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Locarno verbindet Anspruch mit Unterhaltung

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Mit dem Hauptpreis an einen bulgarisch-dänisch-französischen Krimi ging das Filmfestival Locarno glanzvoll zu Ende. Auch deutsche Filmproduzenten dürfen feiern.

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Die bulgarische Regisseurin Ralitza Petrova gewann den Hauptpreis in Locarno.

Quelle: Alexandra Wey

Locarno (dpa) – Der Krimi „Gottlos“, eine bulgarisch-dänisch-französische Produktion der Regisseurin Ralitza Petrova (Bulgarien) hat den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, des 69. Internationalen Filmfestivals Locarno gewonnen.

Die Preisverleihung auf der malerischen Piazza Grande, dem alten Marktplatz der Stadt am schweizerischen Ufer des Lago Maggiore, war das wirklich glanzvolle Finale des Festivals.

Der Goldene Leopard für den zugleich mit Spannung, künstlerischem Anspruch und Sozialkritik fesselnden Spielfilm um eine verbrecherische Altenpflegerin ist typisch für diesen Jahrgang des neben Berlin, Cannes und Venedig wichtigsten europäischen Filmfestivals. Denn Anspruch und Unterhaltung werden auf dem vor allem jungen Filmemachern vorbehaltenen Festival klug miteinander in Beziehung gesetzt.

Zum Finale hat die Jury das nicht nur mit dem Hauptpreis und ihren anderen Entscheidungen unterstützt. So bekam die rumänisch-deutsche Koproduktion „Vernarbte Herzen“ die nach dem Goldenen Leoparden wichtigste Ehrung, den Spezialpreis der Jury. Der Film des Regisseurs Radu Jude (Rumänien) reflektiert das Leben des kranken Dichters Max Blecher (1909-1938) im Faschismus der 1930er Jahre in oft wie gemalt wirkenden Bildern und mit kluger Zeitkritik.

Die vom mexikanischen Regie-Altmeister Arturo Ripstein geleitete Jury bestätigte die Erwartungen der meisten Festivalbesucher. Das gilt auch für den Preis für die beste Regie. Er ging an den Portugiesen João Pedro Rodrigues für „Der Ornithologe“. Die poetische Ballade um Fragen des Glaubens und der sexuellen Identität feiert ein Fest der Fantasie, verwebt Realität und Traum sehr wirkungsvoll.

Der impressionistische österreichisch-italienische Filmessay „Mister Universo“ des Wiener Regie-Duos Tizza Covi und Rainer Frimmel bekam eine besondere Erwähnung. Arturo Ripstein begründete das damit, dass dieser Film die Herzen der Juroren erobert habe. Offenkundig ging es vielen so. Denn der oft dokumentarisch anmutende Spielfilm aus dem Artistenmilieu erhielt zudem Ehrungen der Ökumenischen Jury, des internationalen Kritikerverbandes, des Verbandes europäischer Filmtheater und der Jugendjury.

Der Pole Andrzej Seweryn bekam den Preis als bester Schauspieler für seine zutiefst menschliche Verkörperung des Malers Zdzisław Beksiński (1929-2005) in dem polnischen Spielfilm „Die letzte Familie“. Das vielschichtige Künstlerdrama wird wesentlich von seinem effektsichern Spiel geprägt.

Viele Zuschauer hatten erwartet, dass Margarita Breitkreiz für ihre Darstellung einer ukrainischen Immigrantin in Dortmund im deutsch-schweizerischen Spielfilm „Marija“ zur besten Schauspielerin gekürt werden würde. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Die Jury wählte ihre schärfste Konkurrentin im Wettbewerb, die Bulgarin Irena Ivanova. Sie wurde für ihre feinnervige Darstellung der Hauptfigur in „Gottlos“ prämiiert.

Auch die deutsche Hoffnung auf den Publikumspreis hat sich nicht erfüllt. Lange galten die beiden außerhalb des Wettbewerbs gezeigten Spielfilme „Paula“ und „Vor der Morgenröte“ als Favoriten. Doch die Zuschauer haben den zwei Tage vor dem Festivalfinale open air gezeigten Spielfilm „Ich, Daniel Blake“ (Großbritannien/ Frankreich/ Belgien) gewählt. Der englische Regie-Star Ken Loach erzählt darin die anrührende Geschichte eines Mannes im Räderwerk der Bürokratie. Dafür hatte er im Mai beim diesjährigen Festival von Cannes bereits die Goldene Palme bekommen.

Zum Erfolg des Festivals hat natürlich auch reichlich Star-Glanz beigetragen. Promis wie Gemma Arterton, Jane Birkin, Isabelle Huppert, Stefania Sandrelli, Barbara Sukowa, Mario Adorf und Bill Pullman haben für Glanz und Glamour gesorgt. Besser geht’s nicht.

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