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Ruhrtriennale startet mit Debussy-Oper

Simons letzte Schicht Ruhrtriennale startet mit Debussy-Oper

„Freude“, „schöner“, „Götterfunken“ - das ist das Leitthema der diesjährigen Ruhrtriennale. In seiner dritten Saison schlägt Intendant Johan Simons ungewohnt düstere Töne an.

Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale.

Quelle: Marcel Kusch

Bochum. Die Ruhrtriennale startet am Freitag (18. August) in ihre letzte Saison unter Intendant Johan Simons. Zum Auftakt des sechswöchigen experimentellen Festivals ist die Neuinszenierung von Claude Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“ mit der kanadischen Sopranistin Barbara Hannigan in der Jahrhunderthalle in Bochum zu erleben.

Anders als in den Vorjahren führt Simons bei der Eröffnungspremiere nicht selbst Regie, sondern überlässt die Inszenierung diesmal dem polnischen Regisseur Krzysztof Warlikowski.

Zur Eröffnung der Ruhrtriennale hält am Freitag Nobelpreisträgerin Herta Müller („Atemschaukel“) die Festspielrede. Simons' letzte Inszenierung als Intendant wird am 22. September das Stück „Cosmopolis“ nach dem gleichnamigen Roman des US-Autors Don DeLillo sein. Der Roman erzählt wenige Jahre vor der Finanzkrise 2008 vom Einbruch der Wirklichkeit in das Leben eines gewissenlosen Börsenspekulanten in New York.

Simons (70) hat seine letzte Spielzeit mit den Begriffen „Freude“, „schöner“ und „Götterfunken“ aus Schillers „Ode an die Freude“ überschrieben. Trotz des optimistischen Mottos schlägt der immer mit einem politischen Appell auftretende Simons jetzt düstere Töne an. Schon auf den Ruhrtriennale-Plakaten sind die drei Schiller-Worte mit schwarzer Farbe besprüht. „In diesen drei Jahren hat sich die Welt sehr verändert“, sagt Simons in einem Interview im Beiheft zur Ruhrtriennale. „Immer weniger Leute wollen Europäer sein.“ Europa sei mit zum Teil aggressiven Gegenentwürfen zu seinen Werten konfrontiert.

Bis zum 30. September sind in ehemaligen Kohlezechen, Halden und Stahlwerken zwischen Dortmund und Dinslaken mehr als 41 Produktionen aus Theater, Musik, Tanz und Kunst zu erleben, darunter mehrere Uraufführungen.

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat ihren Stücktext „Kein Licht“ für die Ruhrtriennale erweitert - inspiriert von der Kehrtwende der neuen US-Regierung bei Umwelt- und Klimaschutz. Der Text wird am 25. August Teil einer Musiktheater-Uraufführung, die Komponist Philippe Manoury mit Regisseur Nicolas Stemann erarbeitet hat.

Neu in Simons' Intendanz waren Theater-Trilogien von Ivo van Hove und Luk Perceval, die sich über alle drei Spielzeiten ziehen. Der belgische Regisseur Perceval bringt am 7. September in der Gebläsehalle Duisburg mit „Hunger“ den dritten Teil seiner Auseinandersetzung mit Émile Zolas Familienepos „Die Rougon-Macquart“ zur Uraufführung. Eine Herausforderung kommt auf Zuschauer und das Ensemble des Thalia Theaters am 15. und 17. September zu: Dann werden alle drei Teile an einem Tag gespielt - elf Stunden lang Zola.

Ivo van Hove bringt zum dritten Mal bei der Ruhrtriennale ein Werk des niederländischen Schriftstellers Louis Couperus auf die Bühne. „Kleine Seelen“ feiert am 24. September in der Maschinenhalle der Gladbecker Zeche Zweckel Premiere.

Ein neues Publikum spricht Simons mit dem „Ritournelle“-Festival am 19. August an, bei dem elektronische Pop-Musiker wie Nicolas Jaar und Mykki Blanco auftreten. Wer es klassisch mag, kann am 20. und 21. August in der Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund das Collegium Vocale Gent mit Monteverdis „Marienvesper“ hören. Die Leitung hat Philippe Herreweghe.

Im kommenden Jahr übernimmt die Dramaturgin Stefanie Carp die Intendanz der Ruhrtriennale. Chef-Regisseur wird der Schweizer Christoph Marthaler. Auch Simons bleibt dem Ruhrgebiet verbunden: Er wird ab 2018 Intendant des Schauspielhauses Bochum.

dpa

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