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Kultur im Rest der Welt Maler Ellsworth Kelly mit 92 Jahren gestorben
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10:47 30.12.2015
Ellsworth Kelly 2000 im Kunstmuseum Bonn. Quelle: Roland Scheidemann
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New York

Wenn Ellsworth Kelly zuletzt auftrat, zog er ein

Wägelchen hinter sich her. Darauf lag eine Sauerstoffflasche, ein

Schlauch führte zur Nase des alten Mannes. Aber er wollte noch

auftreten, sich noch zu Wort melden, in der Szene mitmischen.

Ellsworth Kelly gehörte zu den weltweit einflussreichsten Künstlern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Sonntag ist der US-amerikanische Maler und Bildhauer mit 92 Jahren in seinem Haus in Spencerton nahe New York gestorben, wie die „New York Times“ unter Berufung auf die Matthew Marks Gallery in Manhattan, die den Künstler vertrat, berichtete.

Kelly galt als einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten Hard Edge. Das wird nicht umsonst mit „harte Kante“ übersetzt: Abstrakte

Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, unvermischten, stark

akzentuierten Farben. Am besten auf weißem, zumindest einfarbigem

Untergrund. Kellys Farben sind wie aus dem Lego-Kasten: Leuchtend

rot, strahlend gelb, tiefblau, aber schön getrennt. Das mochte unkreativ wirken, aber die Kreativität besteht darin, etwas daraus zu machen.

Und Kelly machte. Sein „Red, Yellow, Blue II“ war genau das: drei

große Leinwände, eine in Rot, die zweite in Gelb, die dritte blau.

Das erregte Anfang der Sechziger Aufsehen. Die Farben blieben sein

Markenzeichen, ebenso wie Quadrate; kleine und große, einzeln und zu

Dutzenden. Aber auch einfach schwarz und weiß, damit hatte er als

junger Mann angefangen, blieben in seinem Repertoire.

Kellys Reputation wuchs. Mehrmals nahm er an der Documenta in Kassel teil. 1973 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die erste Retrospektive. Eine weitere Retrospektive des New Yorker Guggenheim-Museums im Jahr 1996 wurde später auch im Haus der Kunst in München gezeigt. Im Jahr 2000 erhielt Ellsworth Kelly den Praemium Imperiale, eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Kunst. 2013 überreichte ihm US-Präsident Barack Obama die National Medal of Arts, die höchste Auszeichnung der USA für Künstler. Kellys 90. Geburtstag am 31. Mai 2013 würdigten mehrere Galerien mit Sonderschauen.

Wenn man im Städtchen Newburgh nördlich von New York als Sohn

eines Versicherungskaufmanns aufwächst, muss das nicht gerade der

Startschuss für eine große Künstlerkarriere sein. Doch der junge

Ellsworth Kelly wollte malen, wollte sich ausdrücken und begann in

New York ein Kunststudium. Unterbrochen wurde das von seinem Einsatz

im Zweiten Weltkrieg in der „Ghost Army“: Mit aufblasbaren Panzern

und gewaltigen Lautsprechern täuschten er und seine Kameraden der

Wehrmacht gewaltige Armeen vor, wo gar keine waren.

Der Krieg brachte ihn nach Paris, in die Stadt kehrte er bald

zurück. Die sechs Jahre waren prägend, hier traf er Joan Miró,

Alexander Calder, Hans Arp und andere. Aber er war nur der junge

Nachwuchskünstler aus Amerika. Als er in die USA zurückwollte und

seine Mutter um 400 Dollar - 200 für sein Ticket, 200 für seine

Bilder - bat, schickte sie nur 200: „Lass' die Bilder da!“

Das New York, in das er zurückkam, verstand sich als progressiv,

war aber für den jungen Maler - mit 31 auch nicht mehr ganz so jung -

viel zu konservativ. Die Szene wurde von Jackson Pollock und dem

Abstrakten Expressionismus beherrscht, in den Galerien hingen große

Bilder mit wirren Kurven, gemalt, getropft, gespachtelt. Kelly

antwortete mit klaren Formen, wie mit Schablone und Lineal gezogen.

Keine Farbe ging, Gott bewahre!, in die andere über. Das war neu, das

war anders - und keiner wollte es sehen.

Die New Yorker Kunstszene sei „sehr rau“, urteilte Kelly damals.

Die New Yorker Kunstszene verhalf ihm aber auch zum Durchbruch: Mit

der Ausstellung „Sixteen Americans“ (Sechzehn Amerikaner) des

renommierten Museum of Modern Art (MoMA) wurde Kelly 1959 bekannt.

1958 schuf Kelly seine erste Skulptur. Was er da aus Holz schnitt,

glich dem Totempfahl der Indianer - kein Zufall. Später verwendete er

mehr Metall, und diese Kunst sicherte ihm einen Platz im Herzen

Deutschlands: Auf dem Innenhof der US-Botschaft in Berlin wurde 2008 ein Totem von ihm aufgestellt, zwölf Meter hoch, 15 Tonnen schwer. Doch berühmt ist er für seine Bilder - auch wenn ihn die nach eigener Aussage selbst gar nicht wichtig waren: „Der Raum, der mich interessiert, ist nicht die Leinwand, sondern der Raum zwischen Dir und dem Bild.“


Bericht der New York Times

dpa

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