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Schule ist langweilig in Boring, Oregon

Neue Serie bei Netflix Schule ist langweilig in Boring, Oregon

Rücksturz in die Neunzigerjahre: In der Serie „Everything sucks!“ (streambar ab 16. Februar bei Netflix) wird ein Schülerleben heraufbeschworen, in dem es Netflix und Wikipedia noch nicht gab. Außenseiter raufen sich zusammen, um einen Film über ihr langweiliges Leben in Boring, Oregon, zu drehen. Das könnte durchaus amüsant werden.

Helden der Neunziger: Oliver (Elijah Stevenson v. l.), Kate (Peyton Kennedy), Tyler (Quinn Liebling), Luke (Jahi Di’Allo Winston), Emaline (Sydney Sweeney) und McQuaid (Rio Mangini).

Quelle: Netflix/Screenshot

Hannover. Mit dem divenhaften Queen-Sänger Freddie Mercury starben 1991 die pfauenhaft-bunten Achtzigerjahre schließlich auch in der Popmusik. Grungebands rockten fortan die Welt und stellten dem Hedonismus der Vergangenheit ein übles Zeugnis aus. Dem Anspruch auf Unterhaltung und Zerstreuung sang Kurt Cobain im Song „Smells like Teen Spirit“ sein sarkastisches „Here we are now – entertain us!“ im Song „Smells like Teen Spirit“ entgegen.

Als der ikonische Mr. Antipop sich im April 1994 erschoss, schien das Jahrzehnt vorzeitig am Ende, alles weitere nervte nur, vor allem die Schule. „Everything sucks!“ („Alles Mist!“) war entsprechend ein Slogan der Zeit - das „No Future!“ der Neunzigerjahre. In kleinen Städten passierte ja auch gefühlt weniger als Nichts. Selbst die Langeweile schien gelangweilt von so viel Leere.

Außenseiter sind zusammen stärker

Was natürlich von außen betrachtet ganz anders und ziemlich munter aussieht. Jedenfalls wenn man den Trailer zu „Everything sucks!“ ansieht. Eine Netflix-Serie dieses Titels startet am 16. Februar und riecht ziemlich nach Teen Spirit. Ihre Helden leben 1996 in einer Stadt in Oregon, die vielsagend Boring heißt - „langweilig“. Sie besuchen die High School und engagieren sich dort in der Medien- und der Theater-AG. Außenseiter, die sich zusammenschließen, um gemeinsam stärker zu sein. Einen Film wollen sie drehen darüber wie man das Teenager-Fegfeuer der örtlichen Bildungsanstalt halbwegs unbeschadet überstehen kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Neunzigerjahre aus Jugendlichensicht gezeigt werden. Aus der Zeit selbst stammen Winnie Holzmans „Willkommen im Leben“ (1994 – 1995), Amy Heckerlings „Clueless – Die wichtigen Dinge des Lebens“ (1996 – 1999) und Joss Whedons „Buffy – Im Bann der Dämonen“ (1996 – 2003). Ging es in den drei erstgenannten noch ziemlich klassisch um Pubertät, Liebe, Lehrer und den schnöden Materialismus, musste sich Sarah Michelle Gellar als Buffy neben dem normalen Schulbetrieb noch mit allerhand schwer zu bändigenden paranormalen Wesen herumschlagen.

Die Serienschöpfer verarbeiten eigene Erinnerungen

Die „Everything sucks!“-Schöpfer Ben York Jones und Michael Mohan, die in den Neunzigern zur Schule gingen, packen nun ihre eigenen Erinnerungen in die Serie. Zu Witz und Gefühl soll sich Realismus gesellen. „Die Neunziger sind nur die Oberfläche“, sagen die Macher in einem Interview, „Ihre Musik, ihre Tamagotchis und ihre Schnapp-Armbänder. Aber es geht hauptsächlich um unsere Charaktere und wie sie miteinander klarkommen.“

Die könnten einen tatsächlich von relevanteren, wuchtigeren, zeitgemäßeren Serien abziehen. Besieht man sich den Dreiminutentrailer, findet man Kate (Peyton Kennedy), McQuaid (Rio Mangini), Tyler (Quinn Liebling), Luke (Jahi Di’Allo Winston), Oliver (Elijah Stevenson) und Emaline (Sydney Sweeney) sehenswert bis sympathisch. Vom 16. Februar an kann man ihnen beim Streamingdienst zehn Mal eine halbe Stunde folgen. Oder die 300 Minuten fix am Stück wegflixen.

Reizvoller Rückblick in analogere Zeiten

Dürfte reizvoll werden, zurückzuschauen in analogere Zeiten. Als man für Referate noch in Bibliotheken abtauchte statt in nullkommanichts den Wikipedia-Artikel zu überfliegen, als man noch Briefchen per Papierbällchen durchs Klassenzimmer warf statt mal schnell eine WhatsApp zu schreiben. Im Trailer rollt die Vertretungslehrerin den Fernseher rein. Irgendein langweiliger Film statt Unterricht – um den Lärmpegel erträglich zu halten. So war das damals, als alles Mist war. Eigentlich wars gar nicht so schlecht.

Von Matthias Halbig / RND

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