paris. Im Jahr 1953 wanderte der Künstler, der offen mit seiner Homosexualität umging, nach Italien aus, wo er auf einem Landsitz nahe Rom lebte. Doch die Kontakte zu seiner Heimat rissen nicht ab. Zu seinem 60. Geburtstag richtete ihm seine Geburtsstadt ein Festival aus: „Ich war gerührt und nicht frei von Stolz“, bekannte er hinterher.

Konflikte mit seinem autoritären Vater, der mit den Nazis sympathisierte, prägten Henze nachhaltig. Dass er selbst Radikalität zeigte und für viele Jahre im Sog seines Freundes Rudi Dutschke zum antibürgerlichen Klassenkämpfer und unbeugsamen Verfechter des Sozialismus wurde, trug ihm viele Schmähungen in seinem Heimatland ein. Sie reichten vom stillschweigenden Boykott seiner Werke bis zum schrillen Eklat, als sich der Rias-Chor 1968 in Hamburg weigerte, unter einer roten Flagge das dem Revolutionär Che Guevara gewidmete Oratorium „Das Floß der Medusa“ zu singen.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die der wohl produktivste und am meisten gespielte Opernkomponist der Nachkriegszeit erhielt, gehören der Robert-Schumann-Preis (1951), der Ernst-von-Siemens-Musikpreis (1990), der Praemium Imperiale (2000) und der Cannes Classical Award in der Kategorie „Best Living Composer“ (2001).

2003 wurde Henze zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Ein Jahr später erhielt er die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Musik und Theater in München. 2008 bekam Henze das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. Bislang erhielten nur rund 120 Persönlichkeiten die Ehrung in dieser Ordensklasse - unter insgesamt rund 243 000 Auszeichnungen mit dem Bundesverdienstkreuz seit 1951 überhaupt.

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