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Landesmuseum Oldenburg über seine Provenienzforschung

«Herkunft verpflichtet!» Landesmuseum Oldenburg über seine Provenienzforschung

In deutschen Museen befinden sich noch heute zahlreiche Kulturgüter, die während des Nationalsozialismus den Eigentümern entzogen wurden. Ihre Herkunft zu erforschen, ist meist schwierig. Das verdeutlicht eine Sonderausstellung im Landesmuseum Oldenburg.

„Bildnis des Dichters August Hinrichs“ von Paul Schütte - Das landesmuseum Oldenburg arbeitet die Geschichte hinter den Werken auf.

Quelle: Mohssen Assanimoghaddam

Oldenburg. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg zeigt in der Sonderausstellung „Herkunft verpflichtet!“ die unbekannten Geschichten hinter 60 Objekten seiner Sammlung. „Die Werke treten in dieser Schau einmal zurück“, sagte der Kurator Marcus Kenzler am Freitag.

„Es geht in erster Linie um das Schicksal der Besitzer und der Frage, wie kamen die Objekte hier her.“ Das Museum beschäftigt sich dabei vor allem mit den Eigentumsverhältnissen der Kunstwerke während der Zeit des Nationalsozialismus. 

Im Jahr 2000 hatten die ersten öffentlichen Einrichtungen in Deutschland damit begonnen, ihre Bestände auf entzogene Kulturgüter während des NS-Regimes zu untersuchen. Das Oldenburger Haus forscht auf dem Feld seit sieben Jahren und zeigt nun erstmals in einer Schau, wie die Detektivarbeit hinter den Kulissen abläuft. „Wir versuchen sichtbar zu machen, was Provenienzforschung ist“, sagte der Museumsdirektor Rainer Stamm.

Gezeigt wird unter anderem die Geschichte einer Waschkommode aus dem 18. Jahrhundert, die das Landesmuseum 1940 auf einer sogenannten Judenauktion erworben hatte. Besitzerin des Möbels war eine jüdische Witwe, die aus ihrer ostfriesischen Heimat vertrieben worden war. „Sie hatte keine andere Wahl, als ihre Sachen zu verkaufen“, sagte Kenzler. Damit handele es sich einwandfrei um NS-Raubgut. Bei den wenigsten Objekten gelinge es allerdings trotz größter Bemühungen, die rechtmäßigen Erben zu ermitteln. Auch im Fall der Waschkommode sei dies nicht geglückt, sagte der Forscher Kenzler.

Erfolg hatte er allerdings bei einer historischen Fliese und einem Apothekengefäß aus dem 18. Jahrhundert. Die Objekte hatte das Museum 1942 von einem jüdischen Kunsthändler in Amsterdam erworben, der sich zu der Zeit unter der Kontrolle deutscher Verwalter befand. Beide Werke konnten den Erben des Händlers wiedergegeben werden; das Gefäß erwarb das Museum anschließend erneut zurück - dieses Mal rechtmäßig. Die Fliese wollte der Erbe dagegen behalten. „Er hat sie als Anlass für seine eigene Familienforschung genommen“, sagte Kenzler.

Die Schau ist ab Samstag bis zum 25. Februar 2018 im Oldenburger Schloss zu sehen.

dpa

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