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Highlights 2012 - Lieblingsplatten

Berlin Highlights 2012 - Lieblingsplatten

Mal ganz subjektiv: Tausende Alben sind auch 2012 wieder erschienen - aber welche blieben wirklich im Ohr hängen? Die Nachrichtenagentur dpa präsentiert einige Perlen dieses Jahrgangs - von Pop bis Klassik.

Berlin. Der Glamour von Lana del Rey, Adeles große Stimme im neuen Bond-Song, aufgekratzter Folkrock von der Überraschungsband Mumford & Sons und viel deutschsprachiger Pop - der Charts-Jahrgang 2012 war ziemlich abwechslungsreich. Sechs Redakteure und Musikkritiker der dpa geben etwas andere Favoriten preis - und damit ihre Lieblingsplatten des Jahres.

POP-ALBUM DES JAHRES: Sigur Rós - „Valtari“

Die Musik fließt dahin - sphärisch, elegisch, traumwandlerisch. Ein Klangteppich, begleitet von einem sanften Knistern aus analoger Zeit, darüber schwebt die elfenhafte Stimme von Sänger Jónsi. So klingt „Valtari“ (Dampfwalze), das sechste Studioalbum der isländischen Klangzauberer Sigur Rós. Die Band bewegt sich damit wieder weg vom Pop-Mainstream, denn obwohl die Platte acht einzelne Songs bietet, verschwimmt das Ganze zu einem 54-minütigen Gesamtwerk. Wer das nicht mag, hat schnell das Wort Klangbrei auf der Zunge; wer dafür aber Ohren und Seele öffnet, findet sich ebenso schnell in einer Traumwelt wieder, die allen Island-Klischees entspricht. Doch dass es nicht beim Klischee bleibt, dafür sorgen die Qualität der Band, ihre Kompositionen, ihr Spiel. Ein wunderbares Album, das tief drinnen wirkt - an lauen Sommerabenden ebenso wie an einem dunklen Wintermorgen.

ROCK-ALBUM DES JAHRES: Richard Hawley - „Standing At The Sky's Edge“

Richard Hawley und Rockmusik? Bislang war der an Frank Sinatra oder Scott Walker geschulte Bariton-Sänger doch eher für plüschige Balladen berühmt. Auf seinem siebten Studioalbum in zwölf Jahren aber lässt der Nordengländer seiner Wut über die britische Tory-Regierung in dröhnenden Rocksongs freien Lauf - und tobt sich an den Saiten so richtig aus. Dass Hawleys wohltönende Stimme in diesem Gitarrengewitter nicht verloren geht, unterstreicht ihre Brillanz. Aber auch die ruhigeren Lieder von „Standing At The Sky's Edge“ bestechen durch eine geradezu schmerzhafte Intensität und präsentieren den 45-Jährigen aus Sheffield auf der Höhe seiner Kunst. Nach dem traumhaft schönen „Truelove's Gutter“ (2009) legt Hawley ein weiteres Meisterwerk vor. Und ist mit einer Top-3-Platzierung in den britischen Albumcharts verdientermaßen hoch erfolgreich.

INDIE-ALBUM DES JAHRES: The xx - „Coexist“

Es war keine leichte Aufgabe für The xx: Nach dem überwältigenden Debüt von 2009 waren die Erwartungen an die Londoner enorm. Im September meldeten sich Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith dann endlich mit ihrer zweiten Platte „Coexist“ zurück. Reduzierte Beats, kombiniert mit Piano, Orgel oder Steeldrums prägen die elf Titel. Helle und positive Songs wie „Angels“ sind ebenso dabei wie das düstere, tieftraurige „Missing“. Die sanfte, manchmal nur hauchende Stimme von Gitarristin Croft geht unter die Haut und ergänzt sich prächtig mit dem warmen Gesang von Bassist Sim. „Coexist“ ist ein reifes Album: Es scheint, The xx sind erwachsen geworden, ohne dass sie etwas von ihrem zarten Zauber eingebüßt haben.

SINGER/SONGWRITER-ALBUM DES JAHRES: Sean Rowe - „The Salesman And The Shark“

Wenn es ihm zu bunt wird, verkriecht sich Sean Rowe gerne in den Wäldern. „Meine musikalische Reise und meine Erkundung der Natur begannen zur gleichen Zeit“, sagt der Singer/Songwriter, dessen Wurzeln beim klassischem R&B, bei frühem Soul, Folk und Blues liegen. „The Salesman And The Shark“ heißt sein aktuelles Album, das mit sehr persönlichen Balladen die Seele tief berührt. In den Texten spiegelt sich die große Verbundenheit Rowes mit der Natur wider. Der Amerikaner ist mit einer tiefen Stimme gesegnet, die direkt ans Herz geht. Zwischen Leonard Cohen und Tom Waits - dort findet Sean Rowe mit einem großartigen Songwriter-Album in diesem Jahr seinen verdienten Platz.

JAZZ-ALBUM DES JAHRES: Esperanza Spalding - „Radio Music Society“

Esperanza Spalding ist ein Ausnahmetalent. 2010 erhielt sie einen Grammy für ihr Album „Chamber Music Society“ als bester Newcomer. Vor kurzem wurde die Bassistin, Sängerin und Komponistin von den US-Magazinen „Downbeat“ und „Billboard“ zur Jazz-Künstlerin des Jahres gewählt. Bei ihrer neuen Scheibe ist der Name Programm: Für „Radio Music Society“ wollte die 28-Jährige Musik schreiben, die im Radio rauf und runter laufen kann. Das ist ihr mit einigen Nummern auch gelungen. Zu hören ist moderner Jazz mit Pop-, Funk- oder R&B-Elementen. Vor allem „Black Gold“ hat Ohrwurm-Qualitäten. Esperanzas Soul-Stimme modelliert nicht nur die Melodien satt und seidig, sie präsentiert auch Scat-Einlagen sauber und ohne Schnörkel. Im Zusammenspiel mit exzellenten Mitstreitern entstand kraftvolle Musik, die auch überzeugte Nicht-Jazzfans aufhorchen lassen sollte.

KLASSIK-ALBUM DES JAHRES: Joyce DiDonato - „Drama Queens“

Tenöre sind Helden, Sopranistinnen sind Zicken - so lautet das Klischee für die Rollenverteilung in der Opernwelt. Die Amerikanerin Joyce DiDonato will sich diesem Bild nicht fügen und hat sich mit einer Sammlung virtuoser Arien aus der Barockzeit auf das verminte Gelände begeben. „Drama Queens“ nennt sich schön doppeldeutig die Sammlung der königlichen Arien aus dem 18. Jahrhundert - von Berenice, Königin von Palästina, aus der Oper des Italieners Orlandini bis zu Haydns Armida. Furios, tieftraurig oder verzweifelt: DiDonato lotet gemeinsam mit dem Ensemble Il Complesso Barocco die Seelenzustände dieser meist unglücklichen Figuren aus. Und sie meistert noch so schwierige Passagen, als wär's ein Kinderspiel. Der Gänsehaut-Effekt ist garantiert.

dpa

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