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„My Fair Lady“: Ehemaliger No-Angels-Star gefeiert

Bad Hersfeld „My Fair Lady“: Ehemaliger No-Angels-Star gefeiert

Sandy Mölling machte mit einer Girlgroup Karriere. Dass die Popsängerin mehr kann, beweist sie in einer Musical-Hauptrolle bei den Bad Hersfelder Festspielen. In der Branche wurde die Blondine kritisch beäugt. Nun gibt sie ihre Antwort - „mit Liebe zur Kunst“.

Bad Hersfeld. Als Sandy Mölling am Ende etwas verlegen vor das Publikum trat, schwoll der ohnehin starke Schlussapplaus noch einmal kräftig an. Für ihre bislang größte Hauptrolle in einem Musical bekam die ehemalige Girlgroup-Sängerin der No Angels viel Anerkennung.

Den Part der Eliza Doolittle in „My Fair Lady“ bewältigte die 35-Jährige am Freitagabend bei den Bad Hersfelder Festspielen mit Bravour. „Ich bin ja keine gelernte Musical-Darstellerin oder Schauspielerin, daher war es anspruchsvoll“, sagte sie nach der überzeugenden Premiere vor rund 1200 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Stiftsruine.

Mölling gab die Titelrolle des armen Blumenmädchens, das durch quälend-mühsames Benimm- und Sprachtraining in die englische High Society aufsteigen soll, mit Witz, Charme und Ausstrahlung. Regisseur Cusch Jung, der an ihrer Seite gekonnt den Part des Sprachforschers Professor Higgins spielte, sagte: „Das war eine große Herausforderung für sie. Sie wurde von Menschen aus der Branche kritisch von oben herab beäugt. Aber sie kann singen, tanzen und wunderbar spielen.“

Mölling erklärte: „Ich will den Leuten nichts beweisen. Aber ich glaube, dass ich Talent habe. Doch gespielt habe ich die Rolle aus Liebe zur Kunst.“ Festspiel-Intendant und Regisseur Dieter Wedel lobte: „Das könnte der Start zu einer großen Musical-Karriere sein. Sandy hat unglaubliches tänzerisches, schauspielerisches Talent und schöne Bewegungen mit solch einem Liebreiz – das muss man ausbauen.“

Mölling würde es freuen, wenn sie in Zukunft mehr Rollen bekommt. Die zweifache Mutter lebt mit ihrem Mann in Los Angeles und will verstärkt Schauspielunterricht nehmen, um auf der Bühne durchzustarten. Soviel Ehrgeiz und Energie färbt ab. Ihr ältester Sohn ist in Bad Hersfeld als Statist dabei. Der siebenjährige Jayden schlüpfte zu Beginn des Stücks in die Rolle eines Taschendiebs.

In dieser Phase gab die im Rheinland aufgewachsene Mölling noch das schnoddrig-schön berlinernde Blumenmädchen. „Überzeugend - ich war ganz erstaunt“, sagte Ilja Richter, der es als gebürtiger Berliner beurteilen kann. Richter spielte Elizas Vater als einen liebenswerten Taugenichts, der seine Tochter für die nächste Zechtour anschnorrt.

Richter beeindruckte in der Rolle ebenso wie Opern-Sänger und Moderator Gunther Emmerlich als staatlicher Oberst Pickering. Doch zum besonderen Hingucker avancierte das Kostümbild von Ella Späte. Sie kreierte dafür außergewöhnliche Hüte. Die feinen Damen trugen Kopfschmuck mit Blumen, Federn, Perlen oder einem Schwan. Mit dieser Extravaganz und affektierten Gestik wurde die überkandidelt feine Gesellschaft karikiert. Das Publikum bekam bei den unterhaltsamen Parodien einiges zu lachen.

Ein Merkmal der Bad Hersfelder Fassung auf der Freilicht-Bühne war, die Handlung nach draußen ins Grüne zu verlegen. So verwandelte sich die Stiftsruine in einen Park mit akkuratem englischen Rasen. „Die Idee ist sehr gut aufgegangen, den Stoff nicht in Straßen und Häusern sondern in einer Garten-Atmosphäre darzubieten“, befand Richter.

Vorzüglich begleitet wurde das sehr gute Ensemble durch das Orchester des musikalischen Leiters Christoph Wohlleben. Er präsentierte die wunderbar leichtgängige Musik von Frederick Loewe mit ihren Hits und Evergreens treffend. Melissa King sorgte mit ihren Choreographien für stimmungsvolles Treiben auf Bühne und Tribüne, unter anderem mit einer Stepptanz-Nummer.

Die Bad Hersfelder Fassung bot eine unterhaltsame Persiflage auf die steife englische Oberschicht mit ihrer aristokratischen Arroganz. In dem 1956 uraufgeführten Broadway-Klassiker, der es zu Weltruhm brachte und erstmals bei den Festspielen im Programm steht, sieht Intendant Wedel aber auch Parallelen zur Gegenwart: „Die Sprache allein reicht nicht, um in andere Gesellschaftsschichten zu kommen. Diese Erfahrung werden leider auch noch viele Flüchtlinge machen.“

dpa

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