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16:25 27.10.2018
»Der Freischütz« am Theater Lübeck sorgt für Diskussionen. Quelle: Paul Leclaire
Lübeck

Seitdem gab es immer wieder Inszenierungen der so genannten deutschen Nationaloper, die polarisierten: Buhrufe 2012 am Theater Erfurt, Empörung 2015 an der Staatsoper Hannover, Watschen 2018 an der Staatsoper Wien. Und nun am Theater Lübeck. Seit der Premiere am 12. Oktober gab es zahlreiche Leserreaktionen und eine kontroverse Diskussion im Theater. Herzlichen Glückwunsch! Was kann es Besseres geben, als ins Gespräch zu kommen, Meinungen auszutauschen? Das Theater muss nicht jedem gefallen, es macht Angebote. Und ein staatlich finanziertes Haus kann und muss es sich leisten können, nicht nur Wohlfühlabende anzubieten, sondern den Nerv der Zeit zu treffen – und auch mal auf den Nerv zu gehen. Ob das dann gelungen ist, ab man alte Stücke auf „Teufel-komm-raus“ ins Heute holen muss, ob ein Bühnenbild stimmig ist, ob Nacktheit auf der Bühne der Wahrheitsfindung dient – das alles können Zuschauer und Kritiker nach eigener Anschauung beurteilen und im besten Falle trefflich drüber streiten.

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Aber genau da wird es spannend. Einige Lesermeinungen, die uns erreichten, verwundern in ihrer Schärfe und Kompromisslosigkeit. Von Klamauk, unverschämtem Klimbim und Bühnenbumsen ist die Rede, Regisseure werden beschimpft und auch Leser, die eine andere Meinung zu der Aufführung haben. Es wird keine ernsthafte Debatte geführt, sondern mit einer kaum nachvollziehbaren Wut draufgehauen. Das passt zur derzeitigen gesellschaftlichen Streit-Unkultur, in der es kaum noch möglich scheint, zuzuhören, Argumente auszutauschen und auch mal eine andere Meinung einfach stehen zu lassen. Gerade solch streitbare Aufführungen bieten sich für Diskussionen an. Was wäre es etwa für ein lebendiger Musikunterricht, würden Schüler sich im Unterricht eine klassische „Freischütz“-Aufführung anhören und dann im Theater die aktuelle Inszenierung sehen.

Das Theater jedenfalls sucht den Dialog, nicht nur in Sachen „Freischütz“. Das Ensemble hatte die Idee, an jedem letzten Donnerstag nach der jeweiligen Aufführung über das gesehene Stück zu sprechen, die ersten Abende sind gut gelaufen. Da kann man nur rufen: Bravo! Und die Einladung annehmen. Gehen Sie ins Theater. Und reden Sie drüber.

Petra Haase

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