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Schau zu Emil Noldes Spätwerk in Nordfriesland

Neukirchen Schau zu Emil Noldes Spätwerk in Nordfriesland

Farbensatt, romantisch und episch - das Spätwerk Emil Noldes, das jetzt erstmals umfassend gezeigt wird, fesselt den Betrachter. Die Stiftung im Wohnhaus Noldes an der deutsch-dänischen Grenze feiert 60-jähriges Jubiläum, bisher kamen 4,2 Millionen Besucher.

Neukirchen. Erstmals rückt das Spätwerk des Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) in den Fokus einer umfassenden Ausstellung. In ihrer 60. Jahresausstellung zeigt die Nolde Stiftung Seebüll (Kreis Nordfriesland) im früheren Wohnhaus des Künstlers von diesem Dienstag an bis 30. November 178 Exponate.

„Dazu gehören 50 Gemälde, 87 Aquarelle und Zeichnungen sowie 20 Graphiken“, sagte Direktor Christian Ring am Montag in der Gemeinde Neukirchen, zu der Seebüll gehört. Das Museum liegt in der weiten Marschlandschaft an der deutsch-dänischen Grenze.

Zudem sind Persönliches wie Hut und Pfeife des Künstlers, aber auch seine ersten künstlerischen Arbeiten als Neunjähriger - kleine Illustrationen für Poesiealben (sogenannte Stammbuchblätter) von Mitschülern - zu sehen.

„Noldes Spätwerk beginnt um 1940, die Bilder werden ruhiger, stiller, epischer und romantischer - es geht um die Emotionen und das Zwischenmenschliche“, beschreibt Ring. „Und die Farben werden intensiver.“ „Glühender Abendhimmel“, 1945 entstanden, wirkt wie ein Farbenrausch, dominiert von intensiven Orange- und Rottönen. Die gezeigten Gemälde zeigen, dass Nolde auch im Alter seinen Motiven treu geblieben ist: Menschen, Landschaften, das Meer, Blumen, aber auch Phantastisches oder Groteskes wie der in Form einer Tier-Allegorie dargestellte „Triumph der Weisheit“ (1946).

Das Spätwerk ist umfangreich. Allein zwischen 1945 und 1951 entstanden mehr als 100 Ölgemälde - danach konnte Nolde aus gesundheitlichen Gründen keine Gemälde mehr malen.

Kuratorin Caroline Dieterich betont, Nolde sei im Alter milder geworden, und die früher erkennbar kraftvolle Pinselstrich-Führung nehme sich zurück. Und so leuchten viele Motive lebensbejahend und heiter-sehnsuchtsvoll, etwa die verwischten Tänzerinnen in „Tanzfreude“, „Ochsen am Morgen“ (1939) mit einem kräftig Wasser lassenden Rind, oder „Freundinnen“ (1946), das Doppelporträt zweier Frauen. Typisch für Nolde: Er zeigt oft zwei, drei Gesichter auf seinen Bildern, während Picasso oft durch den Wechsel der Perspektive aus einem Gesicht gleich mehrere zu schaffen schien.

Neben dem Bildersaal mit den Ölgemälden Noldes werden Arbeiten auf Papier in mehreren Kabinetten gezeigt, die jetzt dank neuer Beleuchtung ihren dunklen Charakter verloren haben. Auch hier überrascht Nolde mit ungeahnter Vielseitigkeit, etwa Aquarellen aus der Schweizer Bergwelt einschließlich einer sich durch Schneetreiben kämpfenden Skiläuferin. Diese Motive entstanden 1948, als der 80-jährige Nolde mit seiner zweiten Frau, der 26-jährigen Jolanthe Erdmann (Tochter des Komponisten und Pianisten Eduard Erdmann), auf Hochzeitsreise in der Schweiz war. Seine erste Frau Ada, an dessen Seite sich Nolde später begraben ließ, war 1946 gestorben.

Die Retrospektive des farbenfrohen expressionistischen Alterswerkes lässt nichts ahnen von der ungebrochenen politischen Nähe des Künstlers zum Nationalsozialismus bis zum Kriegsende. Dabei hatten die Nazis Noldes Werk als „entartete Kunst“ verunglimpft und in der gleichnamigen Ausstellung 1937 neben Arbeiten anderer moderner Künstler verhöhnt. Wiederholt bemühte sich Nolde, der im deutsch-dänischen Grenzgebiet als Bauernsohn aufgewachsen und bereits 1934 als damals noch dänischer Staatsbürger in die „Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Schleswig“ (NSAN) eingetreten war, bei den Nazis um eine Rückgabe seiner beschlagnahmten Werke und seine Rehabilitation.

„Nolde hat selber eine klare Trennung zwischen Mensch und Künstler gezogen“, versucht Dieterich die verblüffenden Unterschiede zwischen politischer Einstellung und künstlerischem Schaffen zu erklären. Ring ergänzt, „Nolde ist immer seinen eigenen künstlerischen Weg gegangen, er hat sich nie angepasst, an seine Kunst geglaubt und er wollte die Nazis von ihr überzeugen.“

Wer heute nach Seebüll fährt, nur wenige Kilometer entfernt von Niebüll, der Autozug-Verladestation nach Sylt, wird fasziniert sein von dem Gesamtkunstwerk, den Noldes Wohnhaus mit wunderschönem historischen Garten (samt Gartenhäuschen) und inmitten der weiten Marschlandschaft bildet. Dazu kommen ein zweites Gebäude mit Museumsshop und Café mit Panoramascheiben, Angebote an Malkursen für Kinder und Erwachsene sowie ein Gästehaus mit einigen Zimmern. In diesem Jahr soll ein künstlerisch wertvoller Spielplatz entstehen.

In den vergangenen 60 Jahren haben bereits 4,2 Millionen Besucher den Weg hierher gefunden. In der Saison 2015 (März bis November) kamen 62 453 Besucher und damit rund 4086 mehr als im Jahr zuvor. „Wir haben uns insbesondere auf Familien eingestellt, es kommen aber auch Nolde Fans sogar aus Japan oder aus den USA“, sagt Dieterich.


Homepage Nolde Stiftung Seeb�ll

dpa

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