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Martina Gedeck über Erfolg und Missgunst in Deutschland

«Gleißendes Glück» Martina Gedeck über Erfolg und Missgunst in Deutschland

Martin Scorsese, Philip Seymour Hoffman, Robert De Niro - auf ihrem Weg zur Spitzenschauspielerin gab es einige Namen aus den USA, die Martina Gedeck geprägt haben. Auch heute äugt sie über den Atlantik, nicht zuletzt, um sich „aus der deutschen Enge“ zu befreien.

Die Schauspielerin Martina Gedeck spricht durch ihre Figuren zum Publikum.

Quelle: Rainer Jensen

New York. Strahlendes Sonnenlicht druchflutet die Hotellobby in der Lower East Side - es ist einer der ersten Frühlingstage in New York.

Martina Gedeck (55) hat auf dem Sofa Platz genommen, erst am Vorabend hat sie beim einwöchigen deutschen Filmfestival „Kino!“ im Programmkino „Sunshine Cinema“ ihren Film „Gleißendes Glück“ vorgestellt. Mit der Deutschen Presse-Agentur spricht sie über ihre zaghaften Anfänge, die Eifersucht manch deutscher Filmemacher und das schauspielerische Können von US-Präsident Donald Trump.

Frage: Frau Gedeck, Sie haben einmal gesagt: „Mein Publikum will nicht wissen, wie viele Eier ich morgens brate. Ich spreche durch meine Figuren.“ Inwieweit sprechen Sie durch die Figur Helene Brindel in ihrem jüngsten Film „Gleißendes Glück“?

Antwort: Ich spreche durch sie, weil ich meinen Körper benutze, mein Lachen, meine Gedanken. Meine Empfindungen sind ja mein Instrument. Das bin in gewisser Weise auch ich selbst.

Frage: Frau Brindel muss sich aus dem Gefängnis ihrer Ehe befreien, um wahres Glück zu finden. Sind Sie selbst ein glücklicher Mensch?

Antwort: Ja, immer mehr. Ich erlebe es fast als Aufgabe und Pflicht, dass man das ist, weil dieses Leben so kostbar ist und ein Geschenk.

Frage: War immer klar, dass die Schauspielerei zum Glück in Ihrem Leben etwas beitragen soll?

Antwort: Es dauerte sehr lange, bis ich mich dazu durchgerungen habe. Ich habe eine große Scham gehabt, in den Beruf einzusteigen, weil ich nicht dachte, dass ich das kann. Oder weil ich irgendwie dachte, das darf man eigentlich nicht.

Frage: Man darf nicht Schauspielerin werden?

Antwort: Das war damals noch so. Heute ist das viel mehr etabliert, dass man sich zeigt, dass man in den Mittelpunkt geht und sagt, hier bin ich. Die Deutschen in den 70er und 80er Jahren sagten, jetzt haltet mal bitte den Ball flach, macht hier nicht den großen Zauber, das haben wir alles schon erlebt.

Frage: Inwiefern hat Sie das amerikanische Kino beeinflusst?

Antwort: Das fing an, als ich klein war mit Filmen aus Amerika. Die Schwarzweiß-Filme haben mich sehr beeindruckt, später dann die Zeit um (Martin) Scorsese rum, jetzt kürzlich Philip Seymour Hoffman und natürlich (Robert) De Niro. Ich habe mich da sehr mit beschäftigt, weil das eine große Kunst ist, was die machen. Oft sind es Dinge, die einen überraschen und die einen aus dem Konzept bringen und aus der Sehgewohnheit schmeißen.

Frage: Sind die USA immer noch Vorbild für die deutsche Branche?

Antwort: Ich erlebe die Deutschen als sehr Amerika-orientiert. Die Impulse, die aus Amerika kommen, werden ja kopiert und nachgemacht. Jeder Filmhochschüler lernt, wie das eben in Amerika gemacht wird. Aber die europäischen oder gerade die deutschen Filme, die relevant sind, haben eine ganz eigene Haltung und Sprache. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sich das gegenseitig befruchtet. Ich persönlich will mich auch gerne aus der deutschen Enge herausbewegen.

Frage: Zugleich werden Deutsche wie Til Schweiger und Bernd Eichinger, die in den USA Erfolg haben beziehungsweise hatten, in Deutschland irgendwie belächelt oder nicht ganz ernst genommen.

Antwort: Das ist einfach wahnsinnig. Das ist Eifersucht und Neid. Das sind ja ganz erfolgreiche Leute. Eichinger sowieso, der wirklich groß gedacht hat, und Til Schweiger auch, der als einziger wirklich ein großes Millionenpublikum erreicht, und zwar mit jedem seiner Filme. Seine Filme haben auch eine soziale Relevanz und eine Tiefe. Es ist ja wirklich nicht so, dass er oberflächliches Zeug macht. Das ist doch wirklich albern. Das darf doch neben all dem anderen, was da blüht und wächst, ohne Weiteres existieren.

Frage: Wie erklären Sie sich diese Ablehnung in Deutschland?

Antwort: Es gibt eine große Missgunst, was Erfolg angeht. Das ist unsere Tradition: Wenn der andere besser ist, dann bin ich nicht so gut, dann sieht man mich ja nicht mehr. Das ist die Angst, die dahinter steht. Das gibt es in Amerika nicht. Diese überbordende Freude über die Erfolge, die man hat, hat mich hier damals immer für bass erstaunt. Das ist einfach eine Großzügigkeit des Herzens, die man als Filmemacher, als Künstler überhaupt braucht.

Frage: Würden Sie gern in mehr US-Produktionen mitwirken?

Antwort: Ja, das würde ich sehr, sehr gern. Es gibt immer wieder so wunderbare Regisseure, große Filme, und da hat man schon Lust. Aber das ist eine Frage des Angebots und ob es zustande kommt. Nur im Grunde musst du akzentfrei Amerikanisch sprechen. Das konnte ich mal mit 16 als Austauschschülerin.

Frage: Hat der derzeitige US-Präsident eigentlich schauspielerisches Talent?

Antwort: Die Schauspielerei ist der Wahrheit verpflichtet.

ZUR PERSON: Martina Gedeck, 1961 in München geboren, ist eine der besten und meistbeschäftigten deutschen Schauspielerinnen. Für ihre ausdrucksstarken Rollen in Kino- und TV-Filmen erhielt sie unter anderem den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Fernsehpreis und den Adolf Grimme Preis. Sie spielte auch in dem mit dem Oscar ausgezeichneten Film „Das Leben der Anderen“. Beim einwöchigen deutschen Filmfestival „Kino!“ in New York, das am Donnerstag endet, liefen ihre Filme „Terror - Ihr Urteil“ und „Gleißendes Glück“.

dpa

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