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Kultur im Rest der Welt Mainzer Doppelschau lädt zum Flanieren ein
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15:29 17.12.2017
Bettina Pousttchi in der Kunsthalle Mainz vor einem ihrer Werke aus der Reihe „Framework“. Quelle: Peter Zschunke
Mainz

International findet Bettina Pousttchi in der Kunstwelt viel Beachtung, doch in ihrer Geburtsstadt Mainz ist sie noch nicht so bekannt. Gelegenheit zum Kennenlernen bietet eine Ausstellung in der Kunsthalle Mainz, mit eigens dafür gestalteten Werken.

Dort sind sie zusammen mit Arbeiten des französischen Konzeptkünstlers Daniel Buren zu sehen. Die Ausstellung lädt bis Mitte März zum Schauen und Flanieren, zum bewussten Raumerlebnis ein.

„Ich freue mich sehr, nach Hause zu kommen“, sagt die in Berlin lebende Künstlerin. Ihre neuen Arbeiten nehmen auf vielfältige Weise Bezug auf die Geschichte von Mainz, etwa auf Backsteine und Ziegel, das Baumaterial für das alte Maschinenhaus des Mainzer Zollhafens, in dem die Kunsthalle nach einem Umbau vor bald zehn Jahren eröffnet wurde. „Die Ziegelproduktion ist ganz wichtig für Mainz gewesen, und in der alten Ziegelei habe ich in meiner Jugend Partys gefeiert.“

Fachwerkhäuser haben Pousttchi zu ihrer Arbeit „Framework“ inspiriert, die sie fünf Jahre nach der Premiere in der Frankfurter Kunsthalle Schirn weiterentwickelt hat: Elemente aus gebranntem und glasiertem Ton sind teils auf dem Boden, teils an der Wand zu ästhetisch ansprechenden Formen arrangiert. „Für mich ist das wie ein 3D-Druck von Fotos“, erklärt die deutsch-iranische Künstlerin. Bei der Gestaltung habe sie sich an orientalischen Formen orientiert, auch am Minimalismus: „Es sind sehr viele Sprachen, die sich hier verbinden.“

Diese Kunst ist auch politisch. „Wir dürfen uns nicht zurück entwickeln in nationale Narrationen“, also Erzählmuster, warnt die 46-jährige Künstlerin, die auf der Biennale in Venedig vertreten war und mit Einzelausstellungen in Washington, Dallas und Chicago Beachtung fand. In einer Gesellschaft mit Menschen aus vielen Kulturen seien nationale Erzählweisen nur noch eine Fiktion. „Wir müssen eine visuelle Sprache finden für die transnationale Welt, die wir geworden sind.“

Im ersten Raum der Ausstellung werden die Besucher von einer im Raum aufgespannten riesigen Textilbahn empfangen, die mit Fotomotiven vom Empire State Building in New York bedruckt ist, dem „Turm aller Türme“, wie Pousttchi sagt. „Sleeping Empire“ heißt die Arbeit. „Türme sind Machtgebilde mit einem Anspruch von Herrschaft und Größe“, sagt Kunsthallen-Leiterin Stefanie Böttcher. Aber hier wird der Turm zum Schlafen hingelegt.“ Wo Türme scheinbar übermächtig aufragen, kann Kunst dazu beitragen, die Ehrfurcht vor Machtstrukturen zu verlieren.

Die von der Decke bis zum Boden sich ausbreitende Bahn wird umgeben von einem „Périmètre coloré“, einer farbigen Umfassung an der Wand, die Daniel Buren mit Holz und farbigem Plexiglas gestaltet hat. Während sich Pousttchi in vielfältigen Bezügen auf die historische Dimension von Orten einlässt, betrachtet Buren allein den aktuellen Zustand des Raums, seine Besonderheiten, die Licht- und Größenverhältnisse.

Die Verbindung zwischen den unterschiedlichen künstlerischen Positionen in ihrer Beziehung auf den Raum macht einen besonderen Reiz der Ausstellung aus. Die neuen Werke Burens sind vergänglich, werden nach dem Ende der Ausstellung nur in Fotos erhalten bleiben. „Die Zerstörung gehört immer dazu“, antwortet Buren auf die Frage, ob er es bedauert, wenn seine Werke wieder verschwinden. „Das ist die Konsequenz einer Arbeit, die ganz spezifisch auf einen Raum bezogen ist.“

dpa

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