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Mainz begrüßt neuen Stadtschreiber Clemens Meyer

Mainz Mainz begrüßt neuen Stadtschreiber Clemens Meyer

Feridun Zaimoglu ist ausgezogen, jetzt wirkt Clemens Meyer in der Wohnung im Gutenberg-Museum. Der Romanautor will in seinem neuen Domizil in Mainz einen Band mit Kurzgeschichten fertigstellen und neue „Influenzen“ sammeln.

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Der neue Mainzer Stadtschreiber Clemens Meyer im Gutenberg-Museum.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Mainz. Von Leipzig an den Rhein: Clemens Meyer ist am Donnerstag als neuer Mainzer Stadtschreiber eingeführt worden.

Der 38-jährige Schriftsteller puste dem deutschen Literaturbetrieb gehörig frischen Wind ins Gesicht, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Der Autor mache wie ein Weckruf deutlich: „Da draußen wartet nicht die heile Welt! Da draußen leben Menschen am Rande.“ Ebling dankte dem bisherigen Stadtschreiber Feridun Zaimoglu für sein Wirken in Mainz.

Die bisher zwei Romane und anderen Werke Meyers sind geprägt von persönlichen Erfahrungen in einer Leipziger Arbeitersiedlung. Sein erster Roman „Als wir träumten“ (2006) hat autobiografische Züge, in seinem vierten Werk „Im Stein“ (2013) beschäftigt er sich mit der Kommerzialisierung von Sexualität, prangert Zwangsprostitution an und wirbt um Verständnis für Sexarbeiterinnen.

„Ich werde die Zeit hier nutzen, um zu schreiben und konzentriert zu arbeiten“, sagte der 38-jährige Schriftsteller in der Stadtschreiberwohnung im Gutenberg-Museum in Mainz. Er freue sich, dass mit dem Preis dieses Domizil verbunden sei, in das er sich immer wieder von Leipzig aus mehrere Tage am Stück zurückziehen wolle. Bis zum Sommer wolle er einen Band mit 14 oder 15 Kurzgeschichten fertigstellen, von denen eine im Moskau des Jahres 1941 spielen werde.

Mit Mainz verbinde ihn bislang nur die Erinnerung an einige Lesungen. „Aber Orte, an denen ich fremd bin, sind mir wichtig, um meine eigene Heimat Leipzig aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“ Und „ich mag Städte mit großen Flüssen“, bekannte Meyer. Aus Mainz komme zudem Anna Seghers (1900-1983), „eine tolle Schriftstellerin“, sagt Meyer.

„Der Schreibprozess ist für mich etwas sehr Körperliches, im Nachempfinden des Klangs der Sätze“, sagte Meyer im Gespräch mit Journalisten. Als Schriftsteller führe er „ein seltsames Leben, auch ein asoziales Leben“. Er brauche die Stadt, da er in ihr auch Anonymität finde. Wenn er durch die Straßen gehe, habe er stets Stift und Notizbuch dabei - „damit ich die Influenzen (Eindrücke und Einflüsse), die von rechts und links aufkommen, auch aufnehmen kann“.

Der in Halle geborene Meyer ist der 32. Stadtschreiber in der 1985 gestarteten Reihe. Die mit 12 500 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Stadt Mainz und den beiden Fernsehsendern ZDF und 3sat vergeben. Sie soll Schriftsteller „ehren, welche die deutschsprachige Literatur mit ihren Werken beeinflussen oder prägen und die sich darüber hinaus um das Zusammenwirken von Literatur und Fernsehen bemühen“. Damit verbunden ist denn auch eine filmische Arbeit in der Form eines Schriftsteller-Tagebuchs. Zu den bisherigen Stadtschreibern gehörten Gabriele Wohmann, Sarah Kirsch, Peter Härtling und Urs Widmer.

Mit dem Amt des Stadtschreibers ist auch die Aufgabe verbunden, einen Film zu produzieren. Dafür habe er schon eine Idee, sagte Meyer auf dem Sofa seiner neuen Stadtschreiberwohnung. Er wolle mit einem Team einen Film drehen über Schausteller auf alten Rummelplätzen, ihre „von Wind und Wetter und Alkohol gefurchten Gesichter“ zeigen und diese Parallelwelt als archaisches Überbleibsel einer anderen Zeit erkunden. Das Arbeiten mit filmischen Mitteln sei ihm sehr wichtig.

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sagte bei der Einführung des neuen Stadtschreibers, Literatur habe die Funktion, „Sprachlosigkeit zu durchbrechen“ - gerade in einer Zeit von Hassparolen im Internet. An Meyer gewandt sagte er, dessen Geschichten seien nicht so ganz bekömmlich und erbaulich - „aber wie Sie erzählen und komponieren, das ist herausragend und aufregend“.

dpa

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