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Swetlana Alexijewitsch erhält Friedenspreis des Buchhandels

Frankfurt/Main Swetlana Alexijewitsch erhält Friedenspreis des Buchhandels

Große Anerkennung für die weißrussische Autorin und Regimekritikerin Swetlana Alexijewitsch: Die 65-Jährige erhält den mit 25 000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, eine der renommiertesten Auszeichnungen im kulturellen Leben Deutschlands.

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Swetlana Alexijewitsch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Foto: Waltraud Grubitzsch

Frankfurt. Alexijewitsch ist mit Büchern über die Atomkatastrophe von Tschernobyl und über den sowjetischen Afghanistankrieg weltweit bekanntgeworden. Die gelernte Journalistin hat darin einen ganz eigenen Collage-Stil entwickelt. Für ihren „Roman der Stimmen“ führt Alexijewitsch regelmäßig Hunderte von Interviews. Ihre Werke sind in ihrem Heimatland verboten, sie darf auch nicht öffentlich auftreten.

Die Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober in der Paulskirche überreicht. Damit geht der Preis zum dritten Mal in Folge an Autoren, die in ihren Heimatländern verfolgt werden. 2012 wurde der chinesische Regimekritiker Liao Yiwu geehrt, 2011 der algerische Schriftsteller Boualem Sansal. Zugleich ist Alexijewitsch die erste Frau, die den Friedenspreis seit dem Jahr 2003 erhält.

Nach Angaben des Stiftungsrats wird eine Autorin ausgezeichnet, „die die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachzeichnet und in Demut und Großzügigkeit deren Leid und deren Leidenschaften Ausdruck verleiht“. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums sei Alexijewitsch zur Chronistin geworden von Menschen mit einem Grundstrom existenzieller Enttäuschungen. Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren. Sie arbeitete zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Wegen des Verbots ihrer Werke hat sie sich seit dem Jahr 2000 überwiegend im Ausland aufgehalten, vor allem in Paris. Ein Stipendium führte sie auch nach Berlin. Ende 2010 ging die Regimekritikerin zurück nach Minsk und war nach den umstrittenen Wahlen auch an den Protesten gegen Präsident Alexander Lukaschenko beteiligt.

Die 65-Jährige, die von der Ehrung am Donnerstag während eines Krankenhausaufenthalts in Minsk überrascht wurde, freute sich über die Auszeichnung. Diese sei zugleich Unterstützung für diejenigen, „die im Gefängnis sitzen, und für alle, die etwas anders machen wollen in Belarus“, sagte sie telefonisch der Nachrichtenagentur dpa. „Der Kommunismus ist wie eine Virus-Krankheit“, sagte sie. „Trotz Heilmitteln kommt er in immer neuen Varianten wieder.“ An diesem Freitag will die Autorin wieder nach Hause zurückkehren.

Die Bücher der mit zahlreichen Preisen bedachten Weißrussin sind in 35 Sprachen erschienen. Auf Deutsch gibt es unter anderem das Buch „Zinkjungen“ - dabei geht es um die in Afghanistan gefallenen Sowjetsoldaten, deren Mütter sie interviewt hat. Weitere Werke widmen sich dem Schicksal sowjetischer Soldatinnen während des Zweiten Weltkriegs („Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“). Im Spätsommer soll ihr neues Buch „Second-Hand-Zeit“ herauskommen, in der Menschen der ehemaligen Sowjetunion über ihr schwieriges „Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ erzählen.

Glückwünsche kamen auch von der SPD. „Ihre Literatur atmet den Geist der Freiheit“, erklärte Parteichef Sigmar Gabriel. 1998 hatte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung Alexijewitsch bereits einen Preis verliehen. Mit dem Friedenspreis werden seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland geehrt. Unter den Geehrten sind große Namen wie Astrid Lindgren, Hermann Hesse, Siegfried Lenz, Mario Vargas Llosa oder Orhan Pamuk.

Friedenspreis

dpa

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