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Medien Lena Meyer-Landrut: „Ich staune, was ein Post alles auslösen kann“
Nachrichten Medien Lena Meyer-Landrut: „Ich staune, was ein Post alles auslösen kann“
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22:37 11.02.2019
„Am Ende geht es darum, sich selbst lieben zu lernen“: Lena Meyer-Landrut. Quelle: dpa
Hannover

Viele Fans waren in Sorge, als Lena Meyer-Landrut 2018 ihre Tour und ihr neues Album auf unbestimmte Zeit verschob. Doch sie brauchte eine Orientierungsphase, um sich neu zu sortieren. Die Auszeit ist nun abgeschlossen – „LML“ startet wieder durch. Ihr neues Album „Only Love, L.“ erscheint im April, gefolgt von einer Tour durch 14 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und schon am 17. Februar kehrt sie als Jurorin zur Sat.1-Castingshow „The Voice Kids“ zurück. In einem Berliner Studio treffen wir uns zu einem Gespräch über Popmusik, seltsame Klatschmedien, sexy Instagram-Fotos, innere Ruhe und den Kampf gegen Mobbing.

Frau Meyer-Landrut, im letzten Frühjahr haben Sie sich ein bisschen zurückgezogen, sich auch musikalisch neu sortiert. Wie geht es Ihnen jetzt?

Sehr gut. Ich habe gerade ein Doppelleben. Ich schlafe nicht mehr. Tagsüber arbeite ich bei „The Voice Kids“ und nachts im Studio. Wir nehmen den Gesang auf, alles Übrige steht.

Im April erscheint Ihr fünftes Album „Only Love“, dann folgt eine Tour. Was wird das für ein Album?

Das wird ein Popalbum! Ich bin halt ein Popmäuschen. Ich liebe das. Ich liebe Shawn Mendes, ich liebe Ariana Grande und Katy Perry und Taylor Swift und Selena Gomez und ich könnte jetzt noch vierzehn andere nennen. Es gibt ein paar elektronische Einflüsse, aber auch wieder mehr organische Elemente, mit echten Instrumenten, echtem Klavier, nicht nur programmiert und komplett mit Vocoder…

…das heißt künstlich aufgedoppelter Stimme…

Genau. Und es ist ein fröhliches, positives Album. Es gibt natürlich auch ein bis zwei dunklere Songs, das muss auch so sein bei einer Leni-Platte, aber der Titel „Only love“ ist schon das Motto. Es ist meine Signatur, und ich finde den Gedanken schön, alles mit Liebe zu beenden. Die letzten anderthalb Jahre meines Lebens waren sehr intensiv, vieles hat sich verändert. Und mir ist es immer wichtig, bei jedem Abschied und Neuanfang ein gutes Gefühl zu haben.

„Und Eso-Leni wurde geboren“

Und hat diese kleine Auszeit Ihnen gutgetan?

Die Auszeit war auf jeden Fall ein großer Schritt auf dem Weg zu meiner inneren Mitte. Im Herbst 2017 habe ich damit angefangen, mich wieder stärker an mein inneres Wesen zu erinnern. Und Eso-Leni wurde geboren (lacht).

Eso-Leni?

Eso-Leni steht sozusagen für den spirituellen Weg zum authentischen Ich, zur Mitte, zum Hier und Jetzt in der Gegenwart. Am Ende ist es eine Reise zu mir selber. Es war ein anstrengender Weg, mit vielen Dingen, die ich in dieser Zeit persönlich verändert habe. Es ist einiges passiert, auch beruflich. Manchmal muss man Dinge offen ansprechen, und das bedeutet eben auch, dass man aus den Erkenntnissen Konsequenzen ziehen muss. Am Ende geht es darum, sich selbst lieben zu lernen. Und den Mut zu haben, sich mit dem zu konfrontieren, was einen daran hindert, authentisch zu sein.

Sie haben sich vor Kurzem bei Instagram sehr wirkungsvoll und originell gegen Hater gewehrt – mit einem Selfie vor dem Spiegel, auf dem all die hässlichen Beleidigungen standen, denen Sie im Netz ausgesetzt sind.

Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Platz in den sozialen Medien auch mehr und mehr dazu nutzen will, Dinge zu teilen, die mich wirklich bewegen und berühren. Ich finde das wichtig – auch als Gegenpol zu der allgemeinen Fake-Realität auf Instagram. Man soll auch einen Eindruck von dem bekommen, was mich wirklich ernsthaft beschäftigt.

Lena Meyer-Landrut

Seit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest 2010 hat sich Lena Meyer-Landrut – geboren am 27. Mai 1991 in Hannover – als Sängerin, Entertainerin, Influencerin und Synchronsprecherin etabliert. Im April erscheint ihr fünftes Album „Only Love, L.“. Ab dem 17. Februar ist sie wieder als Coach in der Sat.1-Castingshow „The Voice Kids“ zu sehen. Ihre „Only Love“-Tour führt sie im Sommer unter anderem nach Leipzig (12. Juni), Hannover (20. Juni), Dresden (27. Juni) und Berlin (30. Juni).

„Diese Doppelmoral! Da möchte man vor Wut schreien“

Engagement birgt Risiken. Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg hat einen heftigen Shitstorm erleben müssen, weil sie als Klimaaktivistin einen Plastiklöffel benutzt hat. Das ist doch absurd.

Ja. Da möchte man vor Wut doch schreien! Diese Doppelmoral! Dann entscheidet sie sich schon gegen das Flugzeug und für den Zug, und alle jubeln – und dann nimmt sie einen Plastiklöffel, und alle jaulen auf: Du Umweltschwein! Das ist so verlogen. Man kann doch nicht immer alles richtig machen als Mensch. Man kann nur versuchen, ein Bewusstsein zu schaffen und kleine Samen zu pflanzen.

Gerade haben Sie sich darüber aufgeregt, dass Ihr schwuler Hairstylist Philipp kein Blut spenden darf, weil er zur Risikogruppe gehört – und zwar mit dem Satz: „Ich finde das nicht okay. Not cool, Deutschland!“

Ja. Und die Schlagzeile war dann: „Lena Meyer-Landrut lästert über Deutschland“.

Überhaupt die Schlagzeilen: Ich hab mal in Google NewsLena“ eingegeben. Das Ergebnis aus drei Tagen: „Lena: Nippelblitzer bei Instagram“, „Lena ultra-heiß auf Foto, doch ein Detail irritiert alle“. Und „Lena versetzt Fans in Aufregung: Hat sie Ihre Hose vergessen“…

Und ich hatte unter dieses Foto extra schon selbst „Hose vergessen“ drunter geschrieben! Ich dachte, vielleicht checken die Leute die Selbstironie. Falsch gedacht.

„Im Vergleich bin ich bei Instagram ja ziemlich unsexy unterwegs“

Macht es Ihnen Spaß, diese überdrehte Maschinerie zu füttern? Oder ist das einfach eine Begleiterscheinung des Jobs?

Manchmal bin ich mir der Ausmaße noch immer nicht bewusst. Dann staune ich, was ein Post alles auslösen kann. Manchmal rege ich mich tatsächlich auch noch auf. Ich finde es unglaublich. Denn im Vergleich bin ich bei Instagram ja ziemlich unsexy unterwegs. Was man da teilweise sieht! Und ich poste so harmlose Bilder. Aber meistens lachen wir uns kaputt darüber, was an Reaktionen kommt.

In der ersten Single „Thank You“ geht es um Mobbing. Unter dem Video dazu steht: „Ich glaube, sich zu seinen schwächeren Phasen zu bekennen macht Mut und bestärkt auch andere, und aus diesem Miteinander entsteht neue Kraft.“ Es geht darum, wie man seine Wunden mit Stolz trägt. Wie tut man das?

Ich kann nur sagen, was mir geholfen kann. In dem Song geht es um eine bestimmte Lebensphase, in der ich mich schlecht behandelt fühlte von jemandem – und erst im Nachhinein spürte: Hey, diese Zeit hat mir auch etwas gebracht, denn ich habe sehr viel gelernt. Ich konnte wachsen.

