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Kultur im Rest der Welt Otto Waalkes – Die Milz ist leider rausgeflogen
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10:16 31.05.2018
Und wenn er liest, dann liest nur ein Teil von ihm: Otto Waalkes kann nicht anders, er macht auch die Lesereise zu seiner Autobiografie „Kleinhirn an alle“ zur Nonsens-Sause. Quelle: dpa
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Braunschweig

Eine Lesung mit Otto Waalkes (69) ist keine Lesung mit Stuhl, Tisch, Wässerchen, mit Lesers Stimme und Publikums Stille. Die Andacht wird hier ausgelacht, 250 Zuhörer sind am Fronleichnamsvorabend in der Braunschweiger Buchhandlung Graff mit Blick zur Kochbücherecke am Prusten, Lachen, Mitsingen, als Otto aus seiner Autobiografie „Kleinhirn an alle“ eine kleine Otto-Show macht.

Ottos Witze bringen auch in der Wiederholung zum Lachen

Mit unschuldigst ostfriesischem Zungenschlag trägt Otto zwar auch Passagen aus dem Buch vor, rollt sein Leben aber lieber als Frage-Antwort-Ping-Pong mit seinem langjährigen Weggefährten Bernd Eilert ab.

Es ist die Geschichte vom kleinen, pfiffigen Friesenjung, der in den Siebzigern Anarchie und Rock’n’Roll in den deutschen Witz brachte, die Alten aufregte und von den Jungen als erster Popstar des Komischen gefeiert wurde. Was heute Comedy heißt, hat seinen Anfang in Otto. Das weiß der auch, und widerlegt mit Nonsens-Klassikern vom Schlaflied („Das zweite Schaf hieß Dörte, weil es immer röhrte“) und den „Dialogen der menschlichen Körperteile“, dass Witze in der Wiederholung weniger komisch sind als beim ersten Hören.

Sogar die Kochbücher im Hintergrund sind heute komisch

Es kommt eben auf den Joker an, nicht auf den Joke. Alles ist wie damals, nur wird manches leicht verkürzt. So ist die vorlaute Milz („Ich sehe was, was du nicht siehst, Auge“) inzwischen aus dem Körpersketch rausgeflogen. Ausgerechnet! Dabei war sie doch viel komischer als die Leber.

Zur Gitarre greift er auch mal, ja ein feiner Musiker wäre er zweifellos auch geworden. Singt zu Sidos „Astronaut“ eine „Hänsel und Gretel“-Vertonung mit Hexenbruchlandung im Knusperhaus. Singt ferner von den Beatles „Hey Jude“ und „Yellow Submarine“ – und „Yesterday“ auf deutsch: „Gesterntag, oh wie schön war’s als ich oben lag“.

Fast keusch ist diese schelmische Schlüpfrigkeit. Tja,und sogar die Kochbücher im Hintergrund sind heute komisch, heißen „Burger unser“ oder „100 Gerichte, die du gekocht haben musst, bevor du den Löffel abgibst.“

Otto Waalkes: „Kleinhirn an alle“, Heyne, 436 Seiten, 22 Euro

Von Matthias Halbig / RND

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