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Philip Roth gibt sein letztes Interview

Literatur Philip Roth gibt sein letztes Interview

Ein gelber Klebezettel auf dem Computer erinnert den weltweit gefeierten Bestseller-Autor Philip Roth Tag für Tag an die vielleicht einschneidendste Entscheidung seines Lebens.

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Philip Roth zieht sich zurück. Foto: Mondadori Publishing House

New York. Ein gelber Klebezettel auf dem Computer erinnert den weltweit gefeierten Bestseller-Autor Philip Roth Tag für Tag an die vielleicht einschneidendste Entscheidung seines Lebens. „Der Kampf mit dem Schreiben ist vorbei“ steht darauf.

„Jeden Morgen schaue ich auf diesen Zettel, und das gibt mir sehr viel Kraft“, sagte Roth der „New York Times“. Das Interview, das die Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe veröffentlichte, werde sein letztes sein, betonte Roth.

Rund eine Woche nachdem sein Rückzug aus dem Literaturbetrieb offiziell bestätigt worden war, ließ der 79-Jährige noch einmal einen Journalisten für drei Stunden in seine Wohnung an der New Yorker Upper West Side. Zum letzten Mal, wie es hieß. Der 79-Jährige will sich nicht mehr öffentlich äußern, er will auch nicht mehr Tag für Tag mit Papier und Worten kämpfen. Roth will Ruhe.

„Ich kann keine Tage mehr ertragen, an denen ich fünf Seiten schreibe und sie dann wieder wegschmeiße. Es geht einfach nicht mehr“, sagte der seit Jahren als Kandidat für den Nobelpreis gehandelte Autor. „Ich weiß, ich werde nicht mehr so gut schreiben können, wie ich das mal getan habe. Ich habe nicht mehr das Durchhaltevermögen, die Frustration auszuhalten. Schreiben ist Frustration - tägliche Frustration, von der Demütigung mal ganz abgesehen.“

In einem Literaturbetrieb, in dem wohl die meisten Schriftsteller die Arbeit als Lebensinhalt betrachten, und - ob etwa aus Leidenschaft oder Eitelkeit - nie wirklich damit aufhören, wirkt dieser handwerklich-pragmatische Ansatz wie ein Schock. „Für seine Freunde ist ein nicht schreibender Philip Roth ein nicht atmender Philip Roth“, klagte die „New York Times“.

Aber Roth gibt sich gelassen. „Fröhlich, entspannt und zufrieden mit seiner Entscheidung“ wirke er, schrieb die Zeitung. Leicht gefallen sei ihm der Schritt, der für ihn bereits kurz nach dem Erscheinen seiner letzten Novelle „Nemesis“ 2010 festgestanden habe, aber natürlich trotzdem nicht, sagte Roth. „Ich habe erstmal nichts gesagt, weil ich mir sicher sein wollte, dass es stimmt. Ich dachte "Moment mal, verkünde nicht deinen Ruhestand und dann mache es wieder rückgängig". Ich bin doch nicht Frank Sinatra. Also habe ich erstmal abgewartet.“ Monatelang habe er zahlreiche Klassiker der Weltliteratur und auch seine eigenen Bücher nochmals gelesen. „Da wusste ich, ich würde keine großartige Idee mehr haben.“

Wie verbringt ein Bestsellerautor von Romanen wie „Der menschliche Makel“ und „Amerikanisches Idyll“ seinen Ruhestand? Nun, zunächst einmal habe er sich ein iPhone gekauft, sagte Roth, dessen zweite Ehe in den 90er Jahren geschieden wurde. „Ganz einfach weil ich frei bin. Jeden Morgen lese ich ein Kapitel in dem Buch "iPhone für Anfänger" und bin jetzt schon sehr geübt. Ich ziehe das Ding aus meiner Tasche und spiele damit.“

Außerdem mache er viel Sport und pendele zwischen seinem Haus in Connecticut und seiner Wohnung in New York hin und her. Und er lese. „Hauptsächlich über Geschichte des 20. Jahrhunderts und Biografien. Dafür hatte ich nie Zeit, weil ich gelebt habe. Ich war entweder Kind oder in der Schule oder bei der Arbeit. Es wird Zeit, das alles aufzuholen.“

Und - ja, einen kleinen Trost für Fans gibt es doch noch: Philip Roth schreibt. Zwar keinen Roman mehr, aber er arbeitet zusammen mit der achtjährigen Tochter einer Ex-Freundin per E-Mail an einer Novelle und gemeinsam mit dem US-Autor Blake Bailey an seiner Autobiografie. „Endlich muss nicht mehr ich für die Bücher in meinem Leben graben“, sagte Roth. Der Kampf mit dem Schreiben ist vorbei.

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