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Westernhagen „Unplugged“ in Berlin

Berlin Westernhagen „Unplugged“ in Berlin

Von „Mit 18“ über „Freiheit“ bis „Wieder hier“: Bei zwei „Unplugged“-Konzerten präsentiert Marius Müller-Westernhagen viele Hits seiner jahrzehntelangen Karriere. Unterstützung gibt es von engen Weggefährten.

Berlin. Udo Lindenberg saß zwischendurch am Schlagzeug, Mimi Westernhagen sang mit dem Vater im Duett und Filmemacher Fatih Akin führte Regie. Marius Müller-Westernhagen hat am Wochenende zu zwei „Unplugged“-Konzerten in die Berliner Volksbühne geladen.

Gemeinsam mit engen Weggefährten gab er dabei zahlreiche Hits seiner jahrzehntelangen Karriere zum Besten - von „Mit 18“ und „Weil ich Dich liebe“ über „Freiheit“ und „Sexy“ bis „Wieder hier“ und „Alphatier“.

Für die rund 350 Gäste begann das Konzert am Sonntag, wie es endete - mit Johnny Walker. Zum Aufwärmen wurden Drinks auf Basis des Whiskys im Foyer ausgegeben. Als Zugabe spielte Westernhagen seine berühmte Hymne auf das Getränk.

Dazwischen erlebten die Zuschauer einen Künstler, der sichtlich Freude daran hatte, seine Musik teils im neuen Gewand zu präsentieren. Denn bei den „MTV Unplugged“-Konzerten geht es traditionell darum, die Lieder in intimerer Atmosphäre und ganz ohne bombastische elektronische Verstärkung zu spielen.

Ziel sei nicht gewesen, sich akustische Gitarren umzuhängen und alles so zu tun, wie sonst, sagte der Sänger. „Wir wollten es für Euch und für uns interessant machen.“

Ein Ziel, das aufging. Vom Publikum wurde der 67-Jährige frenetisch gefeiert. Zudem schaffte es Westernhagen, eine gemütliche und familiäre Atmosphäre zu schaffen - nicht zuletzt durch die Wahl der mitwirkenden Künstler. „Wenn ich schon Gäste habe, sollte ich zu ihnen eine Beziehung haben“, meinte er.

So stand beim ersten Konzert am Samstagabend sein alter Kumpel Udo Lindenberg bei „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ am Schlagzeug. Mit dem „Panikrocker“ sowie Komiker Otto Waalkes hatte Westernhagen einst in einer Hamburger WG gewohnt.

Mit dabei war außerdem Selig-Sänger Jan Plewka, mit dem Westernhagen eine energiegeladene Version von „Mit 18“ präsentierte. Im Duett mit der Straßenmusikerin Elen sang er „Durch Deine Liebe“ und mit seiner Freundin und „Angebeteten“, der südafrikanischen Sängerin Lindiwe Suttle, präsentierte er das neue Lied „Luft um zu atmen“. Ein besonderer Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt mit Tochter Mimi Westernhagen (30). Die beiden präsentierten zusammen den Klassiker „Lass uns leben.“

Wenig später sang Westernhagen das Lied „Rosen“, das er nach den Terroranschlägen vom 11. Spetember 2001 geschrieben hatte. „Wir sind in einer Situation, wo die Welt sehr durcheinander gerät“, sagte er. Mit Gewalt oder Krieg könne man dagegen aber nicht vorgehen. Stattdessen müsse man etwas gegen das Ungleichgewicht in der Welt tun.

Überraschend - wenn auch gewöhnungsbedürftig - war ein englisch-deutschsprachiges Cover von „Heroes“, eine Hommage an den vor einigen Monaten gestorbenen Superstar David Bowie.

Auf Wunsch Westernhagens wurden die Auftritte am Samstag und Sonntag von Filmemacher Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Soul Kitchen“) in Szene gesetzt. Westernhagen habe ihm damit ein Geschenk gemacht, sagte der Regisseur. „Musik ist Essen für die Seele und er hat mir ein vorzügliches Menü serviert.“ Die DVD und das Album erscheinen Ende Oktober.

Der Musiksender MTV rief seine „Unplugged“-Konzerte 1989 ins Leben. Zu den bekanntesten Auftritten gehören die von Eric Clapton oder der Grunge-Band Nirvana. Herbert Grönemeyer war 1994 als erster deutschsprachiger Künstler dabei. Später folgten Die Fantastischen Vier, Die Ärzte, Die Toten Hosen, Udo Lindenberg, Revolverheld oder Cro.

Es stellt sich die Frage, warum Westernhagen nicht schon viel früher auf dem berühmten Barhocker der „Unplugged“-Reihe Platz genommen hat. Der 67-Jährige ist seit fünf Jahrzehnten als Musiker aktiv. Mit Alben wie „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ feierte der Schauspieler („Theo gegen den Rest der Welt“) Ende der 70er Jahre größere Erfolge. Der ganz große Triumph kam ab 1989. Die Hymne „Freiheit“ geriet zum Soundtrack der Wiedervereinigung. Mit Alben wie „Halleluja“, „Ja Ja“ und „Affentheater“ wurde Westernhagen zum Superstar, der gigantische Massen zu seinen Shows in die Stadien zog.

Ende der 90er Jahre verabschiedete er sich mit Ansage von den gigatischen Stadionbühnen und zog fortan kleinere Konzertauftritte vor. Und auch am Sonntag in der Volksbühne sagte ein gerührter Westernhagen: „Wir haben so viele Konzerte gespielt vor Tausenden Leuten, aber die beiden Abende hier übertreffen alles.“ Denn: „Es geht um die Musik.“

dpa

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