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Fernsehen Comeback: Warum die Wiedergeburt von „Wetten, dass..?“ ein Coup werden könnte
Nachrichten Medien Fernsehen Comeback: Warum die Wiedergeburt von „Wetten, dass..?“ ein Coup werden könnte
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20:13 20.03.2019
Es ist die TV-Sensation des kommenden Jahres: Thomas Gottschalk wird noch einmal „Wetten, dass ...?“ moderieren. Quelle: dpa/Martin Schutt
Hannover

Am Ende weinten ZDF-Mitarbeiter – und trugen T-Shirts mit dem kecken Aufdruck: „An uns hat’s nicht gelegen.“ Es war der 13. Dezember 2014 um 23.48 Uhr – das Ende von „Wetten, dass..?“ nach 215 Ausgaben. Noch einmal mit 63 Minuten Überlänge, noch einmal mit 9,27 Millionen Zuschauern. Drei Jahre lang hatte Markus Lanz bis dahin versucht, den siechen Patienten am Leben zu erhalten. Aber da hatte die einst größte Show Europas schon Kammerflimmern. Vom Sturz von Samuel Koch 2010 und dem Abschied von Thomas Gottschalk 2011 hatte sie sich nie erholt. Lanz war dann nur noch der Sterbehelfer.

Und jetzt die Bestätigung: Der Klassiker kehrt zurück – wenn auch nur für eine einzige Ausgabe: Einmal noch will Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?“ moderieren: 2020, im Jahr seines 70. Geburtstags. Das bestätigte ZDF-Unterhaltungschef Oliver Heidemann dem Medienmagazin DWDL.de. „Ich sag’s mal so: Wenn Sie Baggerfahrer sind und eine gute Idee haben, sollten Sie sich definitiv bewerben“, sagte er. Details sind noch nicht bekannt, auch nicht Termin und Drehort. Aber die Nachricht rührt das Herz all jener, die einst samstags frisch gebadet in Schlafanzugseligkeit versanken. Was waren das für Fernsehzeiten, als Michael Jackson auf einem Hubwagen hoch über Duisburg hing und singend, ach was: tobend gegen die Elemente kämpfte. Als zuckende Männerbrüste noch die Nation erregten. Als Gottschalk noch ein glücklicher Ehemann und allmächtiger Moderator war. Als diese Show, deren ewige Existenz 33 Jahre lang so sicher schien wie der Sonnenaufgang, der Gong der „Tagesschau“ oder die Rente unter Helmut Kohl, tatsächlich noch funktionierte.

Die Zeit, als „Wetten, dass ...?“ eine fast staatsstabilisierende Bedeutung hatte

Im beschönigenden Weichzeichner der Erinnerung ist Frank Elstners Kopfgeburt von 1981 ja zum Inbegriff bundesrepublikanischer Idylle geworden, zur inbrünstig verehrten Versöhnungsfeier der Generationen. Man vergisst das ja schnell: Es gab ja tatsächlich diese Zeit, als „Wetten, dass ...?“ eine fast staatsstabilisierende Bedeutung hatte. Weltreiche vergingen, Mauern fielen – wenn nur alle paar Wochen in der „größten Fernsehshow Europas“ ein Bagger zehn Bierflaschen in zwei Minuten öffnete, schien alles in Ordnung. Dass zwischendurch unter Lanz dann auch mal Tom Hanks mit Katzenohren in der Show herumstand wie eine Parkuhr ohne Groschen – geschenkt.

Jahrzehntelang funktionierte diese Sendung als medialer Kitt, der die Milieus zusammenhielt, der das schleichende Auseinanderdriften der Geschmäcker übertünchte – das ja bei aller Freude an der Diversifikation auch etwas Zerstörerisches in sich trägt. „Wetten, dass ...?“ war deswegen so erfolgreich, weil es tatsächlich das vielstrapazierte „Lagerfeuer der Nation“ war, an dem der vom kalten Tempo der Achtziger ermattete Bundesbürger seine müden Knochen wärmen konnte. Von der nostalgischen Schwermut der „Generation Golf“, die sich für ihre eigenen Kinder das gleiche Sicherheitsgefühl wünscht wie für sich selbst zwischen Playmobil-Piratenschiff, Zauberwürfel und Carrera-Bahn, zehrte die Show noch, als sie längst schon todkrank war, als die Zahl der Nischen wuchs und der Mainstream dahinschmolz. Mit dem Unfall von Samuel Koch 2010 verlor sie ihre Unschuld.

Gottschalk scheint in dieser Woche omnipräsent

Es lief ja seitdem nicht so besonders für Deutschlands noch immer populärsten Entertainer Gottschalk, seit er 2011 Jahren bei „Wetten, dass ...?“ ausstieg, nach 151 Sendungen in 23 Jahren. Die ARD-Vorabendshow „Gottschalk live“ war ein Flop. Die vier Monate als Juror an der Seite von Dieter Bohlen beim RTL-„Supertalent“ waren unter seiner Würde. „Gottschalks Klassentreffen“ endete nach wenigen Ausgaben. Die Spielshow „Die Zwei“ mit Günther Jauch war kaum mehr als eine Zirkusnummer zweier TV-Hengste, die sich zur Musik noch einmal drehen im Staub der Sägespäne. „Mensch Gottschalk“ bei RTL funktionierte auch nicht. In dieser Woche freilich ist der große alte Mann des Blondinenhumors wieder omnipräsent: erst mit seiner Trennung nach 42 Jahren von Ehefrau Thea, dann mit seiner neuen Literatursendung im Bayerischen Fernsehen – und nun mit dem (kleinen) Comeback von „Wetten, dass..?“.

Eine Prognose: Es werden 2020 genügend Nostalgiker zusehen, um das ZDF und Gottschalk selbst noch einmal heftig ins Grübeln zu bringen. Einmal ist keinmal.

Von RND/Imre Grimm

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