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Paul Simon: Keine Zeit für schwache Songs

Berlin Paul Simon: Keine Zeit für schwache Songs

Auf Paul Simon ist Verlass. Alle paar Jahre bringt der Mann, den die Sixties-Hits mit dem Softpop-Duo Simon & Garfunkel früh zum Weltstar machten, zehn oder elf neue Songs heraus. Ein schwacher ist auch jetzt wieder nicht darunter.

Berlin. Man glaubt es ja kaum bei einem Künstler, der schon mit 13 sein erstes Lied „The Girl For Me“ komponierte und seitdem viele Dutzend mehr. Doch tatsächlich beschreibt Paul Simon, einer der größten Songwriter des Pop, den Start zu seinem neuen Album als ziemlich holprig.

Es begann - nicht zum ersten Mal, erinnert sich der 74-Jährige - „in der Jahreszeit des emotionalen Winters“, also mit einer Art Schreibblockade. Umso erstaunlicher, dass am Ende doch wieder eine herausragende Platte entstand.

Das vom Studio-Veteranen Roy Halee mitproduzierte „Stranger To Stranger“ hat alles, was ein echtes Paul-Simon-Album ausmacht: Zeitlos schöne und dabei völlig kitschfreie Melodien, dezente Klangexperimente, diese jung gebliebene, freundliche Singstimme - und jene federleichten Worldmusic-Beats, auf die der Mann aus New York spätestens seit seinem Afropop-Welthit „Graceland“ (1986) ein Patent hat. Mit „The Werewolf“, „Proof Of Love“, „Insomniac's Lullaby“ und dem Titelsong enthält auch die neue Platte wieder mindestens vier künftige Simon-Klassiker. 

Es sei ihm diesmal weniger um schlaue Texte gegangen, sagte der Sänger der „New York Times“. „Sondern um Sounds und ihre Quellen. Insofern ist das gar nicht so weit entfernt von Hip-Hop-Burschen wie Kanye West oder Kendrick Lamar, die sich auch sehr für Sound interessieren.“

Bollernde Beats und harte Rap-Reime, also drastisch neue, ungewohnte Klänge müssen Simon-Fans jedoch nicht befürchten (auch wenn er sich zwischendurch mal „Motherfucker“ als „lovely word“ auf der Zunge zergehen lässt). „Nein, das wäre doch so, als würde ich jetzt in zerrissenen Jeans 'rumlaufen. Wenn man 70 ist, sollte man nicht so tun, als wäre man 20.“

Zwei der elf „Stranger“-Stücke sind Instrumentals, die Simon mit seiner Akustikgitarre, aber auch einigen exotischen Instrumenten wie afrikanischer Mbira, dem Chromelodeon und einer Uhr erzeugte. „Ich habe mir viele Gedanken über Aufmerksamkeitsspannen gemacht und deshalb zwischendurch kurze Gitarren-Tracks eingebaut - damit das Gehirn die Informationen vorheriger Songs besser verarbeiten kann.“ In diesem Konzept dienen „The Clock“ und „In The Garden Of Edie“ nun als Ruhepole, bevor es mit viel Gebläse, Getrommel, Handclap- und Flamenco-Rhythmik zeitweise fast schon karnevalesk weitergeht.

Auch das zwölfte Studio-Soloalbum von Paul Simon in 45 Jahren - sein erstes seit „So Beautiful Or So What“ (2011) - führt wieder einige der weltbesten Musiker aus Folk, Afrobeat, Jazz und Pop zusammen. Das reicht vom jungen Arrangeur und Komponisten Nico Muhly über die Jazz-Koryphäen Jack DeJohnette und Bobby McFerrin bis zum kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini und einem italienischen Elektronik-Spezialisten namens Digi „Clap!Clap!“ G'Alessio. Einer der Höhepunkte dieser durchweg virtuos eingespielten Platte: die fabelhafte Solo-Trompete von C.J. Camerieri im Titelstück.

Mag „Stranger To Stranger“ Simons anhaltende Kreativität auch noch so sehr unter Beweis stellen - Interviewfragen nach einer weiteren Reunion mit seinem alten Partner und Widersacher Art Garfunkel werden wohl nie ganz ausbleiben. Der in Kürze (am 13. Oktober) sein 75. Lebensjahr vollendende Musiker sagt dazu deutlich Nein - es gab zuletzt wohl wieder mal Streit.

Ob noch eine weitere Soloplatte von ihm erscheinen wird, lässt Simon im Interview der „New York Times“ dagegen offen: „Das sage ich doch nach jedem Album: Ich weiß wirklich nicht, ob ich das nochmal machen soll. Aber diesmal meine ich es wirklich ernst! Wie immer....“

Im Herbst kommt Paul Simon für zwei Konzerte nach Deutschland: Am 18. Oktober spielt er in Leipzig und am 20. Oktober in Berlin.

dpa

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