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Kultur im Rest der Welt Valletta als Kulturhauptstadt: schön und hat viel Geschichte
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12:12 30.12.2017
Valletta ist Kulturhauptstadt 2018. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Oper gehört für Touristen zu den Hauptattraktionen. Quelle: Annette Reuther
Valletta

Europas kleinste Hauptstadt ist mehr als hübsch, hat dicke Festungsmauern und viel Geschichte zu bieten. Sie dient regelmäßig für Hollywood-Filme als Kulisse, und der Tourismus boomt.

Seit 1980 gehört die Stadt mit ihren knapp 6000 Einwohnern zum Unesco-Kulturerbe. Das ist die Fassade. Die kleine Mittelmeerinsel Malta steckt seit einem Mord an einer regierungskritischen Bloggerin im Oktober tief in der Krise. International steht das kleinste EU-Land zudem wegen Vorwürfen der Korruption am Pranger. Maltas Ruf als Steuerparadies trägt nicht gerade zum positiven Image bei. Da sind ein paar gute Nachrichten willkommen. Valletta als europäische Kulturhauptstadt 2018 soll eine davon sein.

Bisher galt Valletta - das neben dem niederländischen Leeuwarden den Titel Kulturhauptstadt tragen darf - nicht gerade als Platz für Kreative. Zwar hat der Stararchitekt Renzo Piano das alte City Gate durch zwei kühle Betonquader ersetzt. Auch das neue Parlamentsgebäude hat der Italiener entworfen. Die im Zweiten Weltkrieg von deutschen Bomben zerstörte Oper hat er in ein Freilichttheater verwandelt. Doch die moderne Architektur hat viele Kritiker. Und nachts ist die Stadt quasi verwaist.

Als Valletta 2012 den Titel für die Kulturhauptstadt zugesprochen bekam, sahen die Behörden das als perfekte Gelegenheit, der Welt die Schönheit der Stadt zu zeigen und ihr neues Leben einzuhauchen. „Wir haben die größten Investitionen seit Maltas Unabhängigkeit im Jahr 1964 gesichert, um die Stadt zu erneuern“, sagte der Chef von „Valletta 2018“, Jason Micallef, der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als 50 Millionen Euro wurden seit 2013 in die Stadt gesteckt, 10 Millionen davon in den Kulturbereich. Ein neues Kunstmuseum soll Mitte 2018 öffnen.

Doch viele in der Kreativbranche fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen - die Kulturpolitik wird als wenig einfallsreich und ohne Vision angesehen. Micallef kann das nicht nachvollziehen: „Unser Programm ist gemacht, um zu unterhalten, herauszufordern und zu provozieren - aber vor allem, um zu inspirieren.“

Etwa 1000 lokale und internationale Künstler werden zu „Valletta 2018“ beitragen, das am 20. Januar beginnt. Die Veranstaltungen von Musik, Theater, Kunst und Tanz sollen an verschiedenen Orten stattfinden, um die historischen Plätze der Stadt wiederzuentdecken, erklärt Micallef. Eines der Highlights soll im Juni die spektakuläre Schiffs-Show „The Peagant of the Seas“ im Hafen werden.

Die Malteser sind generell stolz auf den „V18“-Titel, aber Kontroversen blieben nicht aus. Die Ernennung von Micallef, dem ehemaligen Generalsekretär des regierenden Labour-Partei, sehen Kritiker als rein politische Entscheidung. Zudem wurden zwei Führungsmitglieder nur sechs Monate vor Beginn der Feierlichkeiten ohne Angaben von Gründen entlassen.

Einer der Kritiker ist der Blogger und Theaterregisseur Chris Gatt. „Es ist offensichtlich, dass die Leute auf den höheren Posten der Organisation nicht wegen ihrer Fähigkeiten, sondern wegen ihrer politischen Beziehungen ausgewählt wurden“, sagte er. Trotz der höheren Ausgaben für Kunst und Kultur lasse die Qualität zu wünschen übrig. Es sei verpasst worden, Kultur in den Alltag der Menschen zu integrieren. Die Veranstaltungen würden als „etwas für Touristen“ angesehen.

Erwartet wird, dass die Kulturhauptstadt 2018 sieben Prozent Wachstum für den sowieso schon boomenden Tourismus bringt. Auch auf Kreuzfahrtschiffen, von denen immer mehr Valletta ansteuern, sollen Tickets für die Events verkauft werden. Die Veranstaltungen beschränken sich nicht nur auf Valletta, sondern auf die ganze Insel, die ungefähr so groß wie München ist und etwa eine halbe Million Einwohner hat.

Ein EU-Gremium bescheinigte den Organisatoren, dass es den Willen gebe, „die Qualität des Tourismus“ auf der Insel zu erhöhen. Zudem sprach das Gremium die Empfehlung aus, die Zeit nach dem Jahr 2018 im Blick zu haben - damit von den Veranstaltungen auch danach noch etwas übrig bleibt.

dpa

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