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Schmerzensmann Stuart A. Staples und seine Tindersticks

Berlin Schmerzensmann Stuart A. Staples und seine Tindersticks

Mit plüschigem Indiepop und ohne Furcht vor Pathos haben sich die Tindersticks in ganz Europa ein großes Publikum erspielt. Das neue Album der Briten liefert wieder elfmal Kino für die Ohren.

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Stuart A. Staples hat Stil.

Quelle: Britta Pedersen

Berlin. Um stilistische Schubladen haben sich die Tindersticks noch nie geschert. Als die englische Band mit dem immer exquisit gekleideten Sänger Stuart A. Staples vor gut 20 Jahren in der Szene auftauchte, wirkte ihr erwachsener Indie-Sound neben schmuddeligem Ami-Grunge-Rock und juvenilem Brit-Pop noch exotischer als heute.

Aber auch danach passten sich die Erzromantiker aus Nottingham nie irgendwelchen Moden an, hielten immer - ganz ohne versnobtes Getue - ausreichend Abstand zum Mainstream. Und sie lieferten stets Qualität.

Auch Studioalbum Nummer zehn macht da keine Ausnahme. „The Waiting Room“ (City Slang) vereint wieder elf Songs für die dunklen Stunden, die man am besten mit einem guten Glas Rotwein genießt. Wie schon bei den Vorgängern „The Something Rain“ (2012) und „Across Six Leap Years“ (2013) schlägt das Pendel gelegentlich Richtung Soul aus („Were We Once Lovers?“, „Help Yourself“), auch Blues, Jazz und Chanson haben weiterhin ihren festen Platz im opulenten Tindersticks-Klangkosmos. Vor allem aber sind hier einige der schönsten Balladen in der Karriere dieses Quintetts zu hören.

Beispielsweise „Hey Lucinda“, ein Staples-Duett mit der Anfang 2010 gerade mal 37-jährig an Krebs gestorbenen Sängerin Lhasa de Sela: Zu einem eleganten Bläser- und Streicher-Arrangement und sonorem Bass umgarnen sich die beiden Stimmen, stoßen sich ab und finden wieder zueinander - ein Song wie eine Kinoszene, voller Pathos, aber ohne Kitsch. Man spürt, dass es den Tindersticks eine intensive Herzensangelegenheit war, die Freundin angemessen zu ehren.

„Ihr Tod traf mich schwer, und ich konnte die gemeinsame Aufnahme nicht fertigstellen“, sagte Staples der österreichischen Zeitung „Die Presse“ über die Entstehung des Liedes. „Vier Jahre lang fühlte ich mich nicht in der Lage, ihre Stimme zu hören. Dann probierte ich es einmal und hörte diesen Moment, den wir da teilten, mit völlig anderen Ohren. Die Musik schien mir nicht mehr passend. Ich isolierte unseren Gesang und baute einen ganz neuen Sound drum herum.“

Auch im Titelsong inszeniert sich Staples zu dunkel dräuender Orgel als großer Schmerzensmann: „Don't let me suffer...“ (Lass mich nicht leiden...) barmt er mit seinem eigentümlich raunenden, nicht wirklich makellosen und gerade deshalb so anrührendem Bariton. „We Are Dreamers“ ist erneut ein dramatisches Mann-Frau-Zwiegespräch, diesmal zwischen Staples und Jehnny Beth von der Band Savages.

Das melancholische „Like Only Lovers Can“ markiert mit zarten Vibrafon-Tupfern und Akustikgitarren den Schlusspunkt eines Albums, auf dem die Tindersticks auch nach zwei Jahrzehnten im Geschäft keine kreative Flaute erkennen lassen. Dies ist Musik, die Bilder im Kopf entstehen lässt - folglich bat Staples einige Filmemacher, darunter die bekannte französische Regisseurin Claire Denis, um visuelle Umsetzungen der elf neuen Lieder. „Am Ende war es auch überraschend viel Arbeit für mich, aber es hat sich ausgezahlt“, sagt der Sänger und fügt hinzu: „Wichtig ist, dass man ein Getriebener bleibt.“

In Deutschland wird das „Waiting Room Film Project Live Event“ am 13. und 14. Februar im Rahmen der Berlinale in der Berliner Volksbühne aufgeführt. Die Tournee zum Album folgt im März: 11.3. München, 12.3. Stuttgart, 13.3. Köln, 14.3. Hamburg.


Website Tindersticks

dpa

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