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Der Tod des Strippenziehers

Nach Sexskandal Der Tod des Strippenziehers

Er war eine der wichtigsten Stimmen der neuen Rechten in den USA: Konservative trauern um Fox-News-Gründer Roger Ailes. Er war der Mann, der die Trennung von Entertainment und Politik maßgeblich mit aufhob.

Mit 77 Jahren gestorben: Roger Ailes.

Quelle: dpa

Washington. Am Ende war sein Tod seinem ehemaligen Sender eine „Breaking News“ wert: Roger Ailes ist mit 77 Jahren gestorben, meldet Fox News auf allen Kanälen. Rupert Murdoch, der australo-amerikanische Konzernchef, habe Ailes als „brillanten Broadcaster“ bezeichnet. Jeder bei Fox sei „geschockt und traurig“. Was man halt so meldet, wenn der Gründer stirbt, das Mastermind, der publizistische Übervater. Ailes war der Gründer des rechtskonservativen TV-Senders Fox News und eine der einflussreichsten journalistischen Stimmen der neuen Rechten in den USA.

Niemand wird ihm den Tod gewünscht haben. Aber daran, dass sein Dahinscheiden wirklich jeden bei Fox tief ins Markt trifft, darf man zweifeln. Auch wenn selbst Feinde des heftig umstrittenen und streitlustigen TV-Tycoons im Augenblick des Abschieds Milde walten ließen. „Er hatte viele Kritiker und beging seine Sünden – wie wir ALLE“, schrieb der frühere Gouverneur von Arkansas und Fox-News-Moderator Mike Huckabee bei Twitter. „Aber ich behalte ihn in Erinnerung als großen Patrioten, Freund und Boss.“

Ailes hatte den Sender, den er vor 21 Jahren im Auftrag von Rupert Murdoch als publizistisches Gegengewicht zum vermeintlich linksliberalen US-Mainstream gegründet hatte, 2016 in Ungnade verlassen: Die frühere Moderatorin Gretchen Carlson (50) hatte ihn beschuldigt, sie jahrelang sexuell bedrängt zu haben. Mehrere Kolleginnen haben sich der Klage angeschlossen. Im Nachgang wurde Fox News von weiteren Sexskandalen erschüttert: Im April trennte sich der Sender von Starmoderator Bill O’Reilly, Anfang Mai dann auch von Co-Präsident Bill Shine. Auch hier lautete der Vorwurf: sexuelle Belästigung. Fox News – ein Hort säftelnder alter Männer?

Ein klassischer Spin-Doctor

Angaben zur Todesursache gab es nicht. Ehefrau Elizabeth Ailes erklärte in einer Mitteilung: „Ich bin zutiefst betrübt und untröstlich, mitzuteilen, dass mein Ehemann Roger Ailes an diesem Morgen im Kreis seiner herrlichen Familie gestorben ist. Roger war mein bester Freund, der wundervollste, liebende Ehemann und Vater unseres Sohnes Zachary.“

Vor seiner Zeit als CEO bei Fox News hatte Ailes den US-Präsidenten Richard Nixon und George H.W. Bush als Berater gedient. Er arbeitete als klassischer Spin-Doctor. Im Herbst bereitete er angeblich Donald Trump auf die TV-Debatten gegen Hillary Clinton vor. Donald Trumps Wahlkampfteam hat das stets dementiert. Beide seien „langjährige Freunde, aber er hat weder eine formelle noch eine informelle Rolle in der Kampagne“, erklärte Trump-Sprecherin Hope Hicks damals in der „Washington Post“.

Ailes, 1940 in Warren (Ohio) geboren und über Jahre einer der einflussreichsten US-Publizisten, gilt als Pionier bei der Verknüpfung von Politik und Entertainment. Unter seiner Ägide wurde der 24-Stunden-Kanal Fox News – mit dem eher ironischen Slogan „fair und ausgewogen“ – zur erfolgreichen, gehassten, als „,Prawda’ der Republikaner“ verschrienen, oft parodierten, selten ausgewogenen, aggressiven, offensiv patriotischen Gegenstimme zu CNN oder NBC.

Heftige Niederlage bei Fox News

Ailes’ Motto: „Zieh nie den Abzug, wenn du nicht sicher bist, dass zu gewinnst.“ Seinen unrühmlichen Abgang bei Fox News soll er als tiefe Schmach und heftige Niederlage empfunden haben. Den letzten Kampf um seine Ehre, so schien es am Ende, würde er nicht gewinnen können. Dennoch sei er „voller Zuversicht für die Zukunft gewesen“, schrieb gestern der konservative Politklatsch-Pionier Matt Drudge. Er habe ihn im April in Palm Beach besucht.

Liberale Kommentatoren machen Ailes mitverantwortlich für die gesellschaftliche Klimaveränderung in den USA, für den aggressiveren, unversöhnlichen Grundton, der die politische Debatte seit Jahren durchzieht. „Die Wahrheit“, hat Ailes mal gesagt, „ist das, was Leute glauben.“ Es ist die Tatsache, dass diesem Motto inzwischen diverse Medien folgen und diese Überzeugung inzwischen weite Teile der öffentlichen Auseinandersetzung im Netz und anderswo bestimmt, die man als Ailes’ wichtigstes Erbe bezeichnen muss.

Von Imre Grimm

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