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Palästinenser zeigen Jerusalem-Ausstellung

Stadt als Symbol Palästinenser zeigen Jerusalem-Ausstellung

15 Monate nach der Eröffnung zeigt das Palästinensische Museum bei Ramallah seine erste Ausstellung: „Jerusalem lives“. Es geht um Politik, Identität, den Konflikt mit Israel. Doch den Besucher lockt auch ein außergewöhnliches Gebäude.

Besucher vor dem Palästinensischen Museum, entworfen von dem in Dublin ansässigen Architekturbüro Heneghan Peng.

Quelle: Iwan Baan/palästinensisches Museum

Birseit. Der Stein ist zwei Meter hoch, rund 2,5 Tonnen schwer und leuchtet aus der Ferne weiß. Er bietet eine Einbuchtung zum Sitzen, eine für die Schulter, den Kopf, die Hand, den Fuß. „Das ist ein Stein, mit dem die Menschen interagieren sollen“, sagt der Bildhauer Athar Jaber.

Der 35-Jährige hat sich von Jerusalem als Stadt aus Stein inspirieren lassen. Er verweist auf die heiligen Steine, die dort liegen, wie den Salbungsstein in der Grabeskirche. Darauf soll der Leichnam Jesu der Überlieferung nach für die Bestattung vorbereitet worden sein.

Das Werk Jabers ist von Sonntag an (27.08.) als Teil der Ausstellung „Jerusalem lives“ (Jerusalem lebt) im Palästinensischen Museum bei Ramallah im Westjordanland zu sehen. Die Ausstellung präsentiert bis zum 15. Dezember rund 50 Werke von etwa 40 palästinensischen und ausländischen Künstlern in dem architektonisch außergewöhnlichen Gebäude und dem angrenzenden Garten. Es ist die erste Ausstellung in dem im Mai 2016 eröffneten Museum.

„Mein Ziel ist nicht zu trennen, sondern nach den Gemeinsamkeiten zu schauen“, sagt Jaber, der irakische Wurzeln hat und in Antwerpen und Florenz lebt. „Ich hoffe, dass alle Religionen etwas in dem Stein finden können, dass er zu ihnen spricht.“

Der Künstler will nicht zwischen den Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam trennen. Doch die Ausstellung konzentriert sich auch auf den Konflikt zwischen dem jüdischen Staat Israel und den überwiegend muslimischen Palästinensern, der sich in weiten Teilen um die Stadt Jerusalem dreht. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in der Altstadt mit der Al-Aksa-Moschee, dem Felsendom und der Klagemauer ist Juden wie Muslimen heilig.

„Wir haben Jerusalem gewählt, weil wir erzählen werden, was wirklich mit den Palästinensern und Palästina aktuell passiert, vom Standpunkt Jerusalem aus betrachtet“, sagt der Generaldirektor des Museums, Mahmud Hawari. „Es gibt keine Stadt auf der Welt, die so viele Gefühle auslöst, seien es nationale, religiöse, kulturelle oder sentimentale.“

Israel hat im Sechs-Tage-Krieg 1967 - vor 50 Jahren - auch den Ostteil von Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 200 000 israelische Siedler und rund 300 000 Palästinenser. Israel bezeichnet Jerusalem als „unteilbare Hauptstadt“ Israels. Die Palästinenser wollen dagegen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen unabhängigen Palästinenserstaat.

Die Ausstellung beleuchte Jerusalem aus politischer, ökonomischer, kultureller und ideologischer Sicht, sagt die Kuratorin Reem Fadda. In dem Museum werden Videos, Audiobeiträge, Grafiken und historische Dokumente zu sehen sein, wie Pilger-Zertifikate von Juden, Christen und Muslimen aus dem 18. Jahrhundert. Im 36 000 Quadratmeter großen Garten werden zwischen Oliven-, Feigen- und Granatapfelbäumen Werke aus Stein, Ton und Zement präsentiert.

Das rund 25 Millionen Euro teure Gebäude selbst wurde von dem in Dublin ansässigen Architekturbüro Heneghan Peng entworfen und thront auf einer Hügelkuppe am Rande der Birseit-Universität nahe Ramallah. Aus der Ferne erinnert das Museum in seiner langgezogenen Form mit zahlreichen Zacken an ein in der Sonne liegendes Krokodil.

Das größte Museum für palästinensische Kunst und Geschichte will auch an Flucht und Vertreibung Hunderttausender Palästinenser nach der israelischen Staatsgründung 1948 erinnern. Die Einrichtung wird privat finanziert, vor allem von der palästinensischen Nichtregierungsorganisation Taawon-Welfare Association.

Von israelischer Seite gibt es immer wieder die Aussage, die Palästinenser seien kein Volk und hätten daher auch keinen Anspruch auf einen eigenen Staat. „Die meisten der modernen Staaten in der Welt haben sich im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt“, sagt Generaldirektor Hawari. „Die Palästinenser bilden da keine Ausnahme.“ Um 1900 hätten die Palästinenser damit begonnen, sich als solche zu bezeichnen. „Davor waren Palästina und die Palästinenser Teil der Bevölkerung der Levante.“ Dazu zählen unter anderem Syrien, der Libanon und Israel.

15 Monate stand das Gebäude leer. Hawari hatte seine Stelle erst mit der Eröffnung des Museums angetreten. Sein Vorgänger hatte Monate vorher seinen Posten verlassen. Eine für Herbst 2016 geplante Ausstellung wurde abgesagt, weil die Vorbereitung „ziemlich viel zusätzliche Arbeit“ verlangt hätte, wie Hawari sagt. Insofern habe das Museum „Jerusalem lives“ in Rekordzeit erarbeitet.

dpa

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