Deshalb das trockene „Thank You“.

Genau. Im Sinne von: Danke, du Arsch.

„Man kann Feuer nicht mit Feuer löschen“

Sie sind eine erfahrene Zielscheibe für alle möglichen Aggressionen. Was raten Sie jemandem, der seinen ersten Shitstorm erlebt? Wie verhält man sich richtig?

Das Wichtigste ist, sich klarzumachen: Es geht gar nicht um dich. Du bist nur eine Projektionsfläche. Egal, ob prominent oder nicht prominent: In 99 Prozent der Fälle hat es nichts mit dir zu tun, sondern mit dem, der dich angreift, weil der selbst ganz offensichtlich ein Problem hat: Wut oder Angst oder Emotion XY. Und man kann nicht Feuer mit Feuer löschen. Wie man damit umgeht, ist sehr individuell. Manche schreiben es auf, manche sprechen mit anderen darüber, manche schweigen. Wobei schweigen immer der schlechteste Weg ist. Spiri-Leni würde sagen: Hauptsache, die Sache ist aus dem System.

Spiri-Leni!

Ja! Die gibt’s. Ich komme hier gleich mit einem Palo Santo und räuchere den Raum aus!

„Ich habe ein gutes Bauchgefühl“

Wenn Sie Musik schreiben: Bekommen Sie während des Schreibens schnell ein Gefühl dafür, wenn etwas Besonderes entsteht oder eben nicht? Hadern Sie lange?

Bisher war ich niemand, der lange an etwas herumfriemelt. Ich habe ja das große Glück, dass das, was ich mir wünsche, mir mehr oder weniger zugeflogen kam. Ich kann nichts anderes sagen, als dass ich ein absolutes Glückskind bin. Dafür bin ich sehr dankbar und demütig. Aber ich habe durchaus an meinem Durchhaltevermögen und meiner Disziplin gearbeitet. Ich schmeiße nicht mehr alles sofort weg, was nicht gleich funktioniert. Es sei denn, mein Bauchgefühl stimmt nicht. Denn ich habe ein gutes Bauchgefühl. Aber es fällt mir noch immer sehr schwer, an etwas dranzubleiben. Das ist die größte Aufgabe für mich.

Wären Sie nicht die perfekte Kandidatin für ein neues Personality-Magazin namens „Lena“? Wie „Barbara“ von Barbara Schöneberger?

Einen Podcast! Den fände ich cooler. Einfach, weil ich ja auch eine Laberbacke bin.

„Der ESC ist der Grund, warum ich hier bin“

Sie kehren nun zurück als Jurorin zu „The Voice Kids“. Was hat Sie denn zurückgetrieben in die Arme von Sat.1?

Der Sender hat gefragt, ob ich noch mal Lust hätte. Und die hatte ich! Ich war traurig, dass ich zwei Jahre lang nicht dabei sein konnte. Umso schöner ist es, jetzt zurückzukehren. Ich habe auch noch Kontakt zu „meinem“ Gewinner Noah Levi von 2015. Er ist ab und zu im Studio dabei, wir schreiben uns.

Und Carlotta Truman, die 2014 auch schon bei „The Voice“ war, ist jetzt am 22. Februar beim deutschen Vorentscheid „Unser Lied für Israel“ für den Eurovision Song Contest dabei. Als eine Hälfte des Duos „Sisters“…

…und die andere Hälfte ist meine Backgroundsängerin Laurita Spinelli!

Da schließt sich ein Kreis. Sie haben sich eine Zeitlang ferngehalten vom ESC. Sind Sie inzwischen wieder Kumpels, der Wettbewerb und Sie?

Wir sind wieder Kumpels. Es gab eine Versöhnung. Ich habe in dieser Orientierungsphase gemerkt: Es ist Quatsch, auf Distanz zum Thema ESC zu gehen. Der ESC ist der Grund, warum ich hier bin. Er ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens. Und ich bin ein Teil vom ESC und werde es immer sein. Das heißt ja nicht, dass ich sofort wieder antreten muss.

Von Imre Grimm/RND

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