Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 3 ° Gewitter

Navigation:
Verdis „Troubadour“: Startenor als zersägte Jungfrau

München Verdis „Troubadour“: Startenor als zersägte Jungfrau

Dann kam es, das hohe „C“. Nicht gerade strahlend, aber gut zentriert. Jonas Kaufmann hatte geliefert. Die berühmte „Stretta“ aus Giuseppe Verdis „Il trovatore“ („Der Troubadour“) sang der weltweit umschwärmte Künstler gleich zweimal.

Voriger Artikel
Lechtenbrink nimmt Abschied von Festspielen
Nächster Artikel
Archiv erwirbt Haushaltsbuch des Komponisten Franz Liszt

Jonas Kaufmann überzeugte als Manrico das Publikum. Foto: Peter Kneffel

München. Zuerst sitzend und ohne „C“, das zweite mal stehend, wie es sich gehört für den stolzen Manrico, der sich anschickt, seinen Erzfeind und Konkurrenten um die Gunst der schönen Leonora, den Grafen Luna, im Kampf zu besiegen. Kaufmann traf den ersehnten Spitzenton mühelos und versetzte das Publikum bei der Eröffnungspremiere der Münchner Opernfestspiele am Donnerstagabend in den erwarteten Ausnahmezustand.

Zum Ereignis wurde die Neuinszenierung jedoch erst durch die Leonora von Anja Harteros. So anrührend hat man die Arie „Auf den rosigen Flügeln der Liebe“ selten gehört. Harteros bot dem Publikum, neben mühelosen Koloraturen, was der allzu druckvoll singende Kaufmann oft vermissen ließ: Innigkeit und lyrische Emphase. Harteros stellt die Machos, die um sie buhlten, mühelos in den Schatten, und ließ sich auch von dem phonstark aufspielenden Bayerischen Staatsorchester unter Paolo Carignani nicht zudecken.

Mit den Gesetzen der Logik ist die Geschichte des Troubadours mit ihren zahlreichen Rückblenden und Traumerzählungen schwer zu greifen. Eine Zigeunerin wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie angeblich das Kind eines Grafen verzaubert hat. Deren Tochter Azucena will dessen Sohn verbrennen, wirft jedoch versehentlich das eigene Kind ins Feuer. Schließlich entführt sie den Buben, der später als Offizier gegen den anderen Sohn des Grafen kämpft. Fatalerweise sind beide in dieselbe Frau verliebt. Es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod, an dessen Ende, bis auf den jungen Grafen Luna, fast alle tot sind. Und Luna muss mit der Schuld weiterleben, unwissentlich den eigenen Bruder getötet zu haben.

Regisseur Olivier Py versuchte erst gar nicht, der reichlich konstruierten Gruselstory einen höheren Sinn abzutrotzen, sondern setzte auf puren Aktionismus. Die Drehbühne mit den düsteren, in kaltes Neonlicht getauchten Bauten von Bühnenbildner Pierre-André Weitz ist ständig in Bewegung. Überall rotieren, hörbar knarzend, riesige Schicksalsräder, eröffnen sich neue Perspektiven und Bühnenräume, ein Kerker, ein abgebrannter Wald, ein brennendes Kreuz mit einer Phalanx von Ku-Klux-Klan-Gestalten im Hintergrund. Die auf dem Scheiterhaufen hingerichtete Mutter von Azucena und eine junge Frau mit blutverschmiertem Baby geistern als schauriges memento mori durchs ganze Stück.

Sogar eine Dampflokomotive wuchtet das Regieteam auf die Bühne. Sie verweist auf die Entstehungszeit der 1853 uraufgeführten Oper und dient als Schlaginstrument zu einer machtvollen Choreinlage. Kundige Zuhörer durften sich bei den metallenen Schlägen an die Nibelheim-Szene aus Wagners „Rheingold“ erinnert fühlen. Selbst in der Pause ging das Spektakel weiter. Wer den Saal nicht verlassen hatte, konnte einer kleinen Zaubershow beiwohnen - mit Jonas Kaufmann als „zersägter Jungfrau“. Da durfte sogar gelacht werden an diesem düsteren Verdi-Abend, der mit Jubelstürmen für die Sänger und einem Buh-Bravo-Duell beim Erscheinen des Regieteams zu Ende ging.

«Il Trovatore» an Bayerischer Staatsoper

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Rest der Welt
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den April 2018 zu sehen!

Der HSV gewinnt sein wichtiges Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 1:0. Schaffen die Hamburger noch den Klassenerhalt?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr