Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Rest der Welt „Mode made in Germany“ - Berliner Fashion Week startet
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt „Mode made in Germany“ - Berliner Fashion Week startet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:42 04.07.2017
Bei der Arbeit: Das Label Ivanman schickt seine Blaumänner auf den Catwalk. Quelle: Britta Pedersen
Berlin

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries war modemäßig etwas schräg darauf. Beim Besuch der Berliner Fashion Week trug die SPD-Politikerin am Dienstag über ihrem hellen Sommermantel eine dicke blaue Armschlinge.

„Das ist ein Trümmerbruch im rechten Oberarm. Eigentlich hätte ich gar nicht kommen dürfen“, sagt die 63-Jährige gut gelaunt. Doch das Gespräch mit dem Fashion Council Germany bei der Messe Premium will sie nicht verpassen.

Die 2015 gegründete Initiative deutscher Branchenexperten setzt sich für „Mode made in Germany“ ein. Im Mittelpunkt steht die Nachwuchsförderung. „Die meisten Kreativen werden in Deutschland ausgebildet, aber wandern dann oft ins Ausland ab“, sagt Zypries. „Wir müssen es schaffen, einen neuen Ruf für den Modestandort Deutschland zu begründen.“

Wie die Fashion Week sieht auch Zypries besondere Zukunftschancen für deutsche Designer in Öko und Hightech. Intelligente Stoffe etwa mit Sensoren oder stromleitenden Fasern seien auch medizinisch wertvoll, sagt die Ministerin. „Ich bin sicher, dass man auch so eine Armbinde etwas schicker und einfacher in der Handhabung machen könnte.“

So stellt Lisa Lang (34), Chefin des Berliner Unternehmens Electrocouture GmbH, der Ministerin ihr „Projekt Marlene“ vor. Inspiriert von Briefen der Hollywood-Diva hat sie ein letztes Kleid für Marlene Dietrich entworfen - einen selbstleuchtenden, funkelnden Traum aus rosa Blüten. „Technologisch geht heute alles“, sagt Lang. „Was wir brauchen, sind klassische Designer, die diese Dinge auch anwenden können.“

Karen Jessen (32) führt seit 2012 das Label Benu Berlin. In ihrer „Ranch“, wie sie es nennt, verwandelt sie alte Jeans mit ungewöhnlichen Techniken in kleine, trag- und haltbare Kunstwerke. „Nachhaltigkeit ist für uns selbstverständlich“, sagt sie. „Dass jetzt auch die Regierung die Modebranche ernst nimmt, ist ein tolles Zeichen.“

Gleichzeitig warb auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) für fair produzierte und gehandelte Mode. Bei der Messe Panorama stellte er seine Initiative „Textilbündnis“ vor, der sich bereits rund 140 Verbände, Organisationen und Unternehmen angeschlossen haben.

Freilich: Auch die traditionellen Laufstegschauen gibt es noch, die einst im Zelt am Brandenburger Tor für Glamour sorgten. Inzwischen ist der Veranstalter ins ehemalige Kaufhaus Jandorf umgezogen, das zu DDR-Zeiten als Institut für Modegestaltung diente. In dem einst prachtvollen Jahrhundertwendebau schaffen kahle Betonböden, abgeschlagene Ziegelwände und blätternde Stahlträger den beliebten Berliner Szenelook.

Zum Auftakt schickt das Männerlabel Ivanman seine durchtrainierten Models streng und klassisch auf den Catwalk. In einer Mischung aus Military und Blaumann gibt es kastige Oberteile zu schmalen Hosen, für Hingucker sorgen überlange, schlackernde Schnüre in Grün, Gelb und Orange.

Einen Kontrapunkt setzen Ewa Herzog und Lena Hoschek. Bei der Berlinerin Herzog gibt es viel transparente Spitze und weich schwingende Röcke. Die Österreicherin Hoschek, seit langem ein Publikumsliebling in Berlin, holt mit ihren romantisch-verspielten Blumenmädchen erneut viel Applaus. Für den Nachmittag standen noch Anja Gockel und das promiträchtige Label Laurèl auf dem Programm.

Insgesamt wartet die Modewoche bis zum Freitag mit rund einem Dutzend Einzelmessen und 70 Modeschauen auf. Rund 3500 Aussteller zeigen, was im kommenden Frühling und Sommer angesagt ist oder angesagt sein soll. Der unendliche Partyreigen wurde bereits am Montag mit einem schillernden Sommerfest der Blooger Dandy Diary eröffnet, die mit Designer Harald Glööckler auf die Berliner Insel der Jugend luden.

Wem bei all dem die Puste ausgeht, findet im kostenlos verteilten „goody bag“ ungewöhnliche Stärkung: Neben Bioriegel, Wasser und einem Aperitif gibt es auch eine Dose Luxusfutter für den Hund.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weltweit gelten mehr als 50 Welterbestätten als akut gefährdet. Über ihren Erhalt diskutiert das Unesco-Komitee bei seiner Sitzung. Doch es gibt auch positive Nachrichten.

04.07.2017

Der Iran versucht schon seit Jahren, seine politischen Differenzen mit dem Westen über Kulturveranstaltungen auszugleichen. Jetzt will der italienische Stardirigent Riccardo Muti mit Musikern des iranischen Symphonieorchesters auftreten.

04.07.2017

Er strotzte vor Selbstbewusstsein und war einer der bekanntesten Künstler Lateinamerikas. Seine Arbeiten wurden auch in Paris oder Madrid gezeigt. Jetzt ist José Luis Cuevas mit 83 Jahren gestorben.

04.07.2017