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Fernsehen Jan Böhmermann trällert „Es gibt keine Nazis in Sachsen“
Nachrichten Medien Fernsehen Jan Böhmermann trällert „Es gibt keine Nazis in Sachsen“
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14:58 31.08.2018
Jan Böhmermann ist zurück aus dem Urlaub. Mit seinem „Neo Magazin Royale meldet er sich aus der Sommerpause zurück. Quelle: Oliver Berg/dpa
Hannover

Manchmal, da liegen die Themen auf der Straße. Manchmal, da ziehen Massen durch die Straßen und skandieren rechte Parolen – wie in Chemnitz. Oder ein anderes Mal wird ein Kamerateam von seiner Arbeit durch einen selbst ernannten Rechtshüter mit Hut abgehalten – wie in Dresden. Für Jan Böhmermann, dem Lustigmacher der Nation, sind dies Paradethemen. Klar, dass er da in der ersten Sendung nach der Sommerpause zugreifen muss.

Böhmermann singt im Duett mit dem Hutbürger

Herausgekommen ist kein subversiver Fake wie bei Varoufakis 2015, sondern das verschmitzt trällernde Liedchen „Es gibt keine Nazis in Sachsen“ von Böhmermann im Duett mit dem Hutbürger, der auf einer AfD-Demonstration in Dresden mit polizeilicher Hilfe Reporter von „Frontal 21“ von ihrer Arbeit abgehalten hat. Der Mann, ein nun ehemaliger Mitarbeiter des LKA, vervollständigt die Zeilen des Schelms per Video-Einspieler.

Der Takt holpert zwischendurch, genauso wie der Reim – vergessen und vergeben. Im Hintergrund summen die vier Herren in Hutbürger-Outfit: mit beiger Hose, kariertem Hemd, roter Weste, Matrix-Sonnenbrille und vollendet durch den Deutschland-Anglerhut. Böhmermann singt gegen das Sachsen-Bashing: „Keine Nazis in Sicht hier“. „Sie haben mich ins Gesicht gefilmt. Das dürfen sie nicht“, steuert der Hutbürger bei.

Ist ein einfacher Witz immer ein guter Witz?

Der Hutbürger ist aber auch ein einfacher Gegner: Schließlich hat sich halb Deutschland bereits über den Aufzug des Mannes lustig gemacht – wie bei Twitter. Da setzt es nicht mehr viel mehr oben drauf, wenn sich Böhmermann nun, etwa zwei Wochen nach dem Vorfall, mit 12 Refrains von „Keine Nazis in Sachsen“ darüber lustig macht.

Gleichzeitig funktioniert der Witz nach den Aufmärschen von Neonazis und gewaltbereiten Hooligans in Chemnitz nicht mehr. Denn dem Song liegt die Annahme zugrunde, dass in Sachsen Rechtsextremismus unter der Oberfläche schwelt, wie es bei dem NSU der Fall war. „Die Sachsen sind nicht rechts, sie stehen bloß stumm dabei“, singt Böhmermann. Das wäre vielleicht witzig, wenn man sich besorgte Bürger vorstellt, die sagen: „Ich bin kein Nazi, aber...“ oder die brummen: „Das wird man doch mal sagen dürfen.“ Die Bilder aus Chemnitz zeigen aber keinen unterschwelligen Rassismus, sondern offene Randale, Plakate auf denen „Ausländer raus“ steht. Vielleicht hatten die Macher von „Neo Magazin Royale“ keine Zeit mehr, um auf die Vorfälle in Chemnitz zu reagieren.

Das Royale-Team lässt mit dem neuen Song die Selbstsicherheit der Gerechten eben nicht in sich zusammenfallen, wie es das beim Varoufake geschafft hat. Denn was macht Böhmermann während die Bundesrepublik über fehlendes Demokratie-Engagement der Bürger und über ein politisch vernachlässigtes Ost-Deutschland diskutiert? Der macht einen dummen Witz.

Nun denn. Die Sendung wird im ZDF in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.15 Uhr wiederholt.

Von Geraldine Oetken / RND

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