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Kultur im Rest der Welt Streit in Schweden um Nobelpreis an Mo Yan
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11:21 19.10.2012
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Kopenhagen

Die Ehefrau eines Nobeljuroren verplappert sich, und ein anderer kommt als angeblicher „Abzocker“ an den Medien-Pranger.

Eine Woche nach der Vergabe des Nobelpreises an den Chinesen Mo Yan (57) ist in Stockholm wieder mal Krach über die berühmteste Literaturauszeichnung der Welt ausgebrochen. Stockholmer Medien werfen der Schwedischen Akademie „Bagatellisierung von Lecks“ („Svenska Dagbladet“) und „Befangenheit“ des Jury-Mitglieds Göran Malmqvist (88) vor, weil der als Mo-Yan-Übersetzer auch eigene finanzielle Interessen am Preis habe.

Peter Englund, „Ständiger Sekretär“ der Schwedischen Akademie und damit Jurysprecher, kontert die Vorwürfe ungewohnt hart. Schlagzeilen zum eingestanden Vorabwissen der Ehefrau eines Jurykollegen („Kann Favoriten nicht kommentieren, weil ich weiß, wer den Preis bekommt.“) stuft er ebenso als „abseitiges Nebenthema“ ein wie das angebliche Gewinnstreben des Sinologen Malmqvist.

„Ich wünschte, noch viel mehr Akademiemitglieder könnten für uns Übersetzungen machen“, sagte Englund der Nachrichtenagentur dpa. Malmqvist habe Mo Yan ausschließlich im Auftrag der Akademie übersetzt und werde Honorare für mögliche Veröffentlichungen weiterreichen. Auch den Vorwurf von internen „Lecks“ vor der Bekanntgabe wies der Sekretär zurück: „Alles war dicht. Dazu hat uns diesmal sogar das Wettbüro Ladbrokes gratuliert.“

Englund konterte mit einem Gegenangriff. „Etliches kommt jetzt hoch, weil die jeweiligen Journalisten kein einziges Buch von Mo Yan gelesen haben.“ Deshalb würden dann eben andere Begleitthemen nach vorn geschoben: „Medien müssen immer schneller immer mehr Platz im Internet, und was weiß ich wo, füllen.“ Auf die Arbeitsbedingungen für betroffene Journalisten sei er „ganz bestimmt nicht neidisch“.

„Liebe Leute, lest doch erstmal etwas von Mo Yan!“ seufzte der genervte Akademiesekretär auch in einem Rundfunkinterview, als er zur Kritik an Mo Yan als „Staatsschriftsteller“ für die undemokratische Führung in Peking Stellung beziehen sollte. Englund hat von dem in Deutschland kritisch kommentierten Auftritt des Nobelpreisträgers als offiziellem chinesischen Delegationsmitglied bei der Frankfurter Buchmesse 2009 gehört: „Wichtiger als das Erscheinen bei einer Buchmesse ist doch, was in seinen Büchern steht. Da setzt sich Mo Yan andauernd kritisch mit Korruption und Unterdrückung auseinander.“

Englund hält die international kontrovers geführte Debatte über die politische Rolle des Preisträgers für „absolut relevant“. „China ist aber zu komplex, als dass man alles und jeden einfach in regierungstreu oder Dissident aufteilen kann.“ Für den Literaturnobelpreis gelte wie immer: „Wir können ausschließlich nach literarischer Qualität entscheiden.“

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