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ESC in Stockholm: Die Interpreten und ihre Songs

Stockholm ESC in Stockholm: Die Interpreten und ihre Songs

Popsongs, schwülstige Balladen und ein paar Folklore-Einlagen. Deutschlands ESC-Hoffnung Jamie-Lee sieht sich in Stockholm einer bunten Konkurrenz gegenüber. Wer macht das Rennen?

Stockholm. Australien bis Zypern: Beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm treten 42 Länder an. Gute-Laune-Lieder sind genauso dabei wie Herzschmerz und ein bisschen Politik.

Während Deutschland mit Sängerin Jamie-Lee Kriewitz sowie die vier übrigen „Big Five“-Länder und Gastgeber Schweden bereits für das große ESC-Finale am Samstag (14.5.) gesetzt sind, müssen sich 20 der übrigen 36 Teilnehmer in den Halbfinalshows am Dienstag (10.5.) und Donnerstag (12.5.) erst qualifizieren. Alle 42 Interpreten und Songs im Überblick - 26 von ihnen werden im Finale dabei sein:

GASTGEBER (bereits für das Finale gesetzt):

- SCHWEDEN: Frans ( „If I Were Sorry“): Ein siebter Sieg für Schweden ist nicht ganz abwegig. Der 17-jährige Frans Jeppsson Wall ist sympathisch, und sein fluffig-leichter Song „If I Were Sorry“ macht gute Laune und geht ins Ohr.

BIG FIVE (bereits für das Finale gesetzt):

- FRANKREICH: Amir ( „J'ai cherché“): Sympathischer israelisch-französischer Sänger - ein attraktiver Zahnarzt - und ein mitsingbarer Song (You-u-u-u-u), der als europäischer Sommerhit geeignet wäre. Enthält sogar viel englischen Text - und das aus der sonst so sprachbewussten Grande Nation!

- GROßBRITANNIEN/UK: Joe and Jake ( „You're Not Alone“): Die Jungs sehen aus, als müssten sie noch die Schulbank drücken. Sie lernten sich - Überraschung! - bei einer Castingshow kennen. Bei „The Voice“ flogen sie vor dem Finale raus. Als Duo stechen sie unter den vielen Solo-Künstlern hervor.

- ITALIEN: Francesca Michielin ( „No Degree Of Separation“): Beim italienischen Vorentscheid, dem Festival von San Remo, war es diesmal ähnlich wie vergangenes Jahr in Deutschland, als zwar Andreas Kümmert gewann, dann aber doch nicht beim ESC antreten wollte. Für Italien singt nun Francesca eine Liebesballade, obwohl sie hinter der Sieger-Band Stadio landete, die verzichtete.

- SPANIEN: Barei ( „Say Yay!“): Ein locker-leichter Sommerhit, mit dem Barei in Spanien Jury und Publikum überzeugte. Vor ihrem Auftritt will die Sängerin, die den Song selbst mitgeschrieben hat, meditieren. „Das hilft wirklich!“

- DEUTSCHLAND: Jamie-Lee ( „Ghost“): Dunkles Haar, aus dem Raum Hannover, eigenwilliger Stil - da war doch was. Vergleiche mit ESC-2010-Siegerin Lena sind auf die Dauer natürlich nervig. Mit ihrem quietschbunten Manga-Stil ist die 18-jährige Sängerin und „The Voice of Germany“-Siegerin ein Hingucker - ihr Song ist international tauglicher Pop im Stil von Rihannas „Umbrella“.

1. HALBFINALE:

- FINNLAND: Sandhja ( „Sing It Away“): Seinen Ärger sollte man einfach „wegsingen“ - das empfiehlt der finnische ESC-Beitrag. Die Nummer ist tanzflächentauglich, aber vielleicht fast schon zu eingängig, um am Ende beim Publikum hängen zu bleiben.

- GRIECHENLAND: Argo ( „Utopian Land“): Ein paar Folklore-Elemente, Sprechgesang und dazwischen ein poppiger Refrain - damit versucht es die Band Argo.

- MOLDAU: Lidia Isac ( „Falling Stars“): Mit einem klassischen ESC-Popsong, wie man ihn bei dem Wettbewerb irgendwie schon oft gehört hat, geht Moldawien ins Rennen. Passend zum Titel „Falling Stars“ rieseln im Song-Video Sternenschnipsel herab, während Lidia Isac mit wehendem Haar singt.

- UNGARN: Freddie ( „Pioneer“): Raue Stimme, treuer Blick - so versucht der ungarische Sänger, die Herzen der ESC-Fangemeinde zu erobern.

- KROATIEN: Nina Kraljić ( „Lighthouse“): Mit ihrer gewaltigen Stimme sticht Sängerin Nina Kraljić hervor. Sie dürfte mit ihrem „Leuchtturm“-Lied ganz gute Chancen haben, das Halbfinale zu überstehen.

- NIEDERLANDE: Douwe Bob ( „Slow Down“): Ein Country-Hit ohne viel Glitzer - diese Rechnung ist beim ESC für unser Nachbarland schon einmal aufgegangen. Als schmuckes Paar schafften die Common Linnets 2014 Platz zwei. Diesmal tritt ein Singer-Songwriter allerdings ohne Antje-Schönheit an seiner Seite an.

