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Kultur im Rest der Welt Nach Literaturnobelpreis-Skandal: Kritik an geplanter doppelter Verleihung
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17:18 11.03.2019
Sara Danius, die damalige Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie der Jury für den Literatur-Nobelpreis, spricht mit Pressevertretern. (Archivbild) Quelle: Jonas Ekstromer/dpa
Stockholm

Die frühere Vorsitzende der Schwedischen Akademie, Sara Danius, hält das Nachholen des Literaturnobelpreises aus dem Vorjahr für falsch. Aus Respekt vor den Frauen, die Opfer des Mannes im Zentrum des Skandals bei der Akademie geworden seien, hätte man sich entschließen sollen, für das Jahr 2018 auch nachträglich keinen Preis zu vergeben, sagte Danius in der schwedischen Fernsehsendung „SVT Babel“.

„So hätte man in Erinnerung behalten können, dass tatsächlich etwas passiert ist. Wie ein Sprung in der Scheibe“, sagte die 56-Jährige in der am Sonntagabend ausgestrahlten Sendung. Vor einer Woche hatte die Akademie mitgeteilt, dass in diesem Jahr zwei Literaturnobelpreise vergeben werden sollen - einer für 2018 und einer für 2019.

18 Frauen sollen Opfer sexueller Belästigung geworden sein

Die Schwedische Akademie steckt seit knapp anderthalb Jahren in der Krise. Der Skandal dreht sich um die mittlerweile ausgetretene Dichterin Katarina Frostenson und ihren Ehemann Jean-Claude Arnault. 18 Frauen hatten Arnault im November 2017 sexuelle Belästigung und Übergriffe vorgeworfen.

Er wurde Anfang Dezember 2018 von einem Gericht in Stockholm wegen Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dagegen ging er wie bereits gegen das Urteil der Vorinstanz in Berufung. Die Akademie wirft den beiden auch vor, die Literaturnobelpreisträger vorab ausgeplaudert zu haben. Wegen des Streits war 2018 kein Nobelpreis für Literatur vergeben worden.

Jean-Claude Arnault habe sich „äußerst große Freiheiten genommen“

„Von Anfang an hat es sich um eine Reihe von Frauen gehandelt, die einem Mann ausgesetzt gewesen sind, der sich äußerst große Freiheiten genommen hat“, sagte Danius. „Jetzt wissen wir, wer das war. Er sitzt jetzt im Gefängnis.“ In der Akademie habe zunächst große Einigkeit darüber bestanden, wie mit Arnault verfahren werden solle - nicht aber darüber, was mit dessen Ehefrau, dem damaligen Akademiemitglied Frostenson, passieren solle.

Danius ist die erste Frau an der Spitze der Akademie gewesen. Sie hatte ihre Arbeit als Ständige Sekretärin der Institution im Zuge des Skandals im April vergangenen Jahres niedergelegt. Ende Februar war bekanntgeworden, dass sie die Institution endgültig verlässt.

Von RND/dpa