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Fernsehen „Tatort“ – Der Weihnachtsmann kam mit Machete
Nachrichten Medien Fernsehen „Tatort“ – Der Weihnachtsmann kam mit Machete
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15:07 02.12.2018
Seltsamer Santa: Der Weihnachtsmann gibt Lena (Romy Seitz) und ihrer Puppe Senta zu verstehen, dass sie jetzt ganz still sein sollen. Quelle: Foto: Hendrik Heiden/BR
München

Das gab’s lange nicht: Einen „Tatort“, der gegen Ende eine so überraschende Wendung nimmt, dass die zuvor erzählte Geschichte fast völlig auf den Kopf gestellt wird. Dabei haben Regisseur Sven Bohse und die Drehbuchautoren Michael Comtesse und Michael Proehl die Münchner Folge „Wir kriegen euch alle“ so geschickt konstruiert und inszeniert, dass der Zuschauer lange Zeit von ihnen wirklich böse in die Irre geführt wird. Auch die makaber witzige Schlusspointe ist brillant.

Die „Tatort“-Kommissare kokettieren mit ihrem Alter

Und zwischendurch gibt es immer wieder kleine Szenen voller Komik, die die ziemlich harte Geschichte zum rechten Zeitpunkt zumindest etwas auflockern und erträglicher machen.

Da klopft beispielsweise ein wohlhabender Besserwisser-Vater vor seinem Sohn so überzogen reaktionäre Sprüche, dass es einfach eine Freude ist. Und es macht auch Spaß, wenn die beiden „Tatort“-Altvorderen Miroslav Nemec (Batic) und Udo Wachtveitl (Leitmayr) in ihrem insgesamt 80. Fall seit 1991 mit ihrem Alter kokettieren.

Eine Räuberleiter ist halt doch eher etwas für Jüngere. Oder der in einem Keller gefangene Batic versucht, mit einer Stange und einem geöffneten Fenster Empfang für sein Handy zu bekommen. Dass dann ein Hund Gefallen an dem Smartphone findet, damit hat Batic natürlich nicht gerechnet.

Batic und Leitmayr finden ein Blutbad mit einer Überlebender

Bevor wir hier völlig ins Schwärmen kommen, muss jedoch erwähnt werden, dass man allerdings am Anfang des Films erst einmal erschrocken denkt: Schon wieder so ein experimenteller Unsinn mit allerlei Hightech-Klimbim! Los geht’s nämlich tatsächlich mit einer sprechenden Puppe, die ihrer kleinen Besitzerin erklärt, dass – mitten im Sommer! – der Weihnachtsmann ihre Hilfe braucht.

Und bereits kurz danach betrachten die Kommissare Batic und Leitmayr betroffen ein brutales Blutbad, dem eine Familie zum Opfer gefallen ist. Ermordet worden sind die Eltern eines Mädchens mit einer Machete, dem Vater wurden zusätzlich noch die Genitalien abgeschnitten. Nur die kleine Tochter hat das grausame Verbrechen unversehrt überlebt. Und an einer Zimmerwand hat der Täter den düsteren Satz geschmiert: Wir kriegen euch alle.

Doch keine Angst, dieser „Tatort“ ist dennoch kein Horrorfilm, obwohl er zuweilen mit Elementen des Genres spielt. Und obwohl Killer in Weihnachtsmannkostümen ja nicht nur im Sommer eine gruselige Angelegenheit sind.

Nein, hier wird eine ganz konventionelle Geschichte erzählt, bei der es vordergründig um Kindesmissbrauch und um Selbstjustiz geht, also um Themen, die die diese Krimi-Reihe zuletzt schon des Öfteren behandelt hat. Und trotz digitalen Spielzeugs ermitteln die Münchner Silberfüchse auch ganz analog, wobei der Zuschauer lange Zeit nicht mehr weiß als die Kommissare auf dem Flachbildschirm.

Die sprechende Puppe ist ein digitales Wunderwerk

Jedenfalls spricht schnell vieles dafür, dass das Morden mit Kindesmissbrauch zu tun hat. Ein Indiz ist die schon erwähnte sprechende „smarte“ Puppe namens Senta. Sie ist nämlich ein kleines digitales Wunderwerk, das mit dem Internet verbunden ist.

Es kann so die Stimme eines Außenstehenden verfremdet ins Kinderzimmer übertragen und den Raum gleichzeitig akustisch überwachen. Und wie Leitmayr weiß, sind solche Puppen 2.0 in Deutschland eigentlich verboten. Eine ganz ähnliche Puppe haben unsere Kommissare wenige Tage zuvor im Schrank einer alten Dame entdeckt, die in ihrer Wohnung offenbar Selbstmord begangen hat und die in einem Verein für Männer, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sind, aktiv war.

Verdächtig: Einer passt auf die Kinder auf und will Rache

Natürlich schauen sich die beiden Ermittler daraufhin den Verein und vor allem eine dortige Selbsthilfegruppe genauer an. Und stoßen so schnell auf Hasko (Leonard Carow), einen zugegeben geistig etwas unterbelichteten Mann, der sich unglaublich verdächtig verhält. Und der offenbar mit diesen Senta-Puppen Kinderzimmer und vor allem Kinder überwacht, bei denen er Missbrauch vermutet. Da er in seiner Kindheit selbst Opfer eines solchen Verbrechens geworden ist, scheint auch das Motiv klar zu sein: Rache. Und eigentlich ist der Fall damit geklärt.

Doch dann kommt alles anders.

Von Ernst Corinth / RND

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