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Kultur im Rest der Welt Kubas „Art Brut“ findet ihren Platz
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11:52 21.03.2017
Ein alter Koffer mit Fotos, geschaffen vom kubanischen Künstler Jorge Alberto Hernandez Cadi, genannt „El Buzo“ (der Taucher). Quelle: Guillermo Nova
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Havanna

In den Straßen von Havanna kennt man Jorge Alberto Hernández Cadi nur als „El Buzo“. Den Spitznamen „Taucher“ hat der kubanische Künstler, weil er ständig kopfüber in den Mülltonnen der Stadt auf der Suche nach Material für seine Arbeiten ist.

Cadi, der mit Schizophrenie diagnostiziert wurde, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten einer der bekanntesten Vertreter der „Art Brut“ in Kuba.

Der Begriff „Art Brut“ wurde 1945 von dem französischen Künstler Jean Dubuffet geprägt. Er beschreibt damit autodidaktische Kunst von Laien, die sich außerhalb der etablierten Kunstwelt befinden. Oft wird damit auch Kunst von Menschen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Krankheit bezeichnet.

Cadi beklebt Behälter - Kisten, Koffer, oder Metalldosen - mit teilweise übermalten Schwarzweiß-Fotografien. Hübsche Familienfotos werden so zu grotesken Porträts. Die Gesichtszüge wirken diabolisch . „El Buzo“ zeichnet mit einem blauen Stift große Ohren, Mäuler, Hörner und Klauen. „Die Fotos stellen Erinnerungen an seine Traumata dar“, sagt der Kunstkritiker Lyle Rexer von der School of Visual Arts in New York. Es sei aber oft schwierig, den Auslöser für Cadis Schaffen zu erkennen.

In den Galerien haben Kubas Außenseiter-Künstler bislang wenig Raum gefunden. Aber auf dem Markt für zeitgenössische Kunst seien ihre Werke begehrt, sagt Juan Martín der Deutschen Presse-Agentur. Martín leitet Naemi, das Zentrum für Kunstausstellungen von psychisch Kranken in Miami. Die Organisation fördert den Zugang zu diesen Kunstschaffenden, so auch mit der derzeit in Havanna laufenden Ausstellung „Encuentros/Encounters“ (dt. „Begegnungen“).

Die Schau - die erste ihrer Art in Kuba - zeigt unter anderem Werke von Cadi und der kubanischen Künstlerin Misleidys Castillo. „Künstler mit psychischen Krankheiten ist es egal, was in ist oder was in den Galerien verkauft wird“, sagt Martín. Deshalb seien sie die wahren Vertreter der „Outsider-Kunst“, wie „Art Brut“ im angelsächsischen Sprachraum genannt wird.

Castillo kam unter anderem mit einer Hirnschädigung und Gehörproblemen zur Welt. Da sie nur schwer mit anderen kommunizieren konnte, lebte sie in ihrer eigenen Welt im Familienumfeld. Schon als Kind entwickelte sie Interesse an der menschlichen Figur, die sie auf Papier zeichnet, ausmalt und danach ausschneidet und mit Klebeband wieder an die Wand heftet.

Ihre Sicht des Maskulinen ist geprägt durch den Vater, der die Familie verließ, als sie noch klein war. Ihre Männerfiguren wirken wie die Karikatur eines Muskelmannes. Die 1985 geborene Castillo gehört zu den gefragtesten kubanischen „Art Brut“-Künstlern. Ihre Werke wurden bereits in Frankreich und den USA ausgestellt.

Die „Art Brut“-Künstler arbeiteten anders als andere Künstler isoliert vom Kunstmarkt, sagt Rexer. „Sie haben keinen Sinn für die Existenz des Marktes ... Aber der Markt will diese Künstler für sich entdecken, die außerhalb der Regeln arbeiten.“

Für ihn sei es unmöglich, zwischen den besten schizophrenen und den anderen Künstlern zu unterscheiden, da sie für ein unterschiedliches Publikum arbeiteten, sagt der Kunstkritiker. „Es ist sehr schwierig, einen Unterschied in Qualität oder Schönheit festzustellen. Für mich sind sie gleichwertig.“

dpa

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