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Jubiläum für „Bravo Hits“: 100. Ausgabe erscheint

Pop Jubiläum für „Bravo Hits“: 100. Ausgabe erscheint

Auf Partys war es immer gut, die „Bravo Hits“ dabei zu haben. Die Leichtigkeit der jeweils aktuellen Charts wurde auf keiner Kompilation besser versammelt. Am 16. Februar erscheint die 100. Ausgabe. Und wird vermutlich umgehend Platz Eins der Albumcharts besetzen.

Ein Lorbeerkranz für die Leichtigkeit der Charts: Die „Bravo Hits“ werden 100 und spiegeln wie immer den Massen-Popgeschmack der aktuellen Jugend. Viel Tanzbares ist auf der neuen Ausgabe – aber auch ein melancholisches Stück der Toten Hosen.

Quelle: dpa

Hannover. Die „Bravo Hits“ werden 100. Keine CD-Sampler-Serie hat es auf so viele Folgen gebracht. Selbst die berühmten „Kuschelrock“-Sampler für die musikalische Unterlegung zärtlicher Zweisamkeit bringen es derzeit erst auf Stücker 31. Am 16. Februar ist Jubiläumstag – auf „Nummer 100“ der Musikreihe zum Jugendmagazin drängeln sich 44 Tracks – von Ed Sheerans „Perfect“ bis Robin Schulz‘ „Unforgettable“, vom „Sick Boy“ der Chainsmokers bis zum „Beautiful Trauma“ von Pink.

Um Campino herum schwirren viele neue Namen

„Alles passiert“ singt uns Campino von den Toten Hosen ein melancholisches Stück über Abschied, Trauer, das Ende der Musik, und um den reifen Düsseldorfer Punk herum schwirren viele Interpreten und Formationen, deren Namen man nie zuvor gehört hat, Kollaborationen, deren aneinandergereihte Namen einem vorkommen wie ein halbes Kriegerdenkmal. Der große David Guetta macht beispielsweise bei „Dirty Sexy Money“ gemeinsame Sache mit Charlie XCX, Afrojack und French Montana. Die Auflistung der Beteiligten hätte das Etikett einer alten 45er-Vinylsingle gesprengt.

Eine dritte CD des Jubiläumspakets enthält ein Best Of aus den davor liegenden 99 Ausgaben. Völlig subjektiv und überaus verzichtbar, alles Zeug das man zu seiner Zeit so oft vom Dudelfunk in die Ohren gestopft bekam, bis die „Tilt!“ schrien. Nie mehr wollte man Julis „Perfekte Welle“ schwappen hören oder von Tim Bendzkos die Welt gerettet bekommen. Diese Disc wird jungfräulich bleiben. Und eine zum Jubiläum erscheinende 5-CD-Packung mit 100 ollen Kamellen will auch erst ihre Käufer finden.

Das „Bravo“-Heft war stets wichtig für die Musikindustrie

„Bravo - Hits“ gehört zur Produktgruppe von „Bravo“, dem mythischen deutschen Jugendmagazin, das seit den Sechzigerjahren die Jugend der Bundesrepublik durch die Pubertät geleitete. Popmusik war dort seit je neben Dr. Sommers Sexberatung das zentrale Thema, für die Plattenindustrie war das Heft also schon immer von einiger Bedeutung. So kam Thomas Schenk, der Anfang der Neunzigerjahre für den Plattenmajor Warner eine Hit-Compilation konzipieren sollte auf den Deal mit „Bravo“. Eine Erfolgsgeschichte.

Das Cover der ersten Ausgabe sah 1992 aus wie ein bunter Wirbelsturm. Hits wurden dem Hörer versprochen, Hits und nochmal Hits. Erstaunlich, wer es damals alles auf die „Bravo Hits 1“ schaffte. Nicht nur die damals angesagten Elektroniker von The KLF und Depeche Mode, oder Teenie-Acts wie Markie Mark (Wahlberg) & the Funky Bunch oder die New Kids On the Block, die erste der schon bald überaus nervigen Boygroups. Auch der im Vorjahr verstorbene Ur-Rock’n’Roller Fats Domino brachte seinen Fünfzigerjahrehit „I’m Walking“ hier noch einmal unter – dank eines Werbeclips für Benzin.

Die frühen Ausgaben boten Platz für Oldies und Obskures

Und sogar „Hurz!!!“, Hape Kerkelings kultiger Sketch über eine blasierte Gesangsavantgarde und deren Publikum um Verständnis ringendes Publikum, gabs auf „Bravo Hits 1“ in einer Tanzversion. Auf der zweiten Ausgabe – der ersten Doppel-CD der Reihe – fanden sich neben damals angesagten Acts ebenfalls noch Klassiker – OMDs E-Walzer „Maid of Orleans“ aus den Achtzigern, Alice Coopers „School’s Out“ aus den Siebzigern“ und „Paradiso (unterm Sternenzelt)“ – ein schmalziges, auf deutsch gesungener Connie-Francis-Evergreen von 1958.

Rock spielte damals noch eine wichtigere Rolle als auf den aktuellen Ausgaben: Bands wie Ugly Kid Joe, Mr. Big und die Red Hot Chili Peppers standen neben Dancefloor, House und Ragamuffin von Dr. Alban, Snap und Shabba Ranks auf der „Bravo“-Setlist.

Klar hatte der über die Dörfer tingelnde Party-Diskjockey anno 2000 auch die aktuellen Originalalben der Toten Hosen, der Bloodhound Gang oder Robbie Williams in seinen diversen CD-Köfferchen. Aber wenn ein Mädchen ans Pult kam und „Super Trouper“ von den A*Teens einforderte, war es besser, die „Bravo Hits 28“ zücken zu können.

Konkurrierende Sampler verschwanden vom Markt

Älteres Liedgut verzog sich mit der Zeit auf spezielle Partysampler, die „Bravo Hits“ waren bald schon rein gegenwartsbezogen den aktuellen Charts immer nur ein paar Wochen hinterher (sechs Wochen liegen zwischen Zusammenstellung und Veröffentlichung). Und damit so erfolgreich, dass die ältere Compilation-Serie „Formel 1“ schon 1997 ihr Erscheinen einstellte.

Von einer „Leuchtturmfunktion“ der Marke spricht Thorsten Tutzeck von der Plattenfirma Sony Music, die neben den beiden anderen „Majors“ Warner und Universal die „Bravo Hits“ bestückt. Man will weitermachen, glaubt an anhaltenden Erfolg – auch im Zeitalter des Streaming. „Die Bravo-Reihe einzustellen wäre in etwa so, als würde man Bayern München aus der Fußball-Bundesliga werfen“, sagte Tutzeck jüngst in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur.

Am Samstag, 17. Februar, wird bei RTL um 23.30 Uhr zu Nostalgie gebeten und „Bravo Hits – Der Countdown“ gezeigt. Dann erzählen bekannte Popmacher wie Sabrina Setlur, Joey Kelly oder die Lochis von Youtube, was ihnen die „Bravo Hits“ einst bedeuteten und wie sie die Platten zuerst kauften und dann selbst darauf zu hören waren.

Seit 97 Ausgaben notorisch auf Platz Eins der Albumcharts

Es ist schwer, heißt es, mehrere Nummer Einsen in den deutschen Charts hintereinander zu landen. Nicht aber, wenn man „Bravo Hits“ heißt. Die ersten zwei Nummern des Hitsamplers verharrten noch auf Platz 2, seither gingen die 97 nachfolgenden Ausgaben umgehend auf die Spitzenposition.

Am Freitag, wenn „Bravo Hits 100“ erscheint, wird das mit Sicherheit nicht anders werden.

Von Matthias Halbig/RND

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