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„Liebe der Danae“: Schwelgen in Pomp und Prunk

Salzburg „Liebe der Danae“: Schwelgen in Pomp und Prunk

Der lettische Regisseur Alvis Hermanis bringt bei den Salzburger Festspielen Richard Strauss' „Die Liebe der Danae“ heraus - als Ausstattungsorgie mit schalem Nachgeschmack.

Salzburg. Soviel Pomp und Prunk und Protz war selten, sogar bei den Salzburger Festspielen. Die Riesenbühne des Großen Festspielhauses war fast zu klein für die Hundertschaften prächtigst ausstaffierter Sängerinnen und Sänger, Choristen und Tänzer und die überbordenden Dekorationen. 

Für seine Inszenierung von Richard Strauss' Oper „Die Liebe der Danae“ als Märchen aus Zweitausendundeinernacht fuhren der lettische Regisseur Alvis Hermanis und sein Kostümbildner Juozas Statkevicius, ein prominenter lettischer Modedesigner, am Sonntagabend alles auf, was Pluderhosen und Turbane hat. Das Publikum bejubelte die Augenweide. Es blieb ein Nachgeschmack.

Die vorletzte Oper von Richard Strauss (1864-1949) entstand mitten im Zweiten Weltkrieg. Während der Komponist an seiner „heiteren Mythologie“ drechselte, führte die deutsche Wehrmacht einen Vernichtungskrieg, rauchten die Schornsteine in Auschwitz. Kunde davon musste auch in Straussens Garmisch-Partenkirchner Alpenrefugium gedrungen sein. Doch der geniale Komponist war auch ein genialer Verdränger, Prototyp des „unpolitischen“ Künstlers.

Im Sommer 1944 sollte „Die Liebe der Danae“ bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt werden, doch nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli ließ Propagandaminister Joseph Goebbels nur eine „Generalprobe“ zu. Offiziell kam das Stück erst nach Kriegsende heraus, da war Strauss schon tot.

Soll man, muss man bei einer Inszenierung dieser Oper an solche Umstände erinnern? Muss man nicht. Aber man sollte in (wieder einmal) prekären Zeiten vielleicht auch nicht ein solches Prachtmonster auf die Bühne hieven. Komponiert vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges habe Strauss eine fantastische Utopie geschaffen, die es zu respektieren gelte, wappnete sich der Regisseur im Programmbuch gegen Kritik. Jedenfalls gelang Hermanis an diesem Abend, wie weiland Strauss selbst, ein Meisterstück hochästhetischen Eskapismus'.

Die Oper selbst ist ein Wurf, auch ohne den ganzen Orientplunder, die in mehreren Lagen geschichteten Teppiche, die Schleierfrauen und Goldbronzetänzer, die allgegenwärtigen Ornamente, den echten weißen Esel und den riesigen Pappmaché-Elefanten. Musikalisch zog Strauss in dem ausladenden Dreiakter eine Essenz seines Komponistenlebens. Die Story schusterte ein Freund aus mehreren Stoffen der griechischen Mythologie zusammen. 

Eigentlich handelt es sich um eine klassische Dreiecksgeschichte: Spröde Frau (Danae) wird von zwei Männern (arm: Midas, reich und mächtig: Jupiter) geliebt und entscheidet sich letztlich für den Armen, vulgo die wahre Liebe. Der Abgewiesene verzeiht in entsagender Resignation. Die lange Schlussarie des Jupiter, eindringlich dargeboten vom polnische Bassbariton Tomasz Konieczny, klingt frappierend nach „Wotans Abschied“ von seiner geliebten Brünnhilde und seiner göttlichen Macht in Richard Wagners „Walküre“.

Erklärend sei hinzugefügt, dass Midas einst ein armer Eselstreiber war, dem Jupiter zu sagenhaftem Reichtum verhalf, wenn er ihm dessen Gestalt leihe - um seine (Jupiters) eifersüchtige Gemahlin auszutricksen und Danae zu gewinnen. Als sich Danae dann aber nicht in Jupiter alias Midas, sondern Midas alias Jupiter verliebt, stößt der Gott ihn in die Armut zurück.

Musikalisch zieht Strauss in seinem Spätwerk alle Register, von Elektra-Furor und Rosenkavalier-Elysium bis zur Alpensinfonie-Idylle. Dirigent Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker fächerte die hochkomplexe Partitur klangsensibel auf, wahrte immer das rechte Maß und deckte die Sänger, neben Konieczny glänzten die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova als Danae und der deutsche Tenor Gerhard Siegel als Midas, nicht zu.

dpa

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