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Luisenburg-Festspiele beginnen

Wunsiedel Luisenburg-Festspiele beginnen

Volkstheater als Gesellschaftskritik: Zum Saisonauftakt der Luisenburg-Festspiele gibt es zwar immer auch wieder heitere Momente - doch am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass das Geld über die Moral siegt.

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Luisenburg-Festspiele wurden mit dem Stück «Die Fahnenweihe» von Josef Ruederer eröffnet. Foto: Luisenburg/Gerhard Bayerl

Wunsiedel. Bedrohlich scheinen die Fackeln oben auf den Felsen, dumpfe Trommelschläge hallen herab. Auf der oberfränkischen Freilichtbühne Luisenburg wird ein alter Brauch aus dem bayerischen Oberland zelebriert: das Haberfeldtreiben. Das Rügegericht, in der vermummte Gestalten einem Menschen seine Verfehlungen vorhalten, ist die zentrale Szene des Stücks „Die Fahnenweihe“ von Josef Ruederer (1861-1915). Mit der Premiere des kritischen Volksstücks wurden am Freitagabend die Luisenburg-Festspiele nahe Wunsiedel in Oberfranken eröffnet. Das mit viel Politprominenz gespickte Publikum belohnte das Ensemble mit viel Applaus.

Ruederer, dessen Stück gleich nach dem Erscheinen in den 1890er Jahren polizeilich verboten wurde, zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die ihren moralischen Kompass zwar längst verloren hat und nur nach Geld und Sex giert, aber den Schein von Wohlanständigkeit um jeden Preis aufrecht halten will. Nur kurz wankt die Fassade: Die Haberfeldtreiber halten den Honoratioren ihre Verfehlungen vor. Aber weil ja jeder irgendwie Dreck am Stecken hat, wird am Ende alles gut - und die titelgebende Fahnenweihe gefeiert.

Das Stück beginnt mit den bekannten Einleitungsworten der Serie „Königlich-Bayerisches Amtsgericht“: Dass es eine „liebe Zeit“ war vor 1914. „Das Bier war noch dunkel, die Menschen war'n typisch; die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam (...). Es war halt noch vieles in Ordnung damals.“ Und spätestens da schwingt ein zweifelnder, ja fast drohender Unterton mit. In Ordnung? Nun ja. Wer's glaubt.

In Ruederers Gesellschaftspanorama, angesiedelt in Garmisch-Partenkirchen, bestaunen Sommerfrischler die Einheimischen wie Zootiere. Der erfolgshungrige Posthalter Schlegel - gespielt von Intendant Michael Lerchenberg selbst - will ein Grandhotel bauen, ein Filetgrundstück der Gemeinde will er sich dafür sichern, indem er behauptet, dort als Wohltäter ein Findelhaus bauen zu wollen.

Das Geld beschafft er sich von einem neureichen Münchner Touristen (Michael A. Grimm) - der hat eine Affäre mit der Frau des Posthalters. Würde er als Ehebrecher auffliegen, müsste er ins Gefängnis. Deshalb zahlt er an den gehörnten Ehemann. Ein betrunkener Ortsbewohner macht das Dreiecksverhältnis öffentlich. Pfarrer und Amtsrichter bekommen plötzlich kalte Füße und wollen dem Posthalter das Gemeindegrundstück nicht mehr verkaufen. Der Bürgermeister aber verkauft doch - die Summe ist halt hoch genug.

Ehebruch und Doppelmoral, Vorurteile, Verleumdungen, Geldgier, Neid, Stolz - und die Erkenntnis, dass halt doch jeder irgendwie käuflich ist: Ruederer spart nicht mit Gesellschaftskritik. Er hat den Menschen seiner Zeit den Spiegel vorgehalten - und das funktioniert auch heute noch. Zwar hapert es auf der riesigen Bühne manchmal an der Textverständlichkeit, doch das Ensemble mit fast 30 zu besetzenden Rollen liefert packendes Volkstheater inklusive Wirtshausrauferei, affektiertem Standesdünkel und Parodien auf die heile Welt vor Alpenkulisse. Es gibt humorvolle Momente, aber am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Der Schein ist wichtiger als das Sein, Geld siegt über die Moral.

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dpa

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