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„Postfaktisch“ zum internationalen Wort des Jahres gewählt

Gefühle statt Tatsachen „Postfaktisch“ zum internationalen Wort des Jahres gewählt

Die Entscheidung der Briten zum Ausstieg aus der EU und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben das Jahr 2016 geprägt. „Postfaktisch“ ist das Wort, das diese beiden Ereignisse wie kein anderes begleitet hat, befand die Jury der Oxford Dictionaries.

London. Die Oxford Dictionaries haben das Wort „post-truth“ (postfaktisch) zum internationalen Wort des Jahres 2016 gewählt. Das teilte der Verlag auf seiner Webseite mit.

Das Adjektiv beschreibe Umstände, in denen die öffentliche Meinung weniger durch objektive Tatsachen als durch das Hervorrufen von Gefühlen und persönlichen Überzeugungen beeinflusst werde, heißt es in einem Auszug aus dem Wörterbuch.

„Angetrieben von dem Aufstieg der Sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establishment angeboten werden“, habe das Konzept des Postfaktischen seit einiger Zeit an Boden gewonnen, sagte Oxford-Dictionaries-Chef Casper Grathwohl zur Begründung. Er sei nicht überrascht, „wenn postfaktisch eines der prägenden Wörter unserer Zeit würde“.

Untersuchungen hätten ergeben, dass sich der Gebrauch des Wortes „postfaktisch“ im Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr davor um mehr als das Zwanzigfache erhöht habe, hieß es weiter. Vor allem im Zusammenhang mit dem Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU und den Präsidentschaftswahlen in den USA habe der Begriff einen Höhepunkt erlebt.

Zum ersten Mal sei „postfaktisch“ in einem Essay aus dem Jahr 1992 nachzuweisen, teilte Oxford Dictionaries mit.

Oxford Dictionaries ist in seiner Bedeutung für die englische Sprache vergleichbar mit dem Duden und gehört zum Universitätsverlag Oxford University Press. Die Jury wählt jedes Jahr ein Wort, das „soziale, kulturelle, politische, wirtschaftliche oder technologische Trends oder Ereignisse“ des Jahres wiederspiegele, heißt es auf der Webseite.

In Deutschland kürt jedes Jahr im Dezember eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ein „Wort des Jahres“. Im vergangenen Jahr war es „Flüchtlinge“.

Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein „Unwort“. Mitte Januar wird mit einer Entscheidung für 2016 gerechnet. Vergangenes Jahr wurde der Begriff „Gutmensch“ ausgewählt.

Über das „Jugendwort des Jahres“ entscheidet ein Gremium unter Leitung des Langenscheidt-Verlags. Die Entscheidung fällt an diesem Freitag. Das Jugendwort 2015 war „Smombie“ und bezeichnet Menschen, die auf ihr Smartphone starren.

dpa

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