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Kultur im Rest der Welt Von leichter Fernsehunterhaltung zur Charakterrolle
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13:05 10.04.2019
Schwärmt von seiner unbeschwerten Kindheit: Der Schauspieler Elmar Wepper. Quelle: Ursula Düren/dpa
München

Das Gute am Alter: Man wird gelassener. So wie der Schauspieler Elmar Wepper, der nicht mehr ständig vor der Kamera stehen muss. „Die Arbeit ist wunderbar, aber es geht auch eine Zeit lang ganz gut ohne“, stellte der Darsteller aus Planegg bei München schon vor einigen Jahren in einem Interview fest. In der Tat kann Wepper entspannt sein. Wenn er am Dienstag (16. April) 75 Jahre alt wird, blickt er auf eine erfolgreiche Karriere zurück, so wie sein Bruder Fritz. Während der zwei Jahre Ältere das Komödiantische liebt, ist Elmar Wepper in ruhigeren und mitunter ernsten Rollen zu sehen, etwa im hochgelobten Drama „Kirschblüten – Hanami“ von Doris Dörrie.

Wepper: „Wir durften spielen, spielen, spielen“

Die Brüder wuchsen im München der Nachkriegszeit auf. „Meine Mutter hat uns unglaublich viel Freiheit und Liebe gegeben. Ich hatte eine ganz fantastische Kindheit“, sagte Elmar Wepper im vergangenen Sommer der „Bild am Sonntag“. „Wir durften spielen, spielen, spielen. Im Sommer sind wir nach dem Frühstück raus, verdrückten am Nachmittag mit Heißhunger irgendein Brot. Erst am Abend, kurz bevor es dunkel wurde, mahnte meine Mutter: „Jetzt kommt aber mal rauf.“

Der Vater war im Zweiten Weltkrieg Soldat und galt als vermisst. „Als Kinder sind wir ins Aki-Kino am Bahnhof, um in den Wochenschauen nach ihm zu suchen“, erinnerte sich Wepper in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Die Hoffnung: Der Vater könnte einer der Kriegsgefangenen sein, über die dort berichtet wurde. „Gefunden haben wir ihn nie.“

Von „Fury“ zu Mel Gibson

Mit 14 Jahren spielte Wepper in München erstmals Theater. Und er wurde Synchronsprecher in der US-amerikanischen Jugendserie „Fury“, später in Kinofilmen als deutsche Stimme von Mel Gibson. Als Berufung empfand er das Schauspielern zunächst aber nicht. Er studierte lieber, Theaterwissenschaften und Germanistik.

Doch 1974 wechselte sein Bruder Fritz zur späteren Kultserie „Derrick“ mit Horst Tappert, seine bisherige Rolle in der Krimi-Reihe „Der Kommissar“ mit Erik Ode wurde frei. Elmar Wepper ergriff die Chance und wurde Odes neuer Assistent. Seitdem ist er regelmäßig zu sehen, in Filmen ebenso wie in Serien, etwa in „Der Alte“ oder in „Zwei Münchner in Hamburg“ mit Uschi Glas. Hin und wieder drehten die Brüder auch gemeinsam - wie in der Komödie „Drei unter einer Decke“.

Der Genrewechsel

2008 dann Doris Dörries Kinofilm „Kirschblüten – Hanami“: Wepper spielt darin Rudi, der mit einer Reise nach Japan die Träume seiner verstorbenen Frau erfüllen will. Statt leichter TV-Komödie bewegendes Drama – ein Genrewechsel, der den Schauspieler für weitere anspruchsvolle Filmcharaktere empfahl. „Natürlich freut es mich, dass in meinen späten Jahren das Rollenangebot interessanter geworden ist. Vielleicht traut man mir nach „Hanami“ mehr zu“, mutmaßte Wepper, der verheiratet ist und einen Sohn hat, damals.

Für Doris Dörrie stand Wepper vor Kurzem wieder vor der Kamera, in „Kirschblüten & Dämonen“, der Fortsetzung ihres gemeinsamen Erfolgs, seit dem 7. März im Kino zu sehen. Wepper ist darin wieder Rudi, der wie seine Frau mittlerweile tot ist. Beide erscheinen ihrem Sohn Karl nun als Geister. Regisseurin Dörrie schwärmte von den Dreharbeiten mit Wepper: „Ein vollkommen furchtloser und hingebungsvoller Schauspieler mit großem Herz und riesigem Können, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen war“.

„Ein Wunder an Höflichkeit“

Ruhe liebt Wepper auch privat. Seit 2004 ist er verheiratet. Er werkelt gerne im Garten, geht spazieren oder spielt Golf. Und er kocht, wie er mit seinem Freund Koch Alfons Schuhbeck in dessen Kochsendung „Schuhbecks“ Fernsehen bewies. Auch mit dem Kabarettisten Ottfried Fischer verbindet ihn viel: „Er gehört zu den Ersten unter den Kollegen in Sachen Freundschaft und Hilfsbereitschaft, ein Wunder an Höflichkeit, Charme und Sensibilität“, schrieb Fischer in seiner Autobiografie. „Wenn wir uns sehen, ist es immer ein bisschen so, wie wenn Geschwister nach langer Zeit sich wieder treffen.“

Von RND / dpa

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