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Kultur im Rest der Welt Mark Knopfler – Trapper mit Gitarre
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07:45 04.12.2018
Ein wunderschönes Album: Lässig und zurückgelehnt klingt Mark Knopfler auf „Down the Road Wherever“. Auf diesem Spätwerk wird er manchmal auch zum Sultan des Swings. Quelle: dpa
London

Mark Knopfler macht Musik für sich. Alle paar Jahre neue Songs, unaufgeregt, unbeeindruckt von allen Moden und allem aktuellen Geschrei. Ob die Hysterie um die südkoreanischen Bangtan Boys um den Globus tobt, oder ganze Stadien sich füllen, wenn Ed Sheeran von seiner Oma singt, dringt nicht wirklich zu Mark Knopfler durch. Der 69-Jährige ist einer wie Clapton und Dylan. Er lehnt sich zurück und singt 70 Minuten lang in perfekter Lässigkeit von dem, was ihm gerade auf den Nägeln brennt, auch wenn es auf keinen anderen Nägeln auf der ganzen Welt auch nur ein lauwarmes Gefühl auslösen sollte.

„Down the Road Wherever“ – unaufgeregt, endlos abspielbar

Seine Alben handeln von der Reise des Lebens. Sie heißen „On Every Street“ (das letzte mit den Dire Straits), „All That Roadrunnig“ oder – brandneu – „Down the Road Wherever“. Los geht Knopflers Beue, die er mit Guy Fletcher, seinem Wegbegleiter seit 35 Jahren, produziert hat, mit dem Song vom „Trapper Man“, der aus den Wäldern zu den Handelsposten reitet und Felle verkauft. Seine Geschäfte machen einen „fat man“ genannten Kapitalisten reicher und reicher. Gut möglich, dass Knopfler damit auch vom eigenen Business metaphert. Wie Trapper reisen auch Rock-Troubadoure um die Welt, verkaufen Songs, Platten, Konzerte, und haben, jedenfalls bis zum digitalen Einbruch der Industrie, „fette Männer“ unermesslich reich gemacht. Schönes Gitarrensolo übrigens, Mark!

Unaufgeregt und in Endlosschleife auflegbar ist „Down the Road Wherever“, das neunte Soloalbum des gebürtigen Glasgowers. Mit seiner Band Dire Straits hatte Knopfler nur sechs Studioscheiben und eine EP veröffentlicht, bevor er sie Mitte der Neunziger auflöste. Das Stadionungeheuer, zu dem die kleine Band geworden war, hatte Ansprüche, forderte Hits.

Manche der neuen Songs könnten auch von Dire-Straits-Alben stammen

Und da Knopfler nun mal der einzige Songwriter war, sein sonorer Sprechgesang und sein filigranes Gitarrenspiel den Sound bestimmten, konnte er ebenso gut unter eigenem Namen in kleineren Venues weitermachen. Eine Weile hielt er hinterm Berg mit dem Straits-Sound. Inzwischen steht Knopfler längst zu seiner Geschichte – Songs wie „Trapper Man“, „Drover’s Road“, „Back on the Dance Floor“ oder „Nobody’s Child“ könnten auch von Straits-Scheiben wie „Communiqué“ oder „Brothers in Arms“ stammen.

Manches kommt überraschend. Mit dem funkigen „Nobody Does That“ hat niemand gerechnet. „Floating Away“ und „Slow Learner“ haben ein jazziges Flair, sowohl in Instrumentierung als auch im Gesang. Knopfler erklärt sich unaufdringlich zum „Sultan of Swing“. Aber immer wieder kommen diese schwer schwebenden und sich schlängelnden Gitarrentöne, diese Knopfler-Glut, die seine Fans lieben seit den Tagen von „Lions“ und „Water of Love“.

Knopfler spendet Trost für alle Trapper unserer Tage

Den Blues hat Knopfler freilich auch diesmal. „Just a Boy Away From Home“ ist ein Lied für ihn selbst als Kind und für seinen Vater, der 1939 aus Ungarn nach England floh. Lange klingt der Song wie eine Verneigung vor Mississippi Fred McDowell und seinem Bluesklassiker „You Gotta Move“, bis Knopfler mit einem Bottlenecksolo das Motiv von „You’ll Never Walk Alone“ ausbreitet. Er singt von einem Jungen aus Liverpool, einem zurückgelassenen Fußballfan, der sich nachts im menschenleeren Newcastle mit der FC-Liverpool-Hymne Mut macht. Alle Nächte enden schließlich.

Ein Trost für alle Trapper unserer Tage, die irgendwo und irgendwie unterwegs sind auf den Straßen von Einsamkeit und Sorge. Mark Knopfler macht Musik für sich und viele.

Aktuelles Album:

Mark Knopfler: „Down the Road Wherever“ (Virgin) – bereits erschienen

Livetermine: 13. Mai, KölnLanxess-Arena; 15. Mai, Berlin – Mercedes-Benz-Arena; 16. Mai, HannoverTUI-Arena; 25. Juni, Hamburg – Barclaycard-Arena; 1. Juli, Oberhausen – König-Pilsener-Arena; 2. Juli – Stuttgart, Schleyerhalle; 5. Juli, Leipzig – Arena Leipzig; 6. Juli, MannheimSAP-Arena; 7. Juli, München – Olympiahalle.

Von Matthias Halbig / RND

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