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Renaissance-Genie Albrecht Dürer im Städel

Frankfurt/Main Renaissance-Genie Albrecht Dürer im Städel

Sportreporter Marcel Reif ist sich seiner Sache sicher. „Die Tiefe des Raumes beherrscht er spielend“, lobt er ins Mikrofon.

Frankfurt. Sportreporter Marcel Reif ist sich seiner Sache sicher. „Die Tiefe des Raumes beherrscht er spielend“, lobt er ins Mikrofon.

Reif kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Was für eine perfekte Technik“ das sei, da mache einer „ordentlich Druck“, da sei einer „ein echter europäischer Champion, ein würdiger deutscher Meister“.

Währenddessen fährt die Kamera des kurzen Werbevideos keineswegs über den Stadionrasen, sondern über die Striche einer filigranen Zeichnung von Albrecht Dürer, der bei einer neuen Frankfurter Ausstellung als „deutscher Meister“ beworben wird.

Vom 23. Oktober bis zum 2. Februar macht die Werkschau im Frankfurter Städel-Museum deutlich, wieso ausgerechnet Dürer (1471–1528) derartige Spuren hinterließ im Kunstmarkt seiner Zeit. Unter dem Titel „Dürer. Kunst - Künstler - Kontext“ sind etwa 200 Werke des Altmeisters zu sehen, weitere 80 Arbeiten stammen von Vorläufern, Zeitgenossen und Schülern. Auf zwei Stockwerke verteilt bieten sie nicht nur einen eindrucksvollen Überblick über das gesamte Schaffen Dürers, das weit hinaus ging über die wieder und wieder gezeigten „Betenden Hände“ und den so lebensecht wirkenden „Hasen“. Die Werke legen auch dar, wie Dürer Einfluss geübt hat auf andere Künstler seiner Zeit.

Indem man Dürers Arbeiten „neben die jeweils Besten seiner Zeit“ hängt, werde die Größe seiner künstlerischen Leistung erst richtig deutlich, argumentiert Kurator Jochen Sander. „Dürer war kein einsames Genie“, wenngleich er ein „universales Genie“ gewesen sei: Er kopierte, experimentierte, perfektionierte. Mit dem Bilderzyklus zur Apokalypse und dessen zischelnden Feuersternen und brüllenden Monstern „revolutionierte er den Holzschnitt“, mit „Ritter, Tod und Teufel“, „Melancholie“ und „Hieronymus im Gehäus“ „treibt er den Kupferstich an die Grenze des künstlerisch Möglichen“.

Ziel sei es außerdem, „den ganzen Dürer“ zu zeigen, „das Schaffen des deutschen Meisters in der ganzen Breite und Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten“, wie Sander beschreibt. Erst im vergangenen Jahr hatte eine große Dürer-Ausstellung 280 000 Menschen ins Germanische Nationalmuseum nach Nürnberg gelockt. In Dürers Heimatstadt hatte man „den frühen Dürer“ in den Mittelpunkt gestellt.

Dürer, zu Lebzeiten bereits ein kaum zu bezahlender Star der Szene, wurde vor allem durch seine Druckgrafiken weltberühmt. Zahlreiche von ihnen sind auch in Frankfurt zu sehen. Denn für zeitintensives Malen hatte er keine Zeit mehr. Er gründete eine Werkstatt, zeichnete Entwürfe - und ließ malen. Drucken ging schneller, brachte mehr Geld und mehr Publicity. Egal was, Hauptsache von Dürer, sagte alle Welt und gab Glasfenster in Auftrag oder Kronleuchter aus Rentiergeweih mit Drachenkörper. Der Herzog will sein Porträt vergoldet? Wird gemacht. Die Dame soll konservativ wirken? Malen wir eben auf die traditionelle Art. Da war Dürer schmerzfrei.

„Dürer liebte sich selbst“, sagt Sander über den malenden Meister der Selbstinszenierung. Er malte nicht nur Selbstporträts, sondern schmuggelte sein Konterfei auch in viele andere Bilder. Die Buchstaben AD, die auf keinem noch so kleinen Blatt fehlen, waren mehr Markenzeichen als Signatur. Schon zu Lebzeiten prägte er Gedenkmünzen für die Zeit nach seinem Tod. Und keiner war mit dem Copyright so konsequent wie Dürer: „Wehe dir, du hinterhältiger Räuber fremder Arbeit und fremden Geistes“, heißt es unter anderem bei ihm. „Hüte dich, unbedacht Hand an dieses unser Werk zu legen!“.

Die Städel-Ausstellung folgt nur lose der Chronologie. Viele Räume sind thematischen Schwerpunkten gewidmet: seinen Reisen nach Italien und Holland, den Porträts - hier hängt die Frau vom 20-Mark-Schein - oder seinem „Lebensthema“ Proportionen. Dürer schrieb Lehrbücher darüber, wie man Figuren „baut“. Das Skizzenbuch aus Dresden kann man auf iPads durchblättern, das Original liegt hinter Panzerglas. Zu sehen sind auch das Druckwerk der weltberühmten „Apokalypse“, das drei Meter große Werk „Die Ehrenpforte für Kaiser Maximilian“ und der sogenannte Heller-Altar, erstmals wieder vollständig.

Ausstellungs-Infos

dpa

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