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Lechtenbrink nimmt Abschied von Festspielen

Bad Hersfeld Lechtenbrink nimmt Abschied von Festspielen

Erst winkte er den Zuschauer beim tosenden Schlussapplaus von der Bühne zu. Dann reckte Volker Lechtenbrink die geballte Faust vor Freude in die Luft, spreizte die Finger zum Victory-Zeichen - und gab wenig später überraschend seinen Abgang bekannt.

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Die drei Musketiere Aramis (l-r, Parbeth Chugh), Athos (Julian Weigend) und Porthos (Johnny Müller). Foto: Uwe Zucchi

Bad Hersfeld. Der Publikumsliebling der Bad Hersfelder Theater-Festspiele hat seine Abschiedssaison eingeläutet. Nach der gefeierten Premiere des Mantel-und-Degen-Stücks „Die drei Musketiere“ am Donnerstagabend, verriet der Regisseur der Nachrichtenagentur dpa: „Es ist alles gemacht, es ist alles gesagt. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich habe nicht die Intention, noch mal wiederzukommen. Das war ein schöner Abschluss.“

Mit seinem Entschluss überraschte der 68-jährige Lechtenbrink sogar Intendant Holk Freytag: „Das ist neu für mich. Das wusste ich nicht.“ Lechtenbrinks Abschied habe aber keine zwischenmenschlichen Gründe: „Es gibt kein Problem. Wir verstehen uns hervorragend.“ Doch Freytag nimmt die Ankündigung betont gelassen: „Jeder ist ersetzbar.“

Bei einem früheren Weggang Lechtenbrinks aus Bad Hersfeld war ein dicker Streit ausschlaggebend. Als Intendant (1995 bis 1997) hatte er sich mit dem damaligen Bürgermeister Hartmut H. Boehmer verkracht. Lange mied er danach das renommierte Freilicht-Festival. Erst von Intendant Freytag ließ er sich zu einer Rückkehr bewegen. Die Zuschauer feierten ihn dann 2012 für seine Hauptrolle in „König Lear“. Nun setzte er noch mal als Regisseur mit den Musketieren ein Ausrufezeichen in der größten romanischen Kirchenruine der Welt.

Lechtenbrink genoss die Ovationen der 1200 Zuschauer in der Stiftsruine sichtlich. „Solch einen Applaus habe ich hier noch nicht gehört. Das war eindrucksvoll.“ Die Besucher honorierten damit ein unterhaltsam inszeniertes Abenteuer-Schauspiel. Die Roman-Vorlage von Alexandre Dumas hatte Lechtenbrink mit seiner Tochter Saskia Ehlers in eine vergnügliche Bühnenfassung umgearbeitet. „Das Stück hat Tiefgang, ist aber mit leichter Hand erzählt“, befand Lechtenbrink. Die modernisierten Dialoge waren humorvoll und pointenreich, das Kostümbild von Michaela Barth zudem gelungen, punktuell schrill.

Über 2:20 Stunden hinweg wurde der Zuschauer mit auf eine Reise in die Welt der Duelle, Liebe, Intrigen und Machtspiele genommen. Neben ernsten Momenten kristallisierte sich immer wieder ein komödienhafter Charakter heraus. Manchmal war es jedoch ein Tick zu viel Klamauk. Für Action sorgten die vielen Fechtszenen, von Klaus Figge sehenswert choreographiert. Dafür gab es immer wieder Szenenapplaus.

In ihnen gingen die drei Musketiere auf. Julian Weigend (Arthos), Johnny Müller (Porthos) und Parbeth Chugh (Aramis) begeisterten die Zuschauer als sympathische Rauf- und Saufbolde. „Wir wollten sie ein bisschen "dirty" machen, etwa wie in "Pirates of the Caribean". Bei mir sind es keine unantastbaren Helden“, erklärte Lechtenbrink.

Zu dem spielfreudigen Trio gesellt sich Jonas Minthe als vielversprechender d'Artagnan. Lechtenbrink lobte den 23-jährigen Nachwuchsschauspieler: „Er ist einer der begabtesten Jungs, mit denen ich zusammengearbeitet habe - ein Glücksfall.“ Der beglückte Newcomer sagte: „Das war meine größte Rolle.“ Am Sonntag bekommt er erstmal sein Diplom an der staatlichen Schauspielschule in Hannover.

Zeugnis ihres Könnens legte auch wieder einmal Birthe Gerken in ab. Sie gab eine facettenreiche Lady de Winter, die als intrigantes Miststück mit viel Sexappeal großen Raum in der Inszenierung bekam. Neben Autorin Saskia Ehlers wirkte auch Lechtenbrinks jüngste Tochter Sophie in der Rolle der Centime mit. „Es ist eine tolle Zusammenarbeit mit beiden. Ich bin stolz auf sie“ sagte Lechtenbrink, für den die 63. Festspiele zugleich große Familienfestspiele sind.

dpa

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