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Trauer um Kurt Masur

Berlin/New York Trauer um Kurt Masur

Kurt Masur war einer der ganz Großen am Pult. Auch sein Einsatz für die friedliche Revolution 1989 in Leipzig machte ihn zum Mythos.

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Star-Dirigent Kurt Masur ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Quelle: Hendrik Schmidt Dpa

Berlin. Trauer um einen großen Maestro: Der Dirigent Kurt Masur ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Als Weltstar am Pult prägte Masur als langjähriger Orchesterchef in Leipzig und in New York jahrzehntelang die klassische Musik.

Zugleich gehörte er zu den führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Politik und Kultur würdigten ihn als einen herausragenden Dirigenten und großen Deutschen. „Wir trauern um einen brillanten Musiker, einen großen Humanisten und einen engagierten Kosmopoliten“, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck.

Masur starb am frühen Samstagmorgen in einem Krankenhaus in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut, wie die Sprecherin der New Yorker Philharmoniker, Katherine Johnson, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die genaue Todesursache blieb zunächst unklar. Der Dirigent litt seit Jahren an der Parkinson-Krankheit. In den vergangenen Jahren war er mehrfach schwer gestürzt: Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte.

Nach einer längeren Pause dirigierte er im September 2013 erstmals wieder ein Konzert: Auf der Insel Usedom wurde er mit dem Europäischen Kulturpreis ausgezeichnet. Auf der Bühne bedankte er sich damals mit den Worten: „Es gibt keine schwierigeren Momente, als Danke zu sagen für etwas, was man getan hat, weil man es tun musste.“

Masur, am 18. Juli 1927 in Brieg (Schlesien) geboren, wurde nach Engagements unter anderem in Halle, Erfurt und Dresden 1970 als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig berufen. Er stand damit in einer Reihe mit Vorgängern wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter.

Masur avancierte zu einem der wichtigsten Dirigenten in der DDR. Er hatte wesentlichen Anteil am Bau des 1981 eröffneten Neuen Gewandhauses, des einzigen Konzerthaus-Neubaus in der DDR. „Er hat unser Gewandhausorchester und das Gewandhaus geprägt wie kein Zweiter. Wir sind ihm alle zu tiefstem Dank verpflichtet“, erklärte Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

Zum Mythos wurde er durch seine Rolle in der friedlichen Revolution 1989: Masur gehörte am 9. Oktober 1989 zu den Unterzeichnern des „Aufrufs der Leipziger 6“ zur Gewaltlosigkeit bei der entscheidenden Montagsdemonstration, den er auch verlas. Gauck würdigte Masurs Rolle mit den Worten: „Viele Menschen werden niemals vergessen, wie er sich im Herbst 1989 für grundlegende Veränderungen in der DDR, für die Freiheit der Menschen und die Demokratie eingesetzt hat.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, mit Masur verliere Deutschland einen der besten Kulturbotschafter, der auf der ganzen Welt als großer Maestro geschätzt worden sei. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) schrieb bei Twitter, Masurs Verdienste um die klassische Musik und sein Beitrag zur friedlichen Revolution würden nicht in Vergessenheit geraten.

Bis 1996 war Masur Kapellmeister in Leipzig, danach Ehrendirigent. „Wir verlieren ein musikalisches Genie, einen faszinierenden Dirigenten von erstem Weltrang und einen großen Humanisten“, erklärte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Von 1991 bis 2002 wirkte Masur als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Deren Präsident Matthew VanBesien sagte, Masurs Tod habe „tiefste Trauer“ ausgelöst. In seiner Zeit bei dem Orchester habe er ein Vermächtnis gesetzt, das bis heute fortbestehe. Masurs elfjähriges Wirken in New York sei eine der längsten Schaffenszeiten in der Geschichte der Philharmonie gewesen. Von 2002 an war der Maestro bis 2007 Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra und leitete bis 2008 das Orchestre National de France.

Im Laufe seiner Karriere spielte Masur mehr als 100 Aufnahmen mit verschiedenen Orchestern ein. Unter anderem nahm er die Symphonien von Beethoven, Bruckner, Brahms und Mendelssohn auf.

Als Weltbürger pendelte er zwischen Deutschland und den USA, wo er laut US-Medienberichten seit vielen Jahren in dem Ort Harrison im US-Staat New York nahe der Grenze zu Connecticut lebte. Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem solle es später eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben. An seiner langjährigen Wirkungsstätte, dem Leipziger Gewandhaus, soll am Montag ein öffentliches Kondolenzbuch ausgelegt werden.

dpa

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