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Fernsehen Organspende – die ganz großen Fragen
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10:18 10.09.2018
Karl Lauterbach war einer der Gäste zum Thema Organspende bei Anne Will. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
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Berlin

Am Ende fragt Moderatorin Anne Will die Frau an ihrer linken Seite, was es für sie bedeute, dass die Organe ihres Mannes in einem anderen Menschen weiterleben. „Ein unheimlicher Trost” sei das, antwortet Anita Wolf. Eine Frau, die inzwischen Frieden mit ihrer Entscheidung gemacht hat, den Körper ihres Mannes für die Entnahme der Organe freigegeben zu haben.

Allein habe sie sich damals gefühlt. Die Angehörigen seien bei der Organspende eben immer auf der „dunklen Seite”, während diejenigen, die eine neue Niere, ein Herz oder eine Leber bekomme, sich als „King” fühlen könnten. Was zu der Erkenntnis führt: Auch die jetzt, nach einem entsprechenden Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diskutierte „doppelte Widerspruchslösung“ wird an der Ohnmacht der Angehörigen kaum etwas ändern.

Anspruchsvoller wie facettenreicher Talk

Während bei RTL Länderspiel-Fußball läuft, bietet die ARD einen ebenso anspruchsvollen wie facettenreichen Talk über ein Thema, das gerne beiseite geschoben wird. Mit dem Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen und dem SPD-Politiker Karl Lauterbach sind gleich zwei energische Verfechter einer Liberalisierung der Organspende mit von der Partie und mit dem früheren Berliner Bischof Wolfgang Huber ein Theologe, der diese Überlegungen nicht als Segen sehen mag. Außerdem im Studio: Der frühere Bundesliga-Profi von Werder Bremen Ivan Klasnic, der bereits mit seiner dritten Spenderniere lebt, und die Gesundheitssoziologin Alexandra Manzei.

Und es wird eine Debatte, die schnell über das oberflächlich Appellative hinausgeht, nicht stehen bleibt beim obligatorischen Hinweis, jeder möge sich doch wenigstens einmal im Leben mit der Frage beschäftigen, ob er dazu bereit sei, später einmal seine Organe zu spenden. Es ist Altbischof Huber, der zwar selbst einen Spenderausweis in der Tasche hat, aber bei aller Ethik des Helfens doch vor der ganz großen Grenzverschiebung warnt: „Die Organspende ist keine Organspende mehr, wenn sie zu einer Organ-Bereitstellungspflicht wird.”

„Leichenteile kann man nicht verpflanzen“

Man mag in dieser Sendung nicht alle Positionen zu den großen Fragen der Organspende teilen. Doch sind es Pointierung und hohe Faktendichte, die Orientierung bieten.

Etwa bei Gesundheitssoziologin Manzei, die aufräumt mit der Vorstellung, dass es völlig leblose Menschen seien, denen Organe entnommen würden, um anderen zu helfen. „Leichenteile kann man nicht verpflanzen”, sagt Manzei. Es gehe immer um den Körper von Hirntoten, deren Herz noch schlage. Und davon gebe es nur 3000 bis 4000 Fälle pro Jahr – viel zu wenig angesichts von 10.000 Schwerkranken auf den Wartelisten. Vor diesem Hintergrund müsse auch über andere, alternative Möglichkeiten der Hilfe nachgedacht werden, so Manzei.

Wenn der Bundestag da ansetzt, wo die Runde im TV-Studio am Sonntagabend aufgehört hat, könnte die Organspende-Debatte zu einer Sternstunde des Parlaments werden.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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