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Trumps Welt als „Muppet Show“ in Hamburg

Jelinek-Uraufführung Trumps Welt als „Muppet Show“ in Hamburg

Elfriede Jelineks Stück „Am Königsweg“ ist am Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt worden. Falk Richter hat das Werk als wüste Revue voller Kalauer und Klischees inszeniert. Es kreist um einen US-Präsidenten, Turbokapitalismus und Rechtspopulismus.

Elfriede Jelinek 2004 in Wien.

Quelle: Roland Schlager

Hamburg (dpa) – Eine erste Lesung gab es schon im März in New York, im Sommer dann strahlte der Bayerische Rundfunk eine Hörspielfassung aus: „Am Königsweg“, das um US-Präsident Trump kreisende neue Stück der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, wird seit Monaten diskutiert.

Umso größer war die Spannung vor der Uraufführung am Samstagabend im ausverkauften Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Am Ende spendeten die Zuschauer der revueartigen Inszenierung von Falk Richter mit acht Darstellern sowie Figuren aus der Fernseh-„Muppet Show“, die mit Maschinengewehr herumfuchteln, und Kasperpuppenspiel in einer Loge stürmischen Beifall.

Blindheit ist das Leitmotiv dieser Aufführung, die den Zuschauer mit gigantisch wilden Bildern, grellen Tönen und teils wüsten Wort-Kalauern zu überwältigen trachtet. „Ich arme Blinde weiß nicht, was kommt“, erklärt jedoch erst einmal - bevor der altmodisch pompös bemalte Vorhang hochgeht – eine königlich auftretende, funkelnd geschmückte ältere Frau im grünen Samtumhang.

Theaterlegende Ilse Ritter spielt die Person, die man wohl als zweites Ich der Autorin Jelinek ansehen darf. „Was spricht denn der Gott, was sagt er? Er sagt Ihnen eine blendende Zukunft voraus“, ruft sie aus, auch damit ihre eigene Machtlosigkeit bekundend. „Alle von uns sind blind“, raunt Ritter und blickt beschwörend ins Publikum.

Sodann öffnet sich die Bühne und präsentiert dreieinhalb Stunden einen Jelinek'schen, mit Klischees jonglierenden Assoziationsstrom. Zur politischen und sozialen Lage einer Welt, in der ein Mann wie der soeben als „Gott“ bezeichnete Donald J. Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird. Jelinek (71) soll das Werk noch am US-Wahlabend begonnen haben. Dabei geht es ihr nicht nur um eine bestimmte Person in einem fernen Land. Sondern um Strukturelles – um von ihr wahrgenommene Zustände und Zusammenhänge von Turbokapitalismus, Ausbeutung, Volksverdummung und Migrantenfeindlichkeit.

Riesig und hektisch flirren in Hamburg Medienbilder, die das Gesagte illustrieren. Musik dröhnt. Ein Tiger mit blutenden Augen starrt von einer Empore ins Geschehen. Ein schnörkeliger Balkon links, ein Konferenztisch rechts und ein goldener Königsthron sind weitere Utensilien einer Fake-Welt voller Anmaßung und Brutalität (Bühne: Katrin Hoffmann).

„Wenn man bewusstlos ist, kann jeder an einem herumstochern. Man fühlt es ja nicht“, benennen zwei Männer und zwei Frauen, die mit blutigen Verbänden um die Augen zu blinden Sehern werden, die Situation der Bevölkerung. „Die Gewalt hat eine solche Kraft, dass sie unmöglich von selbst verschwinden wird“, warnen sie. Sie sagen aber auch: „Unter Blinden kann kein Blinder König sein – er glaubt es nur.“

Doch blinde Seher, die nach antiker Vorstellung die Wahrheit erkannten, spielen bei Jelinek nicht lange eine Rolle – weil eben alle Menschen blind seien. Einen Sonderpart als Bösewicht bekommt die Deutsche Bank zugeschoben: Verantwortlich gemacht für grassierende Armut und Zerstörung, wird sie im Balkon von den Muppets Waldorf und Statler als launige alte Deppen repräsentiert.

Und der titelgebende König, sarkastisch immer wieder als Gott oder auch Erlöser am Kreuz bezeichnet? Benny Claessens gibt ihn voller Wucht als dickes Kind im lachsfarbenen Rüschenhemd und Pappkrone. Ein Kind, das twittert, aber auch gern mal aufstampft und sich wütend auf den Boden schmeißt. Das vor allem aber mit der Weltkugel in Form eines Plastikballs spielt – wie die Hitler-Figur in Chaplins Film „Der große Diktator“ (1940). Ritters Autorin – die vermutlich für die Intellektuellen insgesamt steht – formuliert denn auch zum Schluss Resignation. „Ich führe mein Wort davon“, sagt die Alternde, sich ihrem Sterben nahe fühlend.  

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