- ARMENIEN: Iveta Mukuchyan ( „Love Wave“): Psychedelisch angehauchte „Liebeswelle“ (Übersetzung des Titels). Genau wie Jamie-Lee Kriewitz stand die Armenierin schon bei „The Voice of Germany“ (2012) auf der Bühne. Die Sängerin lebt nämlich in Hamburg und hat hier auch einen Teil ihrer Kindheit verbracht.

- SAN MARINO: Serhat ( „I Didn't Know“): Nach vier Versuchen mit Liedern von Ralph Siegel („Ein bißchen Frieden“) versucht es der in Italien liegende Mini-Staat diesmal mit einem langsamen Liebeslied mit vielen Wiederholungen, durch das Serhats tiefe, raue Stimme den Zuhörer behutsam trägt.

- RUSSLAND: Sergei Lasarew ( „You Are The Only One“): Das Riesenland ist oft Riesenfavorit, auch wenn es in den vergangenen Jahren manchmal Buhrufe in der Halle wegen der Krim-Annexion gab. Diesmal singt mit Sergei Lasarew (andere Schreibweise: Sergey Lazarev) ein bekannter Popstar des Landes mit durchtrainiertem Körper und ausladenden Gesten einen temporeichen Song, der Wetten zufolge zu den Favoriten zählt.

- TSCHECHISCHE REPUBLIK: Gabriela Gunčíková ( „I Stand“): Erst zum fünften Mal ist Tschechien beim ESC dabei - ob nun zum ersten Mal der Einzug ins Grand-Prix-Finale gelingt? Beim Durchhören der ESC-Beiträge bleibt die diesjährige Popballade nicht unbedingt hängen.

- ZYPERN: Minus One ( „Alter Ego“): Die Lederkerle von Minus One fallen mit ihrem Outfit auf. Auch mit ihrem Rocksong unterscheiden sie sich erheblich von der Konkurrenz, die ja oft auf seichten Pop oder schwülstige Balladen setzt.

- ÖSTERREICH: Zoë ( „Loin d'ici“): Eine elfenhafte Interpretin, die ungewöhnlicherweise für die Alpenrepublik auf Französisch singt - „weit weg von hier“ (loin d'ici). Beim österreichischen Vorentscheid hat sich Zoë nur knapp durchgesetzt, vergangenes Jahr war sie daran gescheitert. Aber das ging ja schließlich auch Conchita Wurst im ersten Anlauf so.

- ESTLAND: Jüri Pootsmann ( „Play“): Bübchenhaftes Gesicht, starke Stimme - Estland tritt mit einem 21-Jährigen an, der schon die Castingshow „Eesti otsib superstaari“ (auf Deutsch: Estland sucht den Superstar) gewonnen hat.

- ASERBAIDSCHAN: Samra Rahimli ( „Miracle“): So umstritten Aserbaidschan wegen der Menschenrechtslage ist, so erfolgreich fällt die ESC-Bilanz des Landes aus, das erst seit 2008 dabei ist. Seither schafften es die Vertreter immer ins Finale, einmal war sogar der Sieg drin. Die 1994 geborene Samra Rahimli soll es diesmal richten - mit einer Trennungsballade.

- MONTENEGRO: Highway ( „The Real Thing“): Die vier Jungs von Highway setzen auf Gitarrengewitter - und zählen damit definitiv zu den ungewöhnlicheren Beiträgen.

- ISLAND: Greta Salóme ( „Hear Them Calling“): Seit 1986 macht Island beim ESC mit. Zum 30-Jahre-Jubiläum vertraut der Inselstaat auf eine alte Bekannte. Greta Salóme trat bereits 2012 für Island an - und landete damals auf Platz 20. Ob mit ihrem kraftvollen Auftritt diesmal mehr drin ist?

- BOSNIEN-HERZEGOWINA: Dalal & Deen feat. Ana Rucner and Jala ( „Ljubav je“): Nach drei Jahren ESC-Abstinenz ist Bosnien-Herzegowina mit einer Balkan-Ballade zurück. Los geht's mit Cello-Solo und Trommelwirbel. Zum Gesangsduo von Dalal & Deen gesellt sich später der Rapper Jala - ein bunter Mix.

- MALTA: Ira Losco ( „Walk On Water“): Im maltesischen Vorentscheid hatte Ira Losco - ein Star in dem kleinen Inselstaat - eigentlich mit einem anderen Titel gewonnen, der aber wenig Enthusiasmus auslöste. Jetzt tritt sie mit einer schwedischen Produktion an. Die Sängerin ist Wiederholungstäterin: Sie hatte Malta schon 2002 beim ESC vertreten - und den zweiten Platz ergattert.

2. HALBFINALE:

- LETTLAND: Justs ( „Heartbeat“): Durch seinen Elektrobeat setzt sich der Beitrag des 21-jährigen Letten, der mit vollem Namen Justs Sirmais heißt, von der Masse der Popsongs ab.

- POLEN: Michał Szpak ( „Colour Of Your Life“): Melancholische Ballade, die zum langsamen Schunkeln einlädt, aber nicht richtig in Fahrt kommt.

- SCHWEIZ: Rykka ( „The Last Of Our Kind“): Die Kanadierin mit Schweizer Wurzeln und Lockenkopf singt eine romantische Nummer. Neben vielen kraftvollen Frauenstimmen wirkt Rykkas etwas blass.

- ISRAEL: Hovi Star ( „Made Of Stars“): Langsames, verträumtes Stück. Dem exzentrischen Sänger mit der auffälligen Haartolle und dem pechschwarzen Eyeliner hätte man einen Song mit etwas mehr Power gewünscht.

- WEIßRUSSLAND: Ivan ( „Help You Fly“): Nicht ganz klar wird, wieso der Weißrusse wie ein Wolf heult, während er vom Fliegen singt und die langen Haare um sein Gesicht flattern.

- SERBIEN: Sanja Vučić ( „Goodbye“): Energisch und mit Wut in der Stimme singt die Serbin über Frauen, die Gewalt erlebt haben. Ein dramatischer Song, dramatisch vorgetragen.

- IRLAND: Nicky Byrne ( „Sunlight“): Kein Land hat so oft beim Grand Prix gewonnen wie Irland. Sieben Siege hat die Insel bislang eingefahren. Den achten soll Nicky Byrne mit „Sunlight“ nach Hause holen. Sieht ein bisschen aus wie Ronan Keating, singt ein bisschen wie Ronan Keating, hat nur vorher in einer anderen Boyband gesungen - nämlich bei Westlife statt Boyzone.

- MAZEDONIEN: Kaliopi („Dona“): Dritter Anlauf der bekannten Balkan-Künstlerin beim ESC, die mit einer kraftvollen Ballade in ihrer Muttersprache antritt. (http://dpaq.de/WX63g)

- LITAUEN: Donny Montell („I've Been Waiting For This Night“): Hätte man kein Bild bei diesem Song, könnte man meinen, hier singe eine Frau, so hell klingt die Stimme des 28 Jahre alten Popsängers aus Litauen. (http://dpaq.de/eab2L)

- AUSTRALIEN: Dami Im („Sound Of Silence“): Zum zweiten Mal ist - etwas absurd - Australien beim EUROvision dabei. Diesmal muss sich das Land erstmal fürs Finale qualifizieren, nachdem es beim 60. ESC im vergangenen Jahr als Ehrengast in Wien gleich fürs Finale gesetzt war. An den Start geht eine gebürtige Südkoreanerin - mit einer Ballade, die mit Trommelschlägen beginnt. (http://dpaq.de/P6NAo)

- SLOWENIEN: ManuElla ( „Blue And Red“): Übersetzt „Blau ist blau und rot ist rot“ lautet die Erkenntnis im Refrain des munteren Songs. Ob das fürs Finale reicht?

- BULGARIEN: Poli Genova ( „If Love Was A Crime“): Sie stand schon in Düsseldorf 2011 beim ESC auf der Bühne. Die Sängerin erreichte damals den zwölften Platz für Bulgarien. Ein ähnlicher Erfolg sollte nun mit neuer Frisur und frischem Popsong drin sein.

- DÄNEMARK: Lighthouse X ( „Soldiers Of Love“): Die drei Dänen nehmen einen mit ihrem fluffigen Popsong mit auf Zeitreise. Sie klingen wie Boygroups der 90er und singen natürlich über Liebe: „Nimm meine Hand und lass sie nie wieder los...“

- UKRAINE: Jamala ( „1944“): Wenn nicht das politischste, dann sicher textlich das gewagteste Lied 2016! Die Krimtatarin besingt in „1944“ die Vertreibung ihrer Minderheit unter Sowjetdiktator Josef Stalin. Viele dürften den Song aber als beißende Kritik an Russland wegen der Annexion der Krim 2014 verstehen.

- NORWEGEN: Agnete ( „Icebreaker“): Ein Lied aus der Elektrobeat-Dancefloor-Fraktion. Dass der Rhythmus zwischendurch wechselt, ist gewöhnungsbedürftig.

- GEORGIEN: Young Georgian Lolitaz ( „Midnight Gol“): Die Indie-Rock-Nummer hebt sich von der üblichen Pop- und Balladen-Konkurrenz ab, was wohltuend ist, sofern man sich für Alternative-Musik erwärmen kann. Die Rocker dürften es jedoch schwer haben, sich bis ins ESC-Finale zu kämpfen.

- ALBANIEN: Eneda Tarifa ( „Fairytale“): In deutscher Übersetzung „Märchen“ hieß schon mal ein Siegersong beim ESC - das war 2009 und er kam aus Norwegen von Alexander Rybak.

- BELGIEN: Laura Tesoro ( „What's The Pressure“): Belgien schickt wieder einen besonders jungen Act zum ESC-Zirkus. Die erst 19-jährige Laura Tesoro erfrischt mit ihrer Disco-Nummer. Im vergangenen Jahr mischte Belgien den ESC mit einem ähnlich jungen Teilnehmer auf: Loïc Nottet ergatterte Platz vier.

dpa

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