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Kultur im Rest der Welt Stolz und Reife: Tunstall, Friedberger, Blasko
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16:06 26.06.2013
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Berlin

Den interessantesten Kurswechsel riskiert Kate Victoria „KT“ Tunstall: Die vor 38 Jahren in Edinburgh geborene Sängerin und Gitarristin begab sich unter die Fittiche der Wüstenrock-Ikone Howe Gelb (Giant Sand) - und nahm in Tucson/Arizona nach einer bitteren Scheidung ein wunderbar trauriges Trennungsalbum mit Folkpop und Alternative-Country-Balladen im Cinemascope-Format auf.

Nach dem schnurgeraden Weg in den Mainstream mit drei britischen Top-Five-Alben („Eye to the Telescope“ von 2004, „Drastic Fantastic“ von 2007 und „Tiger Suit“ von 2010) verabschiedet sich Tunstall damit womöglich vom ganz hellen Rampenlicht - ihrer Musik hat der Schwenk aber sehr gut getan. Denn „Invisible Empire/Crescent Moon“ (Virgin/Universal) stellt endlich ganz ihre Stimme ins Zentrum, für die die britische Sprache das Wort „gorgeous“ erfunden hat.

Der auf eigenen Platten oft knorrige und knurrige Howe Gelb bettet die grandiosen Vocals der Schottin in erlesene Arrangements mit viel Klavier, diversen Gitarren, Besenschlagzeug, Standbass und einigen wenigen Streichern. Melancholische Lieder wie „Yellow Flower“ oder „Cescent Moon“ sind wirklich zum Heulen schön. In anderen Songs demonstriert Tunstall Kämpferqualitäten und wohl auch Wut (etwa im lärmig ausfransenden Schlussteil von „No Better Shoulder“) nach der Trennung vom Rock-Schlagzeuger Luke Bullen.

Beide Stimmungen bilden auch die Cover- und Booklet-Fotos ab, die eine schöne Frau nachdenklich und zugleich selbstbewusst in der Wüste des US-amerikanischen Südwestens zeigen. Mit ihrem fünften Album in zehn Jahren ist KT Tunstall ein kleines Meisterwerk gelungen - und ein beeindruckendes Dokument von Stolz und Reife.

Eine sehr selbstständige und immer besser werdende Songautorin ist auch Eleanor Friedberger, die weibliche Hälfte des schrägpoppigen Geschwister-Duos The Fiery Furnaces. Auf ihrem zweiten Solo-Album verschreibt sie sich erneut dem anspruchsvollen US-Radiopop der 70er Jahre. Stand sie auf ihrem Debüt „Last Summer“ (2011) noch näher bei Blondie als bei Fleetwood Mac, so ist es jetzt auf „Personal Record“ (Merge/Cargo) genau umgekehrt. Mehr Stevie (Nicks), weniger Debbie (Harry) gewissermaßen. Diese beiden Vorbilder lassen sich aber weiterhin am deutlichsten heraushören.

Eleanor Friedberger kann sich wie Tunstall auf eine tolle Stimme verlassen - ihr rauchiger Alt sträubt sich mit Erfolg gegen jene Süßlichkeit, die bei vielen Seventies-Popsongs dazugehörte. Im treibenden Gitarren-Twang von „I'll Never Be Happy Again“, im Wave-Pop-Kracher „Stare At The Sun“ oder im Samba-Juwel „Echo Or Encore“ zitiert die 36-jährige Amerikanerin behutsam und stilbewusst ihre Einflüsse. Einen Ausfall sucht man hier vergeblich - „Personal Record“ (ein schöner, selbstbewusster Titel) dürfte dieses Jahr zu den besten Platten weiblicher Singer/Songwriter gehören.

Während Friedbergers Stimme und Sound auch in den melodisch runden Liedern ihres zweiten Albums immer etwas Herbes anhaftet, setzt die aus Sydney stammende Sarah Blasko auf weiche sinfonische Arrangements und plüschige Vocals. „I Awake“ (Dramatico/Rough Trade) wurde mit dem Bulgarischen Staatsorchester aufgenommen, und fast jedes der zwölf neuen Lieder spielt sehr bewusst mit dem unvermeidlichen Pathos von Violinen, Trompeten und Harfen.

Songs wie das von Pizzicato-Streichern unterlegte, nervöse „Bury This“ oder das jazzige „New Country“ passen perfekt zu dieser kehligen Stimme, die auch vor einer Bombast-Klangkulisse nie überfordert wirkt. Zum Höhepunkt wird die eindringliche Piano-Ballade „Fool“. Die äußerlich so zerbrechlich wirkende 36-jährige Australierin Blasko hat „I Awake“ komplett allein produziert - auch dies ein bemerkenswert selbstbewusstes Statement. Fazit, wie schon bei Tunstall und Friedberger: Das neue Album ist ihr bislang bestes.

Website KT Tunstall

Website Eleanor Friedberger

Website Sarah Blasko

dpa

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