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Kultur im Rest der Welt Michael-Jackson-Musical „Beat it“ feiert in Berlin Weltpremiere
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07:31 30.08.2018
Das „Beat It“-Musical hat in Berlin Weltpremiere gefeiert Quelle: Getty Images
Berlin

Just am Mittwochabend, dem 60. Geburtstag von Michel Jackson, feierte die Show „Beat it“ im Theater am Potsdamer Platz in Berlin ihre Weltpremiere. Der Hauptdarsteller stimmte zum Schluss mit dem Publikum ein „Happy Birthday“ an. Da die Nachlassverwalter des 2009 verstorbenen „King of Pop“ die deutsche Produktion per Gerichtsbeschluss verhindern wollen, interessierte die Juristen im Parkett vor allem, ob es sich bei der Bühnenarbeit um ein verkapptes Muscial handelt.

Die in Passau ansässige Cofo Entertainment Group wirbt damit, dass „Beat it!“ „mehr als eine Tribute-Show“ sei. Der Produzent müsste bei einem Musical offenbar die Rechte von den Erben einholen. Über die Klage wird erst in den nächsten Wochen entschieden. Cofo-Geschäftsführer Oliver Forster vertritt den Standpunkt, es reiche, für die 25 Jackson-Songs, die in „Beat it!“ unverändert aufgeführt werden, an die Gema Gebühren abzuführen.

Nur wenige szenische Tupfer

War es ein Musical? Nein, denn es gibt nur eine Geschichte, die diese Show erzählt, und das ist die des Erfolges von Michael Jackson. Die zweieinhalbstündige Aufführung vergegenwärtigt, wie überwältigend Jacksons Lieder, Bewegungen und Choreografien auf Menschen wirken. Die wenigen szenischen Tupfer zwischendurch wirkten dagegen aufgesetzt und auch ein bisschen hilflos.

Als Kind stand Michael Jackson ganz vorn bei den „Jackson Five“. Doch mit dem Erfolg seiner Karriere veränderte sich der Sänger, ebenso wie sein Aussehen.

Zwei Sänger verkörpern das 2009 gestorbene Idol. Der Brite Koffi Missah imitiert den jungen Michael, der Südafrikaner Dantanio Goodman den erwachsenen King of Pop. Und das mit einer Leidenschaft und Präzision, dass die Besucher nie das Gefühl haben müssen, einem Betrug oder nur einem billigen Abklatsch aufzusitzen. Im Gestus und gesanglich kommt vor allem Goodman dem eigentlich unnachahmlichen Popstar bemerkenswert nah. So legte er auch einen Moondance hin, der Begeisterungsstürme auslöste. Zehn weitere Tänzer und Background-Sänger sowie eine fünfköpfige Liveband wirken in der Tribute-Show mit.

Regisseurin Andreana Clemenz und Choreograf Alex Burgos ziehen viele Register, um bei jedem Song mit neuen Effekten zu punkten.

Der vielseitige Perfektionist

Wie schwer es ist Jackson, das Original, zu kopieren, wird schon daran deutlich, dass in anderen Shows mehrere vermeintliche Doppelgänger aufgeboten werden müssen, um all die schillernden Seiten des Sängers und Tänzers zur Geltung zu bringen. Jackson, der vielseitige Perfektionist, zelebrierte funkelnden R&B-Groove („Off The Wall“) so ultimativ wie Discokracher („Don’t Stop Til’ You Get Enough“), dramatische Kunstlied („Thriller“) so eindringlich wie pathetische Hymnen („Earth Song“).

Die Retro-Show „Beat it!“ konkurriert derzeit mit „Thriller live“, einer anderen Tribute-Show, die unmittelbar aus den „Celebration“-Partys noch zu Lebzeiten des Popstars hervorging. Hier wirken gleich fünf Jackson-Darsteller mit – Schwarze wie Weiße, Männer wie Frauen. Diese Unbestimmtheit ist möglich, weil der King of Pop im Laufe seiner 40-jährigen Karriere selbst die Rassen- und Geschlechtergrenzen infrage gestellt hat. Als androgyne Schönheit entwickelte er eigene Stereotype und funkte erotische Signale in alle Richtungen. Der aufreizende Griff in den Schritt oder die lasziv von hinten ins Gesicht geschobene Hutkrempe sind nur zwei pantomimische Gesten, die er kultiviert hat.

Die Erben von Michael Jacksons planen, 2020 ein Michael-Jackson-Musical am New Yorker Broadway herauszubringen. Mit dem Script wurde die Pulitzer-Preisträgerin Lynn Nottage beauftragt. Die deutsche Produktion „Beat it!“ soll, wenn es nicht vom Gericht untersagt wird, nach sechs Vorstellungen in Berlin bis Mai 2019 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auf Tournee gehen.

Überraschung nach stehenden Ovationen

Nach den stehenden Ovationen des Publikums am Mittwoch kurz vor Mitternacht konnte Produzent Oliver Forster noch einen Clou platzieren. Er griff zum Mikrofon und bat einen Bruder von Michael Jackson auf die Bühne. Und der gab zu Protokoll: „Es ist eine der besten Michael-Jackson-Shows, die ich jemals gesehen habe.“ Forster sprach daraufhin noch einmal offen das drohende „Verbot“ an und sagte: „Ich glaube, wir haben heute ein klares Zeichen gesetzt.“

Geplante Aufführungen: Täglich bis 2. September: Berlin Theater am Potsdamer Platz. 10. November: Leipzig Arena. 14. November: Rostock Stadthalle. 16. November: Kiel SparkassenArena. 22. November: Hannover SwissLife Hall, jeweils 20 Uhr.

Von Karim Saab/MAZonline/RND

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