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Weggucken und Verdrängen: Yael Ronens „Denial“ uraufgeführt

Berlin Weggucken und Verdrängen: Yael Ronens „Denial“ uraufgeführt

Sie ist für ihren schwarzen Humor im Umgang mit Weltkonflikten bekannt. In ihrem neuen Theaterstück sucht Yael Ronen nach dem Schwarzen in uns.

Berlin. Yael Ronens brillantes Nahost-Stück „The Situation“ ist in der jährlichen Hitliste der Kritiker gerade erst zur Inszenierung des Jahres gewählt worden. Am ebenfalls ausgezeichneten Berliner Maxim Gorki Theater feierte am Freitagabend das neue Stück des israelischen Shootingstars Uraufführung.

In „Denial“ setzt sich die 39-jährige Regisseurin mit der menschlichen Fähigkeit des Verdrängens und Wegguckens auseinander. Die flotte Slapstick-Komödie kommt schnell in seelische Untiefen, die auch dem Zuschauer einiges abverlangen.

Es beginnt in typischer Ronen-Manier mit einer fetzigen Tanznummer, in der die fünf jungen Schauspieler (Orit Nahmias, Oscar Olivo, Dimitrij Schaad, Cigdem Teke und Maryam Zaree) einander von ihrer angeblich so glücklichen Kindheit erzählen. Doch das Bild bekommt bald Sprünge.

So muss der kleine Latino aus New York seine Homosexualität vor der Familie verbergen. Die Iranerin weiß nicht, warum ihre Mutter im Gefängnis war und wie sie selbst zur Welt kam. Und die Israelin findet heraus, dass ihr als James Bond vergötterter Vater in Wahrheit Palästinenser gefügig gemacht hat.

All das ist (meist) unterhaltsam und pointenreich erzählt. Skurrile Videoszenen auf der Leinwand im Hintergrund (genial: ein sprechender Bauch) liefern die Bilder zu den Monologen oder Zwiegesprächen auf der Bühne.

Wie immer hat Ronen das Stück gemeinsam mit ihrem Multi-Kulti-Ensemble entwickelt. „Während der Recherche sind sie einem Psychiater, einer Historikerin, einer Juristin, einer Energie-Therapeutin, einem Hypnotiseur begegnet - und natürlich sich selbst“, heißt es in der Ankündigung des Theaters. 

Ihre volle Wucht entfaltet diese Begegnung in der Episode, in der ein psychisch gestörter Typ (Schaad) seinem lange verdrängten Unheil auf die Spur kommt: Der Vater hat ihn einst missbraucht, die Mutter deckte das Verbrechen. Spätestens hier ist Schluss mit lustig. 

Sie vermisse, dass in dem Stück nicht mehr über den Holocaust und die verdrängten Krisen der Welt gesprochen werde, sagt eine Schauspielerin gegen Ende. Aber genau das hat Ronen nach Stücken wie „Common Ground“ und „The Situation“ diesmal nicht gewollt. Warum es allerdings am Schluss noch einen kitschigen LSD-Trip ins alles versöhnende Universum geben muss, bleibt ihr Geheimnis. 

dpa

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