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Fernsehen „Schwarzach 23“ – Ein Kopf im Maisfeld
Nachrichten Medien Fernsehen „Schwarzach 23“ – Ein Kopf im Maisfeld
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12:31 29.04.2018
Ermittlungen mit abgelaufenen Dienstausweisen: Frank Germinger Senior (Friedrich von Thun, links) und Karl Obermaier (Jockel Tschiersch) überprüfen ein Alibi. Quelle: Foto: ZDF
Mainz

Wie eine skurrile Vogelscheuche steckt der Kopf eines Mannes auf einem Pfahl. Kein schöner Anblick für Polizistin Anna Germinger (Marlene Morreis), die gerade ihren Freund quer durch das Maisfeld gejagt hat. Sie habe einen Tigerprint-Schlüpfer in ihrem gemeinsamen Bett gefunden, und der sei ganz sicher nicht von ihr, beklagt Anna.

Der grausige Zufallsfund – also der im Maisfeld – lässt die Beziehungsprobleme aber erst einmal in den Hintergrund rücken. „Schwarzach 23 – Und der Schädel des Saatans“ wird zum dritten Fall der chaotischen Polizistenfamilie Germinger aus Hausnummer 23 im bayrischen Schwarzach.

Rasanter Start, dann geht’s zurück ins Krimischema

Die Folge beginnt zwar rasant, fällt aber auch schnell wieder ins konventionelle Krimischema zurück. Wie sich herausstellt, heißt der Tote Herbi Zidinger (Andreas Giebel) und war wegen seiner Monokultur-Maisfelder ziemlich unbeliebt. „Kampf dem Saatan“ steht auf zahlreichen Protestschildern am Rande seiner Felder.

Hauptkommissar Franz Germinger junior (Maximilian Brückner) beginnt zunächst auf dem Hof der Familie Zidinger zu ermitteln, wo ihn ein recht ungewöhnliches Beziehungsgeflecht erwartet: Ehefrau Klaudia (Marion Mitterhammer) genießt das süße Leben auf dem bayrischen Land und hat eine Affäre mit dem vermeintlich polnischen Hofarbeiter (Florian Karlheim).

Nebenan wohnt ihre hochschwangere Schwester Lucy (Franziska Schlattner), die mit dem inzwischen toten Zidinger zusammen war. Sohn Alois (David Zimmerschied) lebt von Frau und Kind getrennt und ist auf die Eltern nicht gut zu sprechen.

Jeder hier hat ein Motiv

Motive haben sie alle. Ist Klaudia nur auf das Erbe aus? Weiß der schweigende Pole mehr, als er sagt? Warum spricht Alois auf einem Video Morddrohungen gegen seinen Vater aus? Und was hat der aalglatte Saatgut-Vertreter und „Freund der Familie“, Joon de Ville (Dominique Horwitz), mit all dem zu tun? Er kommt den Ermittlungen nämlich immer wieder zuvor und präsentiert verdächtig wasserdichte Alibis.

So komplex wie die Familienbande der Zidingers sind auch die der Germingers. Junior und Senior (Friedrich von Thun) geraten aneinander, weil der Patriarch auch nach zwei Schwarzach-Folgen nicht aufhören kann, in die Ermittlungen hineinzupfuschen. Mit längst abgelaufenen Polizeiausweisen versucht er seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Und Mutter Erika (Gundi Ellert) beginnt ausgerechnet eine Affäre mit Joon de Ville, mit dem sie schon seit ihrer Jugend auswandern wollte.

Die ersten „Schwarzach“-Krimis waren Publikumserfolge

Bei den ZDF-Zuschauern kamen die ersten beiden Folgen des Krimis gut an. Zwar verlor die zweite Folge von 2016, „Schwarzach 23 – Die Jagd nach dem Mordsfinger“, eine Million Zuschauer im Vergleich zum Debütfilm, rechtfertigte mit guten 4,47 Millionen Zuschauern und 14,6 Prozent Marktanteil trotzdem einen dritten Teil.

Auch das Ensemble hat sichtlich Spaß an der Sache. Und an so mancher Stelle blitzt Originalität auf. Eine kleine Hommage an „Der unsichtbare Dritte“ gehört zu den überraschendsten Szenen des Neunzigminüters. Franz junior lässt sich von einer Pestiziddrohne durch ein Maisfeld jagen. Anders als Cary Grant im Hitchcock-Film entkommt Franz den Giften aus dem Flugkörper aber nicht und landet halluzinierend bei seiner Schwester.

Der Film schwankt zwischen Ernst und (bösem) Witz

Der abermals von Matthias Tiefenbacher inszenierte und Christian Jeltsch geschriebene Fernsehfilm kann sich oft zwischen Ernst und schwarzem Humor nicht entscheiden. Chancen, die Eskapaden seiner Figuren ad absurdum zu führen, nutzt er selten. Filme wie die österreichischen „Brenner“-Krimis mit Josef Hader zeigen wie ein „Genre-Mix aus Krimi und Komödie“ besser gelingen kann. Die schwarzhumorige Pointe am Schluss kommt dann allerdings unerwartet.

Von Juliane Görsch

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