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Themen-Schau: Glanz und Elend in der Weimarer Republik

Zwischen 1918 und 1933 Themen-Schau: Glanz und Elend in der Weimarer Republik

Von wegen Goldene Zwanziger: Dass die Weimarer Republik für viele Menschen in Deutschland ausgesprochen düster und trist war, belegt eine Ausstellung in Frankfurt. Dort zeigt die Schirn Kunsthalle „Glanz und Elend“ dieser vielschichtigen Zeit.

„Arbeitslose“ nannte Karl Hofer 1932 sein Bild.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main. Kriegsversehrte stehen mit verstümmelten Gliedern an jeder Ecke. Arbeitslose überall. Rauchende Prostituierte mit grell geschminkten Gesichtern warten auf Kundschaft. Goldene Jahre sehen anders aus.

Dass die Weimarer Republik auch ihre Schattenseiten hatte, dokumentiert von Freitag (27. Oktober) an eine groß angelegte Themenausstellung der Schirn Kunsthalle in Frankfurt.

Zu sehen sind unter dem Titel „Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen“ rund 190 Werke von mehr als 60 Künstlern. Unter den Exponaten sind bekannte Arbeiten etwa von Max Beckmann oder George Grosz wie auch weniger beachtete von Heinrich Maria Davringhausen oder Grethe Jürgens. Nur so sei ein facettenreicher Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918 bis 1933 möglich gewesen, sagt Kuratorin Ingrid Pfeiffer.

Denn sie will die Ausstellung nicht als bloße Werkschau des Verismus und der Neuen Sachlichkeit verstanden wissen, nicht als akademische Stilgeschichte - sondern als eine Art soziologischen Rückblick. „Es wurde auf allen Ebenen heftig über die Ausrichtung der Republik diskutiert, über die Rolle der Frau, die Wochenarbeitszeit oder über die Paragrafen zu Abtreibung und Homosexualität. Neben dem offenkundigen Elend markieren für mich all diese Tendenzen den Glanz der Weimarer Republik“, begründet sie das Konzept.

Entsprechend zeigen die ausgestellten Arbeiten auf der einen Seite das frivole und exzentrische Treiben in den Kokain-Bars, den Nachtlokalen und Varietés der Großstädte. Vergnügungssüchtige, die sich mit fiebrigen Gesichtern durch die Nacht treiben lassen. Tänzerinnen. Halbnackte Körper und lasterhafte Revuen. Christian Schad zeichnet 1929 „Liebende Knaben“ in inniger Umarmung.

Auf der anderen Seite sind die düsteren Seiten der Epoche nach dem Ersten Weltkrieg zu sehen: die politischen Unruhen, die wirtschaftlichen Abgründe, die Veränderungen durch eine zunehmende Industrialisierung, die aufkommende rechtsnationale Symbolik. „Es war für mich ein Schock zu sehen, wie früh - nämlich zwischen 1921 und 1923 - das Hakenkreuz in künstlerischen Darstellungen auftaucht“, erinnert sich Pfeiffer.

Daneben versammelt die Werkschau Zeichnungen, Gemälde, Plakate und Skulpturen, die die Rolle der Frau, zunehmende Prostitution und eine wachsende Begeisterung für den Sport dokumentieren. „Damit wird ein Gesamtbild wieder hergestellt, das durch die spätere deutsche Geschichte zerrissen worden ist“, sagt der Schirn-Direktor Philipp Demandt und spricht von einer „Epoche am seidenen Faden der Demokratie“, einer „Zeit, die uns vielleicht in mancher Hinsicht näher ist, als wir glauben wollen“.

Gezielt endet die Ausstellung daher mit einer beklemmenden Prognose: Am Ende stehen Arbeiten von Franz Radziwill, Alice Lex-Nerlinger oder auch Carl Grossberg aus den frühen 1930er Jahren. Sie zeigen Industrieanlagen ohne Menschen, vom Himmel stürzende Flugzeuge, politische Gefangene. „Der letzte Ausweg“ ist eine Gouache von Oskar Nerlinger. Das in Grau gehaltene Bild zeigt einen Menschen, der an einem dunklen Strick von einer grauen Zimmerdecke herabhängt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Februar 2018 zu sehen.

dpa

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