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Wie geht Karneval? - „Bützen ist nicht sexuell gemeint“

Köln Wie geht Karneval? - „Bützen ist nicht sexuell gemeint“

In manchen Weltregionen ist selbst Händchenhalten auf offener Straße verpönt. Wie sollen manche Flüchtlinge dann das Bützen im Karneval verstehen?

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Quelle: Julian Stratenschulte

Köln. Bützchen, Schunkeln und Umarmungen in jecker Glückseligkeit, beschwingt durch ein paar Promille: Hat sich vor den Silvester-Übergriffen in Köln jemals jemand Gedanken darüber gemacht, wie das bei Menschen aus anderen Kulturen ankommen kann?

Jecken gingen nach den Silvester-Übergriffen auf Frauen in Köln nicht mehr so unbefangen in die tollen Tage, stellt Ashok Sridharan (CDU) fest, der indischstämmige Oberbürgermeister von Bonn.

„Leider ist in den letzten Wochen ein Stück Unbefangenheit verloren gegangen, die doch für ausgelassenes Feiern so wichtig ist“, stellte er in einem Aufruf fest und appellierte, Spielregeln wie Respekt und friedliches Miteinander zu beachten. Zur Vermeidung von Missverständnissen hatte die Stadt Bonn schon vorher auf einem Handzettel darauf hingewiesen, dass Küsschen auf die Wange und das Einhaken keine sexuellen Annäherungen erlaubten.

In Mönchengladbach werden auf einem Zettel, der einem Flyer mit dem Karnevalsprogramm beigelegt ist, auch Eigenarten des Karnevals erklärt: etwa, dass vieles gesagt und getan wird, was sonst nicht erlaubt ist - zum Beispiel Krawatten abschneiden. Und dass umarmt, geschunkelt und gebützt wird. „Es ist in der Regel nicht sexuell gemeint und muss kein Flirten bedeuten“, steht da auf Englisch, Französisch und Türkisch.

Der interkulturelle Trainer Markus Reissen findet die Aufklärungsinitiativen prinzipiell gut, damit „Entgleisungen“ wie in Köln nicht mehr passierten. „Aber ich gehe davon aus, das wird niemand lesen.“ Dies mache man im arabischen Raum schlicht so nicht - wichtige Informationen würden dort mündlich weitergegeben und nicht schriftlich auf Flyern. Dies sei ein kultureller Unterschied.

Der Wert der Information steige mit der Vertrauenswürdigkeit des Informationsgebers. „Wenn der Imam hinginge und würde das erklären, dann hätte das einen ganz anderen Wert und eine ganz andere Wirkung als ein Plakat oder Flyer.“

Eine Initiative des Caritasverbands Köln komme der arabischen Kultur schon eher entgegen: Menschen vermitteln den Menschen die Information. Der eingefleischte Kölner Karnevalsjeck Peter Schmitz erklärt und übt Karneval in einer Art Schulstunde. Und das habe wirklich nur ganz am Rande etwas mit den Silvester-Übergriffen zu tun, sagt er: „Ich habe den Auftrag, Menschen in Köln zu integrieren. Und das ist meiner Meinung nach schlechterdings nicht drin, ohne den Menschen den Karneval zu erklären. Die müssen das nachher auch nicht mögen. Aber irgendeiner muss ihnen erklären, was da passiert“.

In der Lehrstunde bringt er seinen „Schülern“ Alaafrufe bei und die „Rakete“ nach einem jecken Karnevalsauftritt. Es fliegen sogar „Strüssjer“ und Kamelle. „Die Leute kriegen dann nur was, wenn sie laut genug danach brüllen“, sagt er. Ach ja, die Sache mit den Frauen. Ein befreundeter Kunstlehrer hat Szenen einer Annäherung gezeichnet: Flirten, Tanzen, Grapschen. Das letzte Bild ist dick durchgestrichen.

Missverständnisse dieser Art habe es übrigens schon immer gegeben - in seinen jungen Jahren nicht mit Flüchtlingen, sondern mit Karnevalsbesuchern aus Bayern, Niedersachsen, Hamburg und auch mal mit Engländern, erzählt der 55-Jährige. „Wenn wir Mädchen dabei hatten, sind wie nie in die Kölner Altstadt gegangen. Das war immer schon schwierig.“


Flyer für Flüchtlinge Köln
Anleitung zum Karneval in Bonn

dpa